Von René Martens, Holger Gertz und Matthias Greulich
Inhaber der Rechte für öffentliche Vorführungen ("Public Viewing") ist die Schweizer Firma Infront Sports, die für kommerzielle Veranstaltungen Lizenzgebühren kassiert. Darüber hinaus verlangt Infront, dass Veranstalter nichtkommerzieller Partys bei ihr eine kostenfreie Lizenz einholen. Zu Unrecht, sagt Rechtsanwalt Mirko Wittneben: "Nach deutschem Urheberrecht sind nichtkommerzielle Public-Viewing-Events ohnehin erlaubt." Anmelden überflüssig? Nein, entgegnet Jörg Polzer von Infront, das sei "durchaus im Interesse der Veranstalter", weil diese von der Agentur "Richtlinien" erhielten, die sie vor "ungewolltem Ambush-Marketing", also unzulässiger Werbung, bewahrten.
Das Gebaren der Fifa hat schon jetzt einige Guerilleros auf den Plan gerufen: Die Organisatoren des Projekts "Wohnzimmer-WM", sonst in der PR-Branche oder als Multimediakonzepter tätig, wollen in Hamburg und Berlin abgelegene Orte wie Supermarktparkplätze besetzen und dort eine heimelige Atmosphäre schaffen - Mitgucker werden über SMS mobilisiert. In Dortmund führt der Ingenieur Lutz Moschke eine "Spaßguerilla der Hobbybrauer" an, die gegen eine Spende selbstgebrautes, ökologisch korrektes Bier an den Straßen zum Stadion anbieten will. Die Leipziger Initiative "Raus aus der Todesfalle" sieht das dortige WM-Stadion als Symbol für eine verfehlte Lokalpolitik. Die Stadt, kritisieren die Supporter, bei der Ultras des FC Sachsen mitmischen, habe im Statuswahn Steuergelder verjuxt. Auf der ersten Demonstration der Initiative skandierten einige: "Reißt die Hütte ab!" - auch ein Plädoyer für die Rückkehr des FC Sachsen aus der Arena an seine alte Spielstätte. Künftig will man "den Konflikt mit der Stadt suchen", so Sprecher Matthias Gärtner.
Anzeichen für kleine Koalitionen zwischen WM-Frustrierten und außerparlamentarischer Opposition gibt es auch in Berlin. Im "Spielverderba"-Netzwerk haben sich Mitarbeiter der FU Berlin und Ultras des SV Babelsberg zusammen geschlossen. Unter anderem auf ihrer Agenda: Hartz IV und die Eventisierung des Fußballs. "Die WM dient uns als Transportmittel, ohne dass wir eine Fahrkarte lösen", sagt einer der "Spielverderba". Die Proteste dürften die Städte während der Weltmeisterschaft vor eine Zerreißprobe stellen. Demo-Veranstalter kennen die internationale Medienaufmerksamkeit in dieser Zeit, der Hunger nach originellen Geschichten rund um den Fußball wird groß sein.
Australische Fußballfans: Herrschaft des Weltfußballs
Dabei hätte alles anders kommen können, wenn sich hiesige Politiker bei der Planung der WM nicht so verhalten hätten, als wetteiferten sie um den Posten des Hofnarren bei Joseph Blatter. Winfried Hermann, der sportpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, sagt: "Nach der WM ist eine Debatte fällig über die Ansprüche und Vertragspolitik der Fifa und deren Sponsoren, die zu weitgehend in bestehende Rechte eingreifen." Der Parlamentarier nennt diese Ansprüche "übergriffig".
"Das Ziel muss eine internationale Allianz der Staaten gegen unmäßige Rechtsansprüche von internationalen Sportverbänden sein", so Hermann. Doch ob die Fans so lange warten werden wie der zögerliche Grünen-Politiker ist fraglich. Viele wollen während des Weltturniers nicht im Fifa-Land leben. Denn obwohl die WM-Begeisterung stetig steigt, empfinden viele inzwischen die Einschränkungen in ihrer Nachbarschaft durch die Herrschaft des Weltfußballs als Zumutung.
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Dieser Meinung bin ich auch. In jedem Punkt. Aber Sepp Blatter ist ja sowieso nur damit beschäftigt, sich die Taschen voller Geld zu stecken. Ich finde es fantastisch, dass Maradonna zum Spiel seiner Argentinier kam, ohne sich [...] mehr...
Die Abkürzung FIFA ist für mich zu einem völligen Abtörner geworden. Selbstherrlichkeit von Fußball-Funktionären hat es immer schon gegeben, aber die Art und Weise, wie Personenkult, Kommerz und Bürokratie bei dieser [...] mehr...
Ich habe langsam das Gefühl, dass die WM alles was sonst noch an interessanten Sachen passiert in den Hintergrund drängt. Immerhin gibt es schon die Initiative "Fussballfreiezone.de" auf der man Kulturevents und Orte [...] mehr...
Jetzt kann man sichs ja trauen: Ich bin ein WM 2006-Anhänger, sogar ein WM 2006-Anwalt. Alleine die Idee, Begriffsfolgen wie WM 2006 schützen zu lassen und es anderen (z.B. anderen WM-Ausrichtern) zu untersagen, diese [...] mehr...
"In Deutschland müssen sie sich anstrengen, wenn sie wiederholen wollen, was 2002 in Südkorea oder 1998 in Frankreich passierte. Man muss erst beweisen, dass die WM so gut wird, wie es die Erwartungen sind. Als [...] mehr...
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