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13.09.2005
 

Hertha-Stürmer Pantelic

Lernziel Unauffälligkeit

Von Pavo Prskalo

Es war ein Traumstart für Marko Pantelic bei Hertha BSC. Im ersten Bundesligaspiel gelang ihm gleich ein Treffer. Die Fans freuen sich. Berlins Manager Dieter Hoeneß nimmt für die Tore des 26-Jährigen sogar dessen heikle Vergangenheit in Kauf.

Torschütze Pantelic: "Ein großer Spieler, aber sehr sensibel"
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DPA

Torschütze Pantelic: "Ein großer Spieler, aber sehr sensibel"

Hamburg - Plötzlich war er weg. 2001 passierte es. Pantelic spielte für den Schweizer Club FC Yverdon - ganze drei Spiele lang, dann sah man ihn auf dem Vereinsgelände nie wieder. Keine Verabschiedung. Nichts. Einfach weg. Erst einige Wochen später meldete sich der Serbe beim Verein und erklärte seinen Abgang mit familiären Sorgen. Stéphanie Cornu Santos, Pressesprecherin des eidgenössischen Erstligisten, erinnert sich noch gut an den Stürmer. "Er ist ein großer Spieler, aber sehr sensibel. Er hatte wirklich große private Probleme und dazu noch dubiose Berater", sagte Santos SPIEGEL ONLINE.

Ein auffälliger Typ war Pantelic schon immer. Von 1997 bis 1998 stand er beim französischen Traditionsclub Paris St. Germain unter Vertrag, sorgte vor allem aber abseits des Fußballplatzes für Schlagzeigen. "Als ich bei PSG war, habe ich einen Haufen Geld für die neuesten Autos, Discobesuche und Kleidung ausgegeben. Wenn ich erneut auf die Welt käme, würde ich es genauso machen", erklärte Pantelic noch Anfang dieses Jahres im serbischen Nachrichtenblatt "Kurir" über seine Zeit in Frankreich.

Begnadeter Techniker und Goalgetter

Für Aufsehen hatte er auch 1999 gesorgt, als er sich über den Bürgerkrieg in Jugoslawien äußerte. "Ich stehe voll hinter meinem Präsidenten Slobodan Milosevic", zitierte das Schweizer Magazin "Facts" Pantelic, der damals für Lausanne Sports spielte. Die Verantwortung für den Krieg hätten nicht Serben oder Albaner, so Pantelic, sondern ganz allein die Nato unter der Führung der USA.

Inzwischen hält sich der 26-Jährige mit politischen Aussagen zurück, zumindest öffentlich. Er konzentriert sich zur Freude seines neuen Arbeitgebers auf das, was er auch viel besser kann: Fußball spielen. Dass Pantelic ein begnadeter Techniker und Goalgetter ist, sollte in Deutschland nun spätestens seit der Partie am vergangenen Sonntag gegen den VfL Wolfsburg bekannt sein. Zum 3:0-Sieg der Herthaner steuerte er einen Treffer bei.

Belgrader Pantelic (l.): "Er hat eine Entwicklung durchgemacht"
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AP

Belgrader Pantelic (l.): "Er hat eine Entwicklung durchgemacht"

"Ich habe lange Gespräche mit ihm geführt. Er ist gereift", sagt Hertha-Manager Dieter Hoeneß über Pantelic, der für 250.000 Euro bis zum Saisonende vom serbischen Spitzenclub Roter Stern Belgrad ausgeliehen ist. Der Bundesligist hat eine Kaufoption für den Angreifer, der die Berliner Sturmmisere beenden soll. Natürlich, beeilt sich Hoeneß zu versichern, habe er sich mit der Vergangenheit seines neuen Stürmers beschäftigt. Es wird keinen Ärger mit Pantelic geben, ist sich Hoeneß sicher: "Er hat eine Entwicklung durchgemacht."

Der Generalsekretär des serbischen Clubs FK Smederevo, Bozidar Krstic, gerät noch heute ins Schwärmen, wenn er von Pantelic spricht. "Er war unser bester Spieler. Mit ihm hatten wir unsere erfolgreichsten Zeiten", sagte Krstic SPIEGEL ONLINE. Vergangene Saison erzielte Pantelic für Roter Stern in 29 Partien 21 Treffer. Er macht sich noch Hoffnungen, 2006 bei der Fußball-WM in Deutschland dabei zu sein. Drei Länderspiele hat Pantelic bereits absolviert.

In seinem Heimatland sind die Fans auf ihn derzeit jedoch nicht so gut zu sprechen. Sie haben ihm den Wechsel nach Berlin nicht verziehen, hatte Pantelic doch noch Anfang des Jahres dem Belgrader Club ewige Treue geschworen. "Roter Stern ist für mich alles, für nichts auf der Welt würde ich den Stern wieder tauschen." Nun hat er es doch getan, entsprechend rüde sind die Reaktionen der enttäuschten Anhänger.

"Uns wird es viel besser gehen ohne dich", schimpft einer im Internet-Forum des serbischen Rundfunksenders "B92", der die meistbesuchte Seite des Landes betreibt. Ein anderer Fan urteilt: "Man müsste ihnen Geld dafür geben, dass sie ihn genommen haben." Auch im Sinne von Hertha-Manager Hoeneß dürfte der Kommentar eines weiteren Pantelic-Verächters sein: "Bitte, komm nie wieder zurück."

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