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10.02.2006
 

Bundesliga-Historie

Ewiger Schmerz wegen Helmers Phantomtor

Der 23. April 1994 ging als einer der kuriosesten Tage in die Bundesliga-Geschichte ein. Der Schiedsrichter gab einen Treffer, obwohl der Ball neben das Tor gerollt war. Nürnbergs Manni Schwabl erinnert sich noch heute mit Grauen an das Spiel im Münchner Olympiastadion.

Die Ausgangssituation vor dem Spiel war eindeutig. Wir kämpften mit dem 1. FC Nürnberg gegen den Abstieg, bei den Bayern ging es mal wieder um die Meisterschale. Obwohl wir nur einen Platz vor den Abstiegsrängen standen, gab es in der Mannschaft keine Zweifel, dass die Klasse gehalten würde. Wir waren nicht so verwegen, einen Punkt einzuplanen, eine kleine Überraschung hatten wir uns allerdings schon ausgerechnet. Das Spiel begann für uns viel versprechend. Unsere Abwehr stand gut, brenzlig wurde es erstmals in der 21. Minute. Eine Ecke für die Bayern vor unserer Fankurve, ich postierte mich, wie abgesprochen, am ersten Pfosten und versuchte meinen Teil des Tores abzudecken. Die Flanke wurde ziemlich scharf getreten und segelte in den Strafraum, wurde dort verlängert auf den langen Pfosten.

Dort stand Thomas Helmer und wurde von Lubos Kubik bewacht. Irgendwie kam der Münchner trotz der Beschattung an die Kugel, ich blickte hinüber, sah Kubik am Boden und auch unser Torwart Andi Köpke war bereits abgetaucht. Helmer stocherte den Ball vorbei, das Publikum stöhnte entnervt. Ich trabte zur Torauslinie, um mich für den Abstoß vorzubereiten. Doch plötzlich brach auf den Rängen Jubel aus. Der Schiedsrichter rannte zur Mittelinie. Helmer ließ sich von seinen Mitspielern feiern. Perplex schaute ich meine Teamkollegen an. Wir konnten das alle gar nicht glauben, rannten zum Schiedsrichter. Doch Osmers vertraute ganz und gar seinem Linienrichter, der von draußen Tor gewunken hatte.

Wie er als einziger im Stadion darauf gekommen war, bleibt mir immer noch schleierhaft. Der hätte doch schon an den Reaktionen der Zuschauer merken müssen, dass da nie und nimmer ein Tor gefallen war. Der ganzen Mannschaft war schon während des Spiels klar, wir würden Protest einlegen, so etwas Unglaubliches hatten wir noch nie erlebt. Es musste einfach ein Wiederholungsspiel geben. Das wäre jedoch gar nicht nötig gewesen, hätte ich kurz vor Schluss einen Elfer rein gemacht. Die Bayern führten nur mit 2:1, Helmer foulte Christian Wück im Strafraum und der Schiri gab sofort Strafstoß. Sergio Zarate, der immer die Elfer schoss, war leider in diesem Spiel nicht dabei.

Fußballprofi Schwabl (im Trikot von 1860 München): "Leider hab ich das Ding verschossen"
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DPA

Fußballprofi Schwabl (im Trikot von 1860 München): "Leider hab ich das Ding verschossen"

Da ich zuvor im Training alle Dinger versenkt hatte, fühlte ich mich sicher und schnappte mir die Kugel. Auch wenn immer erzählt wird, der Köpke wollte schießen. Auf dem Feld hab ich keinen anderen gesehen, der schießen wollte, auch keinen Köpke. Leider hab ich das Ding dann gegen Raimond Aumann verschossen. Der hat in seinem ganzen Leben eigentlich keine Elfer gehalten. Das hab ich ihm neulich auch noch mal gesagt. Hätte ich den rein gemacht, dann hätten wir nie im Leben Protest gegen das Spiel eingelegt, denn ein Punkt in München wäre der Traum gewesen. Vorwürfe mache ich Helmer keine. Ob er zum Schiedsrichter hätte gehen sollen, muss er selber wissen. Nur er kann beurteilen, ob er gesehen hat, dass der Ball nicht im Tor war.

Doch der Schiedsrichter muss so eine Szene eigentlich sehen. Allein an den Reaktionen der Zuschauer kann man erkennen, ob eine Situation vor dem Tor strittig ist. Die raunen ja ganz anders, wenn der Ball daneben oder wenn er kurz vor der Linie ist. Das Spiel war für mich der Anfang vom Ende einer schlechten Saison. Wir verloren das Wiederholungsspiel mit 0:5 und stiegen aufgrund des schlechteren Torverhältnisses ab. Bitter, aber das ist Fußball.

Protokoll: Phillip Bittner

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