Leipzig - Kuranyi hat seinem neuen Club mit einem Tor gegen seinen früheren Arbeitgeber VfB Stuttgart den Ligapokal beschert. Der Nationalspieler stellte in der 10. Minute mit einem Flachschuss nach einem herrlichen Hacken-Pass von Lincoln den 1:0 (1:0)-Endstand her.
Doch nach 66 Minuten war das zweite Pflichtspiel für Kuranyi im Dress der Schalker beendet. Nach einem Tritt gegen Silvio Meißner zeigte Schiedsrichter Lutz Wagner dem Stürmer die Rote Karte. Auch Torvorbereiter Lincoln wurde des Feldes verwiesen, nachdem er in der Nachspielzeit seinen Gegenspieler Thomas Hitzlsperger aus kürzester Distanz in den Mund gespuckt hatte.
"Ich respektiere Lincoln als überragenden Fußballspieler, doch als Mensch habe ich nach so einer Aktion jeglichen Respekt vor ihm verloren", sagte Hitzlsperger nach dem Spiel. "Mein erster Gedanke war, auf ihn loszugehen, aber das wäre genauso unvernünftig gewesen."
Für Schalkes Trainer Ralf Rangnick waren die Platzverweise gegen seine beiden Stars nach Schlusspfiff wichtiger als der Prestige-Titel: "Durch die vielen Fouls gegen Kevin und Lincoln war viel Gift ins Spiel gekommen. Aber natürlich dürfen beide so etwas nicht machen oder sich dazu hinreißen lassen. Sie hätten die Fouls besser über sich ergehen lassen sollen."
Sein Stuttgarter Kollege Giovanni Trapattoni konnte seine Enttäuschung nicht verbergen: "Es gibt keine Entschuldigung: Die Niederlage war verdient, denn Schalke war besser. Wir haben in der ersten Halbzeit nicht mitgespielt und keine Initiative gezeigt."
Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes muss in den kommenden Tagen über eine Sperre für die vom Platz gestellten Schalker entscheiden. Sprecher Tom Bender von der Deutschen Fußball Liga geht von einer Verhandlung bis Freitag aus. Eine automatische Sperre wäre lediglich nach einer Gelb-Roten Karte in Kraft getreten, nach Roten Karten entscheidet grundsätzlich das Sportgericht.
Stuttgart verschlief die erste Hälfte
Die harmlosen Stuttgarter verschliefen die erste Hälfte völlig. Die Defensivtaktik von Trapattoni ging überhaupt nicht auf, das Team leistete sich im Spielaufbau kapitale Fehlpässe. So ging auch dem 0:1 ein Schnitzer von Kuranyis Bewacher Fernando Meira voraus. Gefährlicher wurden die Aktionen erst in der zweiten Halbzeit, als der als Kuranyi-Ersatz verpflichtete Jon Dahl Tomasson eingewechselt wurde.
Nach 53 Minuten schoss der zweite prominente VfB-Zugang Jesper Grönkjaer aus 30 Metern das erste Mal gefährlich auf das Tor des gebürtigen Leipzigers Frank Rost. Die nach der Pause wie verwandelten Stuttgarter, die im Halbfinale Titelverteidiger Bayern München mit 2:1 ausgeschaltet hatten, erspielten sich anschließend mehrere gute Chancen.
Doch selbst in Überzahl konnte der VfB auch in seinem dritten Ligapokal-Finale nach 1997 und 1998 eine Niederlage nicht verhindern. Stuttgart muss sich mit 1,24 Millionen Euro trösten, während Schalke für den Triumph im dritten Anlauf - 2001 und 2002 scheiterten die Gelsenkirchener im Endspiel - 1,85 Millionen Euro kassiert.
Schalke 04 - VfB Stuttgart 1:0 (1:0)
1:0 Kuranyi (10.)
Schalke: Rost - Altintop, Bordon, Krstajic, Kobiaschwili - Ernst, Poulsen, Bajramovic - Lincoln - Sand (63. Asamoah), Kuranyi. - Trainer: Rangnick
Stuttgart: Hildebrand - Hinkel, Meira, Zivkovic (46. Magnin), Delpierre - Meißner, Soldo, Hitzlsperger - Grönkjaer (64.Streller), Cacau - Gomez (46. Tomasson). - Trainer: Trapattoni
Schiedsrichter: Wagner (Hofheim)
Zuschauer: 40.500
Rote Karten: Kuranyi (Schalke) nach einer Tätlichkeit (66.), Lincoln (Schalke) wegen unsportlichen Verhaltens (90.+2)
Gelbe Karten: Ernst / Meira, Meißner, Cacau, Hitzlsperger
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