Von Silvia Meixner und Gisela Schütte
Während der Fußball-WM haben Hausfrauen und -männer die seltene Gelegenheit, mit wenig Aufwand dankbar-selige Gästeblicke ernten zu können. Denn so eine Endrunde hat aus Küchensicht durchaus ihre Vorteile: Niemand erwartet vom Gastgeber ein Sieben-Gänge-Candlelight-Dinner. Mit Messer und Gabel zu essen schadet während der Spiele sowieso nur der Konzentration. Man stelle sich das vor: Der Zuschauer verpasst ein Foul, weil seine neugierige Zunge im Mund gerade eine Liaison mit anisgetrüffeltem Wildschwein-Sashimi eingeht.
Außerdem sitzt man beim Fernsehen meist auf dem Sofa oder draußen im Garten auf der Holzbank oder Hollywoodschaukel - und deshalb lassen wir zur WM 2006 das gute alte Schnittchen wiederauferstehen. Fußball-Fingerfood, das glückselig macht. Das Schnittchen ist ein heute oft belächeltes kulinarisches Relikt der fünfziger bis siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, damals wurden die belegten Brotschnitten mit großer Ernsthaftigkeit und noch größerer Liebe zum Detail mit Eierscheibchen, Gurken, Paprikastreifen, Petersilie und gar Cocktailkirschen garniert.
Wir präsentieren acht feine Rezepte für das 21. Jahrhundert, mit denen man sich als bekennender oder heimlicher Fußballmuffel in die Herzen hart gesottener Fußballfans schmeicheln kann. Der Vorteil, der unter uns Fußballmuffeln bleiben muss: Die Sache ist schnell erledigt, servieren Sie ein paar gut gekühlte Bier oder Colaflaschen dazu, und schon können Sie sich guten Gewissens Ihrer wohlverdienten Freizeit widmen. Und wenn Sie heimkommen, haben Sie nicht einmal viel Abwasch zu erledigen, die Schnittchen werden nämlich auf Papptellerchen serviert (es gibt sehr hübsche mit Fußballdekor), Besteck fällt so gut wie keines an.
1. Für Anfänger - das Tabula-Rasen-Schnittchen
Grün, grün, grün ist unsere liebste Farbe! Mischen Sie 250 Gramm Quark mit einem Glas Bärlauchpesto (gibt's in gut sortierten Supermärkten und häufig auch im Bioladen). Wer Zwiebeln mag, kann eine klein hacken und beigeben. Nun dick auf die Schnittchen (Weiß- oder Pumpernickelbrot) auftragen. Mit dünnen Zwiebelringen und Salatgurkenscheibchen (symbolisieren bei phantasievollen
Gästen den Fußball) belegen, frisch gemahlenen Pfeffer
darüber - schmeckt frisch wie ein Fußballrasen im Morgentau. Wer kein Bier mag, trinkt dazu Cidre. Antialkoholikern empfehlen wir grünen Tee.
2. Das Luxusschnittchen
250 Gramm Quark, fünf Esslöffel Mayonnaise und eine 200-
Gramm-Packung Lachs mit dem Mix- und Pürierstab zu einer
streichfähigen Paste zerkleinern. Zwiebel, Knoblauch, einen Teelöffel Kapern, einen Schuss Zitronensaft und je nach Belieben zwei bis drei Teelöffel Meerrettich (aus dem Glas) dazu. Salzen, pfeffern. Aus einer getoasteten Weißbrotschnitte je zwei rechteckige Schnittchen schneiden, Aufstrich daraufstreichen. Wenn vor dem
Anpfiff noch Zeit bleibt, mit hauchdünn geschnittenen Zitronenscheibchen mit zirka vier Zentimeter langen Schnittlauchhalmen (sieht sehr elegant aus!) garnieren. Je nach Wichtigkeit des Spiels mit Prosecco oder Champagner servieren.
3. Das Stürmer-Schnittchen
4. Klassiker - das Allerwelts-Schnittchen
Schmieren Sie eine dünne Schicht Butter auf getoastetes Weißbrot, Käse und/oder Wurstscheibchen drauf, mit dünnen Gurkenscheiben garnieren. Wer besonders glänzen möchte, schneidet hart gekochte Eier in Scheiben, das sieht immer hübsch aus. Ein Klassiker, mit dem man fast in aller Welt Wohlwollen erntet und eigentlich nichts falsch machen kann.
5. Sweet Schnittchen
Schmeckt auch Menschen, die gern "Danke, ich esse nix Süßes" sagen. Goldbraun getoastetes Weißbrot mit Nutella bestreichen, eine ganze Haselnuss symbolisiert dem Fußballfan: Heute haben wir ein wichtiges Spiel.
Dieses Schnittchen ist garantiert nicht gesund, aber
es macht glücklich und tröstet zuverlässig, wenn mal ein Elfmeter danebengeht. Denn dann sind selbst große, starke Jungs wieder anlehnungs- und trostbedürftig, und so wie damals, als sie noch klein waren, funktioniert so ein Trost am besten mit der Haselnusscreme.
6. Der Foul-Snack
Leider darf man immer mal wieder Besucher begrüßen, die man
nicht eingeladen hat, die an einer geplanten Fußball-Party teilnehmen oder eine ganz normale Einladung zum Kicker-Event umfunktionieren, indem sie ungefragt den Fernseher, Ihren Fernseher, anschalten. Für diese lieben Zeitgenossen empfehlen wir den Foul-Snack. Das Rezept ist einfach: Sie bereiten den Teig für Windbeutel vor, backen ein paar kleine Bällchen und füllen sie danach mit der feinen Sahnespritze mit Senf, am besten extrascharf. Die Foul-Snacks werden natürlich beim Fernseher positioniert, damit sie nicht in falsche Mägen gelangen.
7. Alles Käse
In den fünfziger Jahren war er Kult und galt geradezu als Gourmet-Wagnis wegen der Kombination mit Obst: der Käse-Igel. Eine Pampelmuse als Basis erinnert an das runde Leder, und die Spieße mit Ananas, Trauben und Käse können den Fußballfans das Spektakel versüßen, auch wenn das Spiel ziemlicher Käse ist.
8. Ein Traum in Rot-Gelb
Als süße Nachspeise empfehlen wir eine Reminiszenz an das Kartenspiel des Schiedsrichters. Rot und Gelb werden in schlichten, nicht zu hohen Wassergläsern geschichtet aus Vanillepudding und roter Grütze (kann man zur Not im Supermarkt vorgefertigt kaufen). Lässt sich wunderbar aus dem Glas löffeln, ohne dass man hinschauen muss.
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