Von Pavo Prskalo
Das Haus ist alt. Der Putz bröckelt, die Fenster klappern. Dringend sanierungsbedürftig. Doch niemand will an diesem Gebäude in der Innenstadt von Neapel etwas ändern. Vielmehr steht man vor dieser scheinbar endlos hohen Wand und staunt. Der Heilige ist hier abgebildet, sagen sie in Italien. Fünfzehn Jahre ist es her, dass Diego Armando Maradona auf dem Rasen seinen letzten Auftritt im Trikot des italienischen Erstligisten SSC Neapel hatte. Sein überdimensionales Abbild lässt die Einwohner noch heute von damals träumen. Kai Sawabe lässt auch Menschen außerhalb der Großstadt in Italiens Südwesten an diesem Traum teilhaben. Er hat das Kunstwerk fotografiert.
Ebenso wie die zwei Jungen mehr als 2000 Kilometer von Neapel entfernt. Der Name Maradona mag ihnen noch etwas sagen, ihre Stars freilich sind die Nationalspieler der Faröer. Dementsprechend euphorisch schwenken die Buben die Flagge des kleinen Landes. Maradona und die Jungen, das sind nur zwei seiner Aufnahmen.
Insgesamt 400 veröffentlichte der japanische Fotograf in seinem neuen Bilderband "365 Fußball-Tage", der nun im Verlag "Die Werkstatt" erschienen ist. 25 Jahre lang reiste der 50-Jährige rund um den Globus - von England bis in die chilenische Atacama-Wüste, vom US-Bundesstaat Ohio nach Ulan Bator in der Mongolei. Immer auf der Suche nach der Seele des Fußballs.
Szenen aus insgesamt über 40 Ländern zeigt Sawabe in seinem 372 Seiten dicken Buch. Auch Franz Beckenbauer im Trikot von Cosmos New York oder die Nationalspieler Jürgen Klinsmann und Rudi Völler hat Sawabe fotografiert. Er will Emotionen und Leidenschaft einfangen. Nicht der Treffer, sondern die Freude des Torschützen zeigt Sawabe, nicht das üble Foul, sondern den Schmerz des Gefoulten.
Begleitet wurde Sawabe auf einigen seiner Reisen vom Journalisten Bertram Job. Er erweitert den Bilderband mit kurzen Texten, mal ein Zitat oder auch eine Anekdote. So schreibt Job über Rekorde der südkoreanischen Stürmer oder Spieler, die während der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA das prestigeträchtige Trikot mit der Rückennummer 10 trugen.
Außerdem erinnert Job unter einem Foto, das Profis von Celtic Glasgow neben Papst Johannes II. zeigt, an irische Zuwanderer und ihre Nachfahren, die im November 1887 in Glasgow den Celtic Football Club gründeten. "Seither bilden Beten, Bolzen und Bier im East End der schottischen Metropole eine fromme Dreieinigkeit", schreibt Job. Dieses Geheimrezept scheint noch immer zu wirken. Erst vor einigen Wochen feierte der Club die 40. nationale Meisterschaft.
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