Hamburg - Aufsteiger Frankfurt deklassierte die favorisierten Schalker vor 33.150 Zuschauern mit 6:0 (2:0) und steht damit wie im vergangenen Jahr im Achtelfinale. Dagegen mussten die Schalker die erste Pleite auf nationaler Ebene in dieser Saison hinnehmen.
"Das Ergebnis ist für uns natürlich ein Debakel. Wir sind letztlich dafür bestraft worden, dass wir in der ersten Halbzeit, als wir optisch klar überlegen waren, nicht in Führung gegangen sind. Nach so einem Auftritt können wir nicht zur Tagesordnung übergehen", erklärte ein konsternierter Schalke-Coach Ralf Rangnick, dem wahrscheinlich stürmische Tage bevorstehen.
Sein Kollege Friedhelm Funkel war dagegen mehr als zufrieden: "Wir haben heute über 90 Minuten hinweg überzeugt, der Sieg war hochverdient. Wir wussten von vornherein, dass wir gegen Schalke bestehen können, nachdem wir beim 0:1 vor drei Wochen in der Bundesliga schon die bessere Mannschaft waren."
Unter den Augen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann und Griechenlands Nationalcoach Otto Rehhagel sorgte der derzeit überragende Mittelfeldregisseur Alexander Meier für die verdiente Führung der Gastgeber (28.). Nur zwei Minuten später erhöhte der Schweizer Nationalspieler Benjamin Huggel nach Vorarbeit des Griechen Ioannis Amanatidis mit seinem zweiten Tor im DFB-Pokal auf 2:0. Im zweiten Abschnitt erhöhten Christoph Spycher (64.) und erneut Meier (68.) auf 4:0 und stürzten die Schalker, die durch Gustavo Varela einen Foulelfmeter verschossen (72.), damit in eine veritable Krise. Francisco Copado (79.) und Patrick Ochs (85.) machten das halbe Dutzend voll.
Weitaus mehr Mühe hatte im zweiten Erstliga-Duell Werder Bremen. Das Team von Trainer Thomas Schaaf gewann das Nordderby gegen den VfL Wolfsburg im Elfmeterschießen 5:4, nachdem es nach Verlängerung 2:2 (1:1, 0:0) gestanden hatte. Den entscheidenden Treffer für die Hausherren erzielte Aaron Hunt, anschließend scheiterte Pablo Thiam. Für Wolfsburg hatten zuvor Andres d'Alessandro und für Bremen Naldo das Ziel verfehlt.
In der regulären Spielzeit hatte Miroslav Klose Werder Bremen vor einem frühen Aus im DFB-Pokal bewahrt und mit einem Doppelpack vermeintlich schon auf die Siegerstraße gebracht. Zunächst erzwang Klose mit seinem Ausgleichstreffer in der 88. Minute die Verlängerung, dann sorgte er in der 105. Minute für das 2:1. In der Nachspielzeit der Verlängerung rettet Steve Marlet die Gäste dann mit seinem zweiten Treffer ins Elfmeterschießen.
"Wir hatten große Vorteile und haben sie leider nicht richtig umsetzen können. Durch unsere Nachlässigkeiten haben wir uns selber überflüssigerweise in Not gebracht", erklärte Werder-Trainer Thomas Schaaf.
Der fünfmalige Pokalsieger stand vor 19.100 Zuschauern im Weserstadion schon dicht vor einer Niederlage, bis Klose mit einem Abstaubertor der 1:1-Ausgleich gelang. Der ehemalige Kaiserslauterer nutzte dabei einen schweren Fangfehler von VfL-Torhüter Simon Jentzsch. Ein Patzer des Bremer Schlussmanns Andreas Reinke hatte in der 64. Minute maßgeblich zur Führung für die Gäste beigetragen. Nach einer Flanke von Christopher Lamprecht war Marlet per Kopfball aus kurzer Distanz erfolgreich gewesen, Reinke hatte diese Vorlage falsch eingeschätzt.
Durch eine Glanzleistung hat der FC St. Pauli erstmals seit neun Jahren wieder das Achtelfinale des DFB-Pokals erreicht. Der Regionalligist aus Hamburg besiegte in der zweiten Runde Zweitligaspitzenreiter VfL Bochum völlig verdient mit 4:0 (2:0) und sorgte damit für die erste Niederlage des Revierklubs im zwölften Pflichtspiel unter Trainer Marcel Koller.
Der Führungstreffer der Hanseaten durch Michél Mazingu- Dinzey (9.) war zudem das erste Gegentor für den VfL seit 530 Minuten. Das 2:0 erzielte Felix Luz (39.), den dritten Treffer markierte Florian Lechner (56.), ehe Khvicha Shubitidze (77.) für den Endstand sorgte.
Vor 13.230 Zuschauern im Stadion am Millerntor hätte der Sieg der Gastgeber sogar noch höher ausfallen können. Beim Stand von 1:0 vergab Mazingu Dinzey in der 16. Minute einen von China an Hauke Brückner verschuldeten Foulelfmeter. Zehn Minuten später traf Jeton Arifi mit einem Distanzschuss nur den Pfosten.
Mehr Mühe hatte Bundesligist Hannover 96 bei Alemannia Aachen. Doch trotz einer enttäuschenden Leistung stehen die Niedersachsen in der nächsten Runde. Der Cup-Gewinner von 1992 siegte gegen den Zweitligisten glücklich mit 2:1 (1:0). Matchwinner für Hannover war Nationalspieler Thomas Brdaric, der zunächst per Foulelfmeter zum 1:0 traf (8.) und acht Minuten vor Schluss für die Entscheidung sorgte. Den zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Marius Ebbers erzielt (72.).
Der Außenseiter aus Aachen, der 2004 bis ins Endspiel vorgedrungen war (2:3 gegen Werder Bremen), hätte nach seinem couragierten Auftritt eine weitere Pokalüberraschung verdient gehabt, scheiterte aber nach zuletzt zwei 0:1-Heimniederlagen in der Liga gegen die SpVgg Greuther Fürth und Aufsteiger Kickers Offenbach erneut an seiner Abschlussschwäche. Zu allem Überfluss vergab Mittelfeldspieler Sergio Pinto vor 18.098 Zuschauern in der 54. Minute einen Foulelfmeter.
Aachens Zweiligakonkurrent SC Freiburg hat sich derweil von der zurückliegenden 0:4-Punktspielpleite beim VfL Bochum erholt. Vier Tage nach der Niederlage in Bochum setzten sich die Breisgauer im Zweitligaduell mit 4:1 (1:1) gegen Aufsteiger Eintracht Braunschweig durch. Für die Hausherren trafen vor der Minuskulisse von nur 5500 Zuschauern zweimal der Niederländer Samuel Koejoe (45., 64.) sowie Alexander Iaschwili (78.) und Roda Antar (81.) Daniel Graf hatte die Führung für die Gäste erzielt (29.).
Auch der 1. FC Kaiserslautern hat sich nach sieben sieglosen Bundesliga-Spielen in Serie in die nächste Runde gezittert und damit Trainer Michael Henke vorerst aus der Schusslinie gebracht. Allerdings sorgte Henke nach dem 4:2 (2:1)-Erfolg der verunsicherten Pfälzer beim Regionalligisten Rot-Weiß Erfurt für einen Skandal, als er Spieler der Thüringer als "Scheiß Ossi" bezeichnete. Die entscheidenden Tore erzielten Marco Engelhardt (70.) und Halil Altintop (75.). Zuvor hatte der Bundesligist eine 2:0-Führung nach einem Doppelschlag von Boubacar Sanogo binnen 120 Sekunden (25./27.) verspielt.
Kurz vor Ende des turbulenten Spiels beschimpfte der Coach Spieler des Gastgebers. Auslöser war ein Foulspiel am Lauterer Abwehrspieler Fabian Schönheim, nach dem die Erfurter den Ball nicht sofort ins Aus gespielt hatten. Clubchef René C. Jäggi verdonnerte Henke auf der Stelle zu einer Strafzahlung von 10.000 Euro.
"Wenn er das so gesagt hat, gilt bei uns das Verursacherprinzip und er muss die Strafe zahlen. Wir entschuldigen uns in aller Form bei der Erfurter Clubführung", erklärte Jäggi nach dem Spiel. Henke hatte sich zuvor bereits für den Vorfall entschuldigt, allerdings nahm der Erfurter Trainer Pawel Dotschew dies nicht an. "Wenn ein Trainer "Scheiß Ossi" zu meinen Spielern sagt, kann ich das nicht nachvollziehen, dafür gibt es keine Entschuldigung." Die 10.000 Euro sollen für die Nachwuchsabteilung der Erfurter verwendet werden.
10.379 Zuschauer sahen in Thüringen einen turbulenten Pokalfight, in dem über weite Strecken kein Klassenunterschied zu entdecken war. "Das Ergebnis ist sicher ein bisschen glücklich. Ich hoffe aber, dass uns dieser Sieg auch Auftrieb in der Bundesliga gibt", räumte Henke ein.
Seine Talfahrt gestoppt hat der 1. FC Nürnberg und Trainer Wolfgang Wolf mit dem ersten Achtelfinal-Einzug im DFB-Pokal seit drei Jahren vorerst aus der Schusslinie genommen. Das Bundesliga-Schlusslicht bezwang den Zweitligisten Dynamo Dresden in der zweiten Pokal-Hauptrunde mit 3:0 (1:0). Markus Daun war zweimal erfolgreich (43., 67.), Ivica Banovic erzielte mit einem verwandelten Handelfmeter den dritten Treffer (84.). Der Dresdner Dennis Cagara hatte auf der Linie mit der Hand geklärt und sah die Rote Karte. Die Gäste aus Sachsen sind nun bereits seit sieben Pflichtspielen ohne Sieg.
"In unserer Situation war das nicht mehr als ein Pflichtsieg. Meine Mannschaft hat von der ersten Minute an nach vorne gespielt, aber auch ein bisschen Nerven gezeigt. Alles in allem hat sie nur einen einzigen kleinen Fehler gemacht. Deshalb bin ich mehr als zufrieden mit dem Sieg", erklärte Wolf nach dem Spiel.
In einer über weite Strecken niveauarmen Partie reichte den Hausherren vor der Saisonminuskulisse von 13.762 Zuschauern im Nürnberger Frankenstadion eine durchschnittliche Leistung, um zum verdienten Sieg zu kommen. Die Gäste agierten erschreckend harmlos und konnten den "Club" zu keiner Phase des Spiels ernsthaft in Gefahr bringen. Vor allem im Mittelfeld, wo auf Seiten der Gastgeber Banovic eine starke Vorstellung bot, zog Dresden immer wieder den Kürzeren.
Nach Verlängerung steht auch Fußball-Zweitligist SpVgg Unterhaching im Achtelfinale des DFB-Pokals. Das Team von Trainer Harry Deutinger besiegte den 1. FC Saarbrücken in der zweiten Hauptrunde 2:1 (0:0, 1:1) und nahm damit erfolgreich Revanche für die 0:1-Heimniederlage am achten Spieltag der zweiten Bundesliga. Babacar N'Diaye erzielte in der 115. Minute das Siegtor für die Münchner.
1500 Zuschauer im Sportpark sahen eine weitgehend ereignislose erste Halbzeit, in der Unterhaching zwar leichte Feldvorteile besaß, aber nur wenig Druck auf das Gästetor ausübte. Nach dem Seitenwechsel brachte Mustapha Hadji die Gäste in Führung (56.). Der Marokkaner tauchte freistehend vor Keeper Philipp Heerwagen auf und vollstreckte souverän. Christoph Teinert (79.) rettete Unterhaching in die Verlängerung, Saarbrückens Torschütze Hadji wurde nach einer Unsportlichkeit des Feldes verwiesen (85.).
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