Hamburg - Klinsmann lobte die Art und Weise, wie der Torwart des FC Bayern München auf den Entschluss des Trainerstabs der Nationalmannschaft reagierte: "Oliver ist natürlich sehr enttäuscht. Das war natürlich keine schöne Mitteilung, aber er hat sie professionell und respektvoll aufgenommen", sagte der Bundestrainer.
Für Lehmann (FC Arsenal) habe der Eindruck aus den vergangenen Monaten gesprochen, in denen er einen "Tick besser" gewesen sei, so Klinsmann. Noch im August "hatte Oliver die Nase vorn", wie es der Bundestrainer formulierte. Grundsätzlich sei die Entscheidung für Lehmann und gegen Kahn über Monate gereift, "sie hat nichts damit zu tun, dass Oliver neulich mal ein Fehler passiert ist".
Nach dem Spiel gegen die USA (4:1) sei er zusammen mit seinem Assistenten Joachim Löw in die Detailarbeit gegangen und habe noch mal die vergangenen 20 Monate aufgearbeitet.
Dass er die Antwort auf die Torwartfrage schon jetzt und nicht, wie geplant, im Mai verkündet hatte, sei für Klinsmann auf Wunsch des FC Bayern München erfolgt, weil die Diskussion um die Position im deutschen Tor für Kahn immer mehr zu einer Belastung geworden sei.
Klinsmann betonte, dass auch für ihn die Entscheidungsfindung und -verkündung nicht ganz unproblematisch verlief. "Das war die schwerste Entscheidung in meiner jungen Trainerlaufbahn", sagte er. "Das tut weh. Oliver - und dem ganzen Trainerstab. Ich muss das erstmal sacken lassen." Lehmann wurde vom Bundestrainer im Anschluss an das Gespräch mit Kahn telefonisch informiert. "Er hat sich sehr gefreut, dass er das Vertrauen von uns bekommen hat. Er werde alles dafür tun, diesem Vertrauen auch gerecht zu werden." Klinsmann und sein Team seien überzeugt, dass Lehmann eine sehr gute WM spielen und der deutschen Mannschaft enorm helfen werde, "etwas Großartiges zu leisten".
DFB-Chef Zwanziger lobt Kahn
Theo Zwanziger, der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hofft, dass der Bayern-Torwart weiterhin Mitglied der deutschen Nationalmannschaft bleibt. "Das ist natürlich schwer für Oliver Kahn. Ich wünsche zunächst, dass er sich für seine Entscheidung Zeit lässt. Ich hoffe, dass er uns weiter zur Verfügung steht", sagte Zwanziger. Auf Lehmann "ruhen nun große Hoffnungen und Erwartungen", so der Präsident weiter. "Ich gratuliere Jens Lehmann. Das ist eine große Herausforderung für ihn", sagte der DFB-Chef und gab sich zuversichtlich, dass Lehmann seiner Aufgabe gewachsen sei. "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung des Bundestrainers."
Für Kahn fand Zwanziger viel Lob, denn ihm sei es zu verdanken gewesen, dass die DFB-Elf bei der WM 2002 ins Finale gekommen sei. "Die Entscheidung für Jens Lehmann ist keine gegen Oliver Kahn", sagte Zwanziger und betonte, dass rein sportliche Gründe für den Torwart des FC Arsenal gesprochen hätten.
sge/dpa
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