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27.04.2006
 

Interview mit Monica Lierhaus

"Playboy-Angebot kommt für mich nicht in Frage"

Monica Lierhaus gehört zu den bekanntesten TV-Gesichtern Deutschlands. Die 35-Jährige ist im Sport aber eine der wenigen Frauen. Im Interview spricht die ARD-Moderatorin über Nacktfotos, Hosen, Kinder und Karriere.

Frage: Frau Lierhaus, Sie sind eine der wenigen Frauen, die sich als Fußball-Moderatorin durchgesetzt haben. Für die meisten anderen schien der Job nur eine Durchgangsstation zu sein. Haben Sie sich mehr auf das Thema eingelassen?

Lierhaus: Das kann ich selbst schwer einschätzen. Ich habe vorher so viel anderes als Reporterin und Moderatorin gemacht, dass ich jetzt eher das Gefühl habe, angekommen zu sein. Ich habe nicht den Ehrgeiz, wieder zu wechseln und anderes zu erleben. In der Tat war es aber anfangs für mich ein Thema, dass es kaum positive Beispiele gab. Als ich damals gefragt wurde, ob ich die Sat.1-Fußballshow "ran" moderieren wolle, bin ich erst mal zusammen gezuckt und habe spontan Nein gesagt.

Frage: Warum?

Lierhaus: Ich habe gedacht: Hoppla, wenn das schief geht, dann bist du für dein Berufsleben verbrannt. Dann denkt keiner mehr daran, dass du mal in Belfast warst oder aus London und Brüssel berichtet hast. Dann hast du nur diesen Makel, und das hätte ich bitter gefunden. Aber dann bin ich überredet worden, eine Probesendung zu machen. Ernst Huberty hat mich betreut. Das ging dann gut, und ich fühlte mich in der Materie auch so sicher, dass ich gedacht habe, ich kriege es hin.

Frage: Es heißt, Sie hätten sich so gut positioniert, weil Sie wenig Angriffsflächen bieten. Zwei Zitate über Sie: "Der beste Schiedsrichter ist der, über den man nichts sagen kann, weil man ihn im Spiel nicht sieht, genauso ist das mit ihr".

Lierhaus: Das ist von Marcel Reif!

Frage: Stimmt. Und: "Monica Lierhaus trägt ihre Moderationen wie computergesteuert vor" – das hat die "taz" geschrieben und bezog sich auf Ihre Perfektion. Erkennen Sie sich darin wieder?

Lierhaus: Ich bekomme oft zu hören, dass ich so wenig Fehler mache, und dann fallen schnell Ausdrücke wie maschinenhaft oder computergesteuert. Ich schwöre Ihnen, das sind genau die Kollegen, die als erstes schreien, wenn ich Fehler mache und Versprecher habe! Damit meine ich aber nicht Marcel Reif. Das mit dem Schiedsrichter ist ein schönes Kompliment.

Frage: Im Gegensatz zu vielen männlichen Kollegen kultivieren Sie Ihre Unauffälligkeit aber bewusst.

Lierhaus: Dabei kam mir zugute, dass ich als einzige Frau in diesem Bereich einfach nur einen guten Job machen musste, mehr nicht. Männliche Kollegen gibt es so viele – die müssten schon einen Handstand im Studio machen, um aufzufallen.

ARD-Moderatorin Lierhaus: "Wahres Glück ausschließlich im Privaten"
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DDP

ARD-Moderatorin Lierhaus: "Wahres Glück ausschließlich im Privaten"

Frage: Wenn man als gutaussehende Frau im Fernsehen Karriere macht, geschehen immer noch unausweichlich folgende drei Dinge: Man diskutiert, ob sie tatsächlich kompetent sind, dann kommt ein Angebot vom "Playboy" und schließlich gibt es kaum versteckte Vorwürfe, dass sie wegen des beruflichen Erfolges auf Kinder verzichten. So war's auch bei Ihnen. Was von diesen drei Dingen hat Sie am meisten getroffen?

Lierhaus: Getroffen hat mich gar nichts. Ich habe mir natürlich schon über das eine oder andere Gedanken gemacht. Bei "ran" habe ich anfangs eher in Hosen als im Rock moderiert, damit nicht dieses Vorurteil entsteht: Das ist eine attraktive Frau, die kann nichts von Fußball verstehen. Das "Playboy"-Angebot kommt für mich überhaupt nicht in Frage, weil es dermaßen gegen meine Berufseinstellung geht. Wenn ich mir vorstelle, dass ich im Stadion stehe und die Fans mir die Fotos hinhalten, damit ich sie unterschreibe – nein!

Frage: Waren Sie in gewisser Weise beleidigt, als das Angebot kam?

Lierhaus: Nein, komischerweise habe ich das eher als Kompliment genommen. Weil die Kollegen ja vermutlich auch nur die Frauen anfragen, von denen sie sich schöne Bilder versprechen. Hinterher habe ich mir gedacht, ich hätte wenigstens mal fragen können, was es denen wert gewesen wäre. Aber dann fand ich es unfair, zum Schein Interesse zu heucheln.

Frage: Bleibt noch das Thema Karriere und Kinder ...

Lierhaus: ... das im Moment ja sehr aktuell ist, weil alle Angst haben, dass die Deutschen aussterben. Im Zeitalter der Globalisierung, finde ich, können dann eben andere Menschen hier leben, wenn es so sein sollte. Für mich wäre es nicht möglich, den Job so zu machen, wie ich ihn bisher gemacht habe und dazu noch Kinder zu haben. 2004 habe ich während der Europameisterschaft die Talk-Sendung "Ballkontakte" gemacht. Da war ich vier Wochen in Köln. Dann bin ich für einen Tag nach Hause, habe Wäsche gewaschen, wieder zusammengepackt und bin zur Tour de France. Kurz darauf habe ich in Athen die olympischen Sommerspiele moderiert. Ich war mindestens die Hälfte des Jahre nur unterwegs. Meinen Hund kann ich bei meinen Eltern abgeben, bei einem Kind geht das nicht. Zumindest würde das meinem Anspruch als Mutter nicht gerecht.

Frage: Die Frage ist ja, warum dieses Thema überhaupt diskutiert wird. Niemand hätte zu irgendeinem Zeitpunkt Marcel Reif oder Gerhard Delling nach ihren Kindern gefragt.

Lierhaus: Ach, das ist ein Phänomen unserer Gesellschaft, dass sich Menschen gern Meinungen über andere bilden, die sie gar nicht kennen. Thomas Gottschalk hat dazu mal einen sehr wahren Satz gesagt: "Wenn man am Samstagabend ein Millionenpublikum haben will, kann man nicht erwarten, dass es einen am Sonntagmorgen nicht mehr kennt."

Frage: Ist es nicht trotzdem widersinnig, dass einerseits öffentlich bejammert wird, dass so wenig Frauen Karriere machen – und sobald sie es tun, man dann hämisch nach den fehlenden Kindern fragt?

Lierhaus: Man kann es als Frau eigentlich nur falsch machen. Meine Mutter hat sich ausschließlich um ihre drei Kinder gekümmert, einen großartigen Job gemacht und dafür überhaupt keine Anerkennung bekommen. Geht man dagegen seinem Beruf nach, ist man schnell die Karrierefrau, die kein Herz für Kinder hat. Ich selber habe mich auch nicht gegen Kinder, sondern bislang nur für meinen Beruf entschieden.

Frage: Wie viel Glück kann denn der Beruf vermitteln?

Lierhaus: Wirklich wahres Glück finde ich heute ausschließlich im Privaten. Früher war das möglicherweise anders. Als ich Anfang 20 war, war es mir eher egal, ob ich guten Freunden das dritte Mal nacheinander abgesagt habe, weil ich schnell zu einem Termin musste. Das würde ich heute nicht mehr wollen. Das Leben mit meinem Mann, meiner Familie, meinen Freunden ist mir heute so wichtig, dass ich es nicht mehr hinten anstellen will. Früher hatte ich eigentlich gar kein Privatleben.

Frage: Wann haben Sie gemerkt, dass Sie eines brauchen?

Lierhaus: Ehrlich gesagt erst, als ich meinen Mann kennen gelernt habe. Heute denke ich oft: Mensch, es läuft so gut, auch im Beruf, irgendwann kommt bestimmt der große Knall. Das ist doch fast ungerecht. Ich bin ein Mensch, der grundsätzlich eher pessimistisch eingestellt ist.

Das Interview führte Jörg Schallenberg

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