Hamburg - "Der Vorstand hat einstimmig entschieden, die Ausgliederungs-Aktivitäten einzustellen. Aufgrund der Stimmungs- und Diskussionslage hatten wir nicht das Gefühl, dass wir unser Vorhaben inhaltlich und juristisch vermitteln konnten", musste Hoffmann gestern Abend nach vierstündiger Debatte gegen 23.30 Uhr einen Rückzieher machen. Bei einer Abstimmung hätte es wohl ein Debakel für den HSV-Vorstand gegeben. "Man muss auch Niederlagen hinnehmen können. Der HSV ist auf einem guten Weg, aber wir haben gedacht, dass wir ihn auf einen noch besseren bringen können", sagte Hoffmann.
Die Vereinsführung hatte es nicht verstanden, die rund 400 im Vip-Raum der AOL-Arena erschienenen Mitglieder von der Notwendigkeit einer Strukturreform zu überzeugen. Hoffmann hatte sich seit geraumer Zeit dafür eingesetzt, die Lizenzspielerabteilung aus dem Universalverein auszugliedern und in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln. Damit bleibt der Hamburger SV ein eingetragener Verein (e.V.) wie seit 118 Jahren. Das Gros der Mitglieder jubelte, als Hoffmann das Scheitern der Pläne verkündete.
Engagiert hatte der Vorstandsvorsitzende sein Konzept vorgetragen. Neben dem Profiteam sollten auch die Mannschaften von Regionalliga bis B-Jugend, Bundesliga-Frauen, die Vermarktungsabteilung und das Stadionmanagement aus dem 25 Abteilungen starken Verein herausgelöst und in eine gemeinsame Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Der vornehmlich für den Amateursport verantwortliche Mutterverein wäre aber mindestens zu 75,1 Prozent Träger des neuen Tochterunternehmens geblieben.
"Keine russischen oder amerikanischen Milliardäre"
Die restlichen 24,9 Prozent der Fußball-AG hätten zum Zweck der Kapitalgewinnung allerdings an einen strategischen Partner verkauft werden können. So hätte das einzige verbliebene Gründungsmitglied der Bundesliga eine weitere Kapitalquelle erschließen können. Die meisten Erstligisten haben diesen Schritt bereits vollzogen. Da Hoffmann mit seinem Rückzug einem Antrag des HSV-Ehrenrates entsprach, können die Vorbereitungen zur Ausgliederung erst nach einem positiven Entschluss der Mitgliederversammlung Ende des Jahres wieder aufgenommen werden.
Zuvor hatten sich selbst Teile des Aufsichtsrats und der frühere HSV-Präsident Peter Krohn entschieden gegen das Vorhaben gewehrt. "Ich will, dass der HSV e.V. immer 100 Prozent der Anteile hält. Wir wollen keine russischen oder amerikanischen Milliardäre", hatte Aufsichtsrat Bernd Enge unter dem stürmischen Beifall der Mitglieder gesagt. "Der HSV ist in seiner jetzigen Form ganz hervorragend aufgestellt, professioneller geht es nicht", sagte Krohn. Der 73-Jährige hatte den HSV von 1973 bis 1975 geführt.
Ein Drittel weniger Gehalt
Der frühere HSV-Präsident und Jurist Wolfgang Klein, den der Vorstand engagiert hatte, um den Mitgliedern die rechtliche Notwendigkeit der Ausgliederung zu erläutern, fand wie Hoffmann kein Gehör. Klein forderte die Reform ein, da dem HSV ansonsten "die Entziehung der Rechtsfähigkeit" drohe. Als mittelständisches Unternehmen mit einem Umsatz von rund 75 Millionen Euro leiste sich der HSV als eingetragener Verein "eine Rechtsformverfehlung".
Vereinsintern war es für Hoffmann bereits der zweite Rückschlag binnen eines Monats. Die für seine in der vergangenen Woche erfolgte Vertragsverlängerung (bis 2008) erforderliche Zweidrittel-Mehrheit im Aufsichtsrat hatte er nur im zweiten Anlauf erreicht. "Die gescheiterte Ausgliederung sehe ich nicht als persönliche Niederlage. Mein Einsatz für den HSV war vorher 120 Prozent und ist es immer noch. Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, konkurrenzfähig zu sein", sagte der 42-Jährige, der künftig mehr als ein Drittel weniger verdienen wird. Mit einem geschätzten Jahresgehalt von rund 800.000 Euro gehört Hoffmann aber immer noch zu den bestbezahlten Bundesliga-Bossen.
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