Köln - Man kommt in diesen Tagen einfach nicht an ihm vorbei. In der Kölner Innenstadt gehören Menschen mit seinem Trikot zum Straßenbild wie Kölsch-Werbung oder die Straßenbahn. Zeitungen steigern ihre Auflage mit ihm ("Heute mit Poldi-Poster"), sogar die Glückwunsch-SMS seiner Freundin nach dem Spiel gegen Australien ist hier eine ganze Seite wert. "Er öffnete nach dem Abpfiff die Klappe seines Motorolas, blickte auf das Foto seiner Freundin im Display - und lächelte", wusste der "Express" zu berichten.
Vor dem Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Abend gegen Tunesien (ab 18 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) hat die Begeisterung für Lukas Podolski einen neuen Höhepunkt erreicht. Man könnte sogar meinen, der 20-Jährige hätte den Dom als größte Attraktion der Stadt abgelöst.
"Unsere Fans sind super und wir können ins Halbfinale einziehen", sagt Podolski. Er trägt ein weißes Shirt, auf dem lokalpatriotisch "Köln" steht, eine schwarze Hose und Adiletten. Es ist die letzte Pressekonferenz vor dem zweiten Spiel der deutschen Mannschaft im Konföderationen-Cup, und Podolski soll seine ganz persönliche Fußballwelt erklären. Hat die deutsche Mannschaft ein Abwehrproblem? "Wir stehen als Mannschaft auf dem Platz und die ist für Tore und Gegentore verantwortlich." Haben Sie Angst, dass Ihre Karriere irgendwann einen Knick bekommen könnte? "Auch wenn es mal bergab geht, ich werde immer nach vorn blicken."
Er sagt viele solcher Sätze in dieser Pressekonferenz, die durch ihre Kürze bestechen und ihre vermeintliche Gehaltlosigkeit. Nur sollte man die Schlichtheit seiner Worte nicht mit einem schlichten Gemüt gleichsetzen. Podolski, der in Gliwice geboren wurde und dessen Kölscher Dialekt deshalb einen starken polnischem Einschlag hat, sagt nur, was er denkt. Und kein Wort mehr.
Völler ging, Podolski ist geblieben
Seit fast einem Jahr ist Podolski nun Teil der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Damals, im Juni 2004, hieß sein Trainer Rudi Völler, der ihm - quasi mit seiner letzten Amtshandlung - zum Debüt in der DFB-Elf verhalf. Es war im finalen Spiel der heute gern verdrängten Europameisterschaft, als der damals gerade 19-Jährige gegen Tschechien zur Halbzeit eingewechselt wurde. In Spielberichten tauchte der 45-minütige Einsatz des Stürmers als "Belebung" auf, auch wenn er das 1:2 und das Ausscheiden der deutschen Teams nicht verhindern konnte. Völler ging kurz darauf, Podolski ist geblieben. Bis heute. Mittlerweile darf er sich sogar Stammspieler in der deutschen Nationalmannschaft nennen - was nur konsequent ist.
Podolski ist vielleicht der modernste Stürmer, den Deutschland derzeit hat. Zumindest ist er wie geschaffen für den Power-Fußball, den Bundestrainer Jürgen Klinsmann seiner Mannschaft verordnet hat. Podolskis linker Fuß ist außergewöhnlich, seine Schnelligkeit auch. Daneben besitzt er eine Robustheit, die der seiner Worte in nichts nachsteht. Marcel Koller, Podolskis erster Profitrainer und Förderer beim 1.FC Köln, nannte ihn gar ein "Wunder auf zwei Beinen". Der so Überhöhte hatte in seiner ersten Bundesliga-Saison zehn Treffer in 19 Spielen erzielt - und war kurze Zeit später zum jüngsten Nationalspieler seit Uwe Seeler und Olaf Thon geworden.
Seither ist Podolski auch so was wie ein gesamtdeutsches Phänomen. Mit Auftritten wie im Freundschaftsspiel in Nordirland, als er erst seinen Verteidiger abschüttelte wie lästigen Ballast und dann den Torwart mit links überwand, haben ihn mittlerweile zum drittbeliebtesten Spieler nach den Bayern-Granden Michael Ballack und Oliver Kahn gemacht - mit Steigerungspotenzial nach oben. Beim ersten Auftritt der deutschen Mannschaft während des Konföderationen-Cups wurde die Nummer 20 ("Ich muss noch an meinem rechten Fuß und dem Kopfball arbeiten") vom Frankfurter Publikum bei jeder Ballberührung gefeiert. Ballack hingegen musste sich am Ende sogar Pfiffe anhören.
Podolskis Hoffnung: "Rein, fertig, nach Hause"
Vielleicht haben sich die Menschen nach einem wie ihm gesehnt, dem Platitüden fremd sind und der sein gesamtes Tun auf den Fußball reduziert. Und der noch für so etwas wie Verlässlichkeit steht. Mit dem 1. FC Köln ("Mein Traumverein") ging er nach dem Abstieg 2004 in die Zweite Liga - und schoss seinen Club mit 24 Toren in 30 Spielen gleich wieder zurück. Man nimmt es Podolski ab, wenn er sagt, dass der Aufenthalt in der mitunter als "Klopperliga" verhöhnten Klasse sogar gut für ihn gewesen sei, weil er sich dort manchmal dreier Gegenspieler erwehren musste. Man nimmt es ihm sogar ab, dass er auch zufrieden sei, wenn er nur als Ersatzspieler zu Einsatz komme.
Heute Abend wird Podolski von Anfang an spielen, das hat Joachim Löw bereits verkündet. "Wir haben zuletzt in der Offensive sehr gut gespielt", erklärte Klinsmanns Assistent. Doch das wird nicht der einzige Grund für die Nominierung des Supertalents sein. Schließlich ist es für den Kölner das erste Länderspiel vor heimischer Kulisse. "Natürlich würde ich gern ein Tor machen, ganz klar", sagt Podolski. In diesem Fall werden wieder alle auf eine verbale Reaktion warten wie die, die Podolskis Freund Bastian Schweinsteiger nach dem Spiel gegen Russland (2:2) zum Besten gab: Mit "Rein, fertig, nach Hause" habe der Stürmer Schweinsteigers 2:1-Führung kommentiert. Eins steht fest: Sie wird ähnlich kurz ausfallen.
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