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24.05.2006
 

DFB-Training

Leiden mit Leibchen

Aus Genf berichtet Christian Gödecke

In Genf soll die deutsche Fußball-Nationalmannschaft eine Einheit werden. Aber wie läuft eigentlich eine Trainingseinheit ab? Es gibt Sonne und Schatten, Sonderschichten für die Abwehr - und Verwirrung um Oliver Kahn. Protokoll einer schweißtreibenden Angelegenheit.

9:59 Uhr. Jürgen Klinsmann ist pünktlich, eine Minute vor dem offiziellen Beginn der Trainingseinheit kommt der Bundestrainer auf den Platz, neben ihm Fitnesscoach Oliver Schmidtlein. Die Sonne brennt über dem Genfer Stadion, Klinsmann trägt eine dicke rote Trainingsjacke und eine kurze schwarze Hose. Das ist wahrer Teamgeist: Er wird in den kommenden 90 Minuten seine Spieler von der Seitenlinie aus beobachten - aber trotzdem schwitzen.

10:07 Uhr. Oliver Bierhoff ist da. Der DFB-Teammanager (lange Ärmel, lange Hose) setzt sich zunächst auf die Ersatzbank, dort ist es schattig. Bierhoff trägt Sonnenbrille, die Frisur sitzt.

10:20 Uhr. Die Spieler kommen auf den Platz, Co-Trainer Joachim Löw bildet mit den Fitnesscoaches einen Kreis. Teambildende Maßnahme auch auf dem Rasen: Stürmer Lukas Podolski muss Hütchen aufstellen, alle zehn Meter ein orangefarbenes. Oliver Kahn fehlt.

10.24 Uhr. Vier Gruppen haben sich gebildet. Zwei bestehen aus neun Spielern, Michael Ballacks Team darf sich im Schatten aufwärmen, die andere Gruppe schwitzt in der Sonne, die Kicker tragen blaue, gelbe und orangefarbene Leibchen. Lukas Podolski ist mit den Hütchen fertig und darf auch in den Schatten. Tim Borowski und Mike Hanke üben separat mit Schmidtlein, Sondertraining in der Sonne. Torwarttrainer Andreas Köpke schießt die Keeper noch wärmer, aber nur Jens Lehmann und Timo Hildebrand. Wo bleibt Kahn?

10.30 Uhr. Endlich ist Kahn da, er trägt wie Lehmann schwarz, lange Ärmel, lange Hose. Der Platz ist mittlerweile übersät mit gelben und orangefarbenen Hütchen und gelben und orangefarbenen Spielern. Kahn steht etwas abseits und macht den "Hampelmann".

10.36 Uhr. Die beiden großen Gruppen haben die Aufgabe, den Ball vom gelben Leibchen über ein blaues zum orangefarbenen und wieder zurück zum gelben zu spielen. In der Sonnengruppe sticht ein schwarz gekleideter Spieler heraus. Es ist Kahn, um seinen Hals baumelt ein gelbes Leibchen wie ein nasses Handtuch. Bahnt sich da für die WM eine Sensation an?

10.47 Uhr. Kahns Gruppe spielt sechs gegen drei, der Torwart offenbart solide Technikgrundlagen und lässt sogar Oliver Neuville aussteigen. Ab und an ruft er laute Kommandos. Es scheint fast, als solle Kahn die neue Abwehr-Geheimwaffe werden.

10.55 Uhr. Getränkepause.

11.10 Uhr. Nach dem Fitness- der Taktikteil. Geübt wird der Angriff gegen die Viererkette, in der jedoch Kahn fehlt. Der fängt in der anderen Hälfte Flanken von Köpke, eine rutscht ihm durch die Finger. Ist es die ungewohnte Position? Die Viererkette bilden Marcell Jansen, Jens Nowotny, Robert Huth und Arne Friedrich. Eine Vorentscheidung um die Stammplätze bei der WM ist aber noch nicht gefallen, denn wenig später kommen auch Per Mertesacker und Christoph Metzelder zu ihrem Recht. Immer wieder unterbricht Co-Trainer Löw die Aktionen, spricht mit Ballack und Torsten Frings, später brüllt er "Schneller!" und "Komm!". Auf der rechten Seite bleibt Jungstar David Odonkor unauffällig - im Gegensatz zu seinen Schuhen. Die leuchten orange.

11.35 Uhr. Das Training auf dem Platz ist beendet, nur nicht für die Viererkette. Nowotny, Huth, Friedrich, Jansen, Mertesacker und Metzelder müssen eine Sonderschicht einlegen. Verschieben, rauslaufen, zurückfallen lassen - Löw ist unerbittlich und korrigiert immer wieder. Der beste Mann auf dem Platz ist aber der Co-Trainer selbst. Sicher am Ball und mit Übersicht.

11.36 Uhr. Oliver Kahn stapft die Treppen zum Fitnessraum hinauf, jetzt wird klar: Die Viererkette hat es geradezu gut unter der Sonne von Genf. Denn oben müssen die anderen noch an den schweren Geräten schuften, bis 12 Uhr. Später in den Katakomben wird Philipp Lahm auf die Bitte nach einem Kurzinterview antworten: "Jetzt nicht, ich stinke so."

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