Hamburg - Vier Duelle, viermal kam der Sieger aus Italien, Torverhältnis 11:3. Das hatte sich Fußball-Deutschland anders vorgestellt. Einzig Werder Bremen konnte in der Champions League gegen Juventus Turin überzeugen, schied aber nach dem 1:2 dennoch aus. Der FC Schalke 04 enttäuschte beim 0:1 in Palermo, allen voran der FC Bayern zeigte im Rückspiel beim AC Milan eine schwache Vorstellung. Statt des erhofften "Wunders von Mailand" erinnerten die Münchner nicht nur dem Ergebnis nach an den Auftritt der Nationalelf beim 1:4-Debakel in Florenz. Außerdem kassierte der FCB am Mittwochabend die höchste Niederlage in Europas Fußball-Königsklasse seit fast elf Jahren.
"Ich bin maßlos enttäuscht", sagte Coach Felix Magath, der aber nicht wahrhaben wollte, dass sein Team sang- und klanglos untergegangen war. "Wir sind nicht zu schwach für die europäische Elite", sagte Magath und sprach von "ein paar sehr unglücklichen Entscheidungen" des Schiedsrichters. Uli Hoeneß erkannte, dass "wir viele Baustellen gesehen haben". Konsequenzen für das sportliche Personal schloss der Bayern-Manager nicht aus. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sprach von fehlenden Tugenden wie Leidenschaft und Wille. Die Italiener hätten dem Club "die Grenzen aufgezeigt".
Magath wollte bei seinen deutschen Nationalspielern mit der Chance zur Wiedergutmachung für das Spiel gegen Italien eine extra Portion Motivation herauskitzeln und bot Bastian Schweinsteiger statt Zé Roberto im Mittelfeld neben Michael Ballack und Sebastian Deisler auf. "Das ist eine gute Gelegenheit, die Dinge zurecht zu rücken", sagte Magath in Anspielung auf das Länderspiel-Debakel. Doch es kam ganz anders. Seit nunmehr 17 Jahren warten die Bayern auf einen Sieg in Italien.
Die italienische Presse feierte ihre Helden. Hatten die Gazetten tags zuvor noch "Juve feiert. Danke, Wiese!" getitelt, gab es heute Lobeshymnen auf den AC Milan und Spott gegen die Münchner. "Bayern kaputt. Eine traumhafte Nacht, eine echte Milan-Nacht", titelt die "Gazzetta dello Sport".
"Bayern ist nur noch Sparringspartner"
Die Stars der Bayern kamen bei der Niederlage in San Siro überhaupt nicht zur Geltung. "Ballack fand nie seinen Platz, Lucio wurde von der Aggressivität der Italiener überwältigt", schreibt die "Corriere dello Sport", und sprach davon, dass Bayern München "zerbröselt worden ist".
Sogar in Spanien stößt der schwache Auftritt der Bayern auf Kritik. Das Blatt "Marca" sprach von einem Mailänder "Spaziergang", "Cadena Ser", der größte private Radiosender im Land, verteilte Ratschläge an die Bayern-Chefs: "Die Herren Hoeneß und Rummenigge müssen endlich mal kapieren, dass Bayern in der Champions League nur noch Sparringspartner ist."
Für den Fernsehsender "TVE" komplettierten die Bayern "die schwarze Woche des deutschen Fußballs". Deutschland, die einst so große Fußballnation, sei "in Europa nur noch zweitrangig".
Immerhin ein deutscher Profi hat noch Grund zum Lachen. Zwar kassierte Jens Lehmann beim Länderspiel gegen Italien vier Gegentore, gegen Real Madrid im Champions-League-Achtelfinale hielt der Keeper des FC Arsenal aber zweimal seinen Kasten sauber und erreichte mit dem Club das Viertelfinale der "Königsklasse".
pav/sid
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