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17.11.2005
 

Skandal in Istanbul

Türken attackieren Fifa-Boss Blatter

Das K.o. in der WM-Qualifikation hat sie hart getroffen. Obendrein droht der Türkei wegen der Prügel für Schweizer Spieler eine drakonische Strafe. Ein Komplott vermuten türkische Verantwortliche - und attackieren Fifa-Präsident Blatter, der selbst Schweizer ist.

Hamburg - Joseph Blatter verwahrte sich indirekt gegen diesen Vorwurf, als er die Vorgänge in Istanbul kommentierte. "Ich sage ihnen das nicht als Schweizer, sondern als Fifa-Präsident. Wir werden handeln und scharf durchgreifen. Das Fairplay ist mit Füßen getreten worden. Solche Revanchefouls haben im Fußball nichts zu suchen", so Blatter.

Türkische Fußballfans (in Istanbul): Bedauern des Bundesligaprofis
AP

Türkische Fußballfans (in Istanbul): Bedauern des Bundesligaprofis

Den Fall will der Chef ("Das habe ich noch nie erlebt. Wir werden die Verantwortlichen bestrafen und hart durchgreifen") so schnell wie möglich vom Tisch haben. Bis zur WM-Gruppenauslosung am 9. Dezember in Leipzig will die Fifa-Disziplinarkommission ein Urteil gefällt haben.

Der Zeitdruck, den sich der Weltverband durch Blatters Vorgabe macht, lässt die Wahrscheinlichkeit wachsen, dass der Extremfall eintreten könnte: der Ausschluss des türkischen Verbandes von der Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika. Der Schalker Bundesligaprofi Hamit Altintop rechnet allerdings nicht damit, "das kann ich mir nicht vorstellen".

Ob die Aussagen türkischer Offizieller da hilfreich sind, ist fraglich. Das WM-Aus wird nämlich immer offener als ein Komplott von Schweizern in Zusammenarbeit mit der Fifa und deren Schiedsrichtern angesehen. Nationaltrainer Fatih Terim sprach von einem "organisierten Ausscheiden". Sowohl der Referee im Hinspiel, der Slowake Lubos Michel, als auch Frank DeBleeckere (Belgien), der das Rückspiel geleitet hatte, seien "Schweizer" gewesen. Auch Sekip Mosturoglu, Vizepräsident des türkischen Verbandes, griff Blatter an und warf ihm Einseitigkeit in seinen Aussagen vor. Die Erregung der Verantwortlichen resultiert zum Großteil auch aus einem Vorkommnis während des Hinspiels in Bern: Dort war die türkische Hymne durchgängig mit Pfiffen bedacht worden.

Hamit Altintop, der zusammen mit seinem Bruder Halil den Schweizer Raphael Wicky gegen Angriffe der Teamkollegen verteidigt hatte, bedauerte dagegen die Vorfälle. "Was da passiert ist, passt nicht zum Sport", sagte der Schalke-Profi. Seinem Kollegen Özalan Alpay, der auf TV-Bildern dem Schweizer Grichting in den Rücken sprang, droht nach den Ausschreitungen sogar ein Karriereloch. Sein Verein, Bundesligist 1. FC Köln, plant den nach Aussagen von Trainer Uwe Rapolder sehr "sensiblen" Spieler vorerst auf die Ersatzbank zu setzen.

Derweil hat sich ein weiterer Schweizer Bundesligaprofi zu den Vorgängen in Istanbul zu Wort gemeldet. ""Jeder musste um sein eigenes Leben rennen. Ordner und türkische Spieler sind auf uns los gegangen", sagte Stürmer Marco Streller (VfB Stuttgart), der seiner Mannschaft mit dem 2:3 sechs Minuten vor Schluss das Weiterkommen ermöglicht hatte. Auch Nationaltrainer Jakob "Köbi" Kuhn wirkte sichtlich mitgenommen. "Es ist schlimm, wenn man von der Bank aufsteht und Angst haben muss, dass man von Gegenständen getroffen wird oder Schläge kassiert", so Kuhn.

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