Hamburg - "So können wir nicht spielen, das ist viel zu offensiv", sagte Ballack nach dem Spiel gegen Japan (2:2). "Wir haben zu viele Torchancen zugelassen", so der DFB-Kapitän. Die deutsche Mannschaft habe genau die Abwehrschwächen gezeigt, die sie versucht, seit fast zwei Jahren abzulegen.
Speziell die Defensive sei aber bei großen internationalen Turnieren entscheidend. "Nur so kann man Erfolg haben", sagte Ballack, "das hat man 2002 gesehen." Bei der WM vor vier Jahren erreichte die Nationalmannschaft trotz spielerischer Defizite das Finale.
Gegen die Japaner hatte Bernd Schneider auf der rechten Seite der Viererabwehrkette agiert, Tim Borowski spielte im Mittelfeld neben Torsten Frings in der Zentrale, Ballack belegte die halbrechte Position, Bastian Schweinsteiger halblinks. "Wir haben ja diesmal was Neues probiert, aber das hat nicht funktioniert", sagte der DFB-Kapitän.
Der Co-Trainer des Nationalteams, Joachim Löw, wollte sich von den öffentlichen Äußerungen nicht unter Druck setzen lassen. Er sagte, dass man sich auch in Zukunft vorstellen könne, Ballack nicht im zentralen Mittelfeld aufzustellen. "Er ist dort von gegnerischen Mannschaften relativ leicht abzudecken", so Löw, "auf der Halbposition kann man ihn dieser engen Bewachung etwas entziehen."
Im letzten Testspiel gegen Kolumbien am Freitag in Mönchengladbach (19 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) will Ballack wieder auf seine angestammte Position im zentralen Mittelfeld zurückkehren. "Ich gehe davon aus, dass ich dort spiele", sagte der 29-Jährige. Einen Konflikt mit den Aufstellungs-Plänen von Bundestrainer Jürgen Klinsmann sieht Ballack nicht: "Er weiß, wie ich darüber denke."
Mit Blick auf das WM-Eröffnungsspiel am 9. Juni in München gegen Costa Rica sprach sich Ballack vor dem letzten Härtetest dafür aus, "dass wir die Formation stellen, die auch bei der WM anfangen soll. Wir müssen uns einspielen, es ist unser letzter Test vor dem Turnier. Wichtig ist, dass wir die Experimente jetzt beenden."
Für den Spielführer der DFB-Auswahl hat die Partie gegen Kolumbien eine "sehr, sehr wichtige" Bedeutung: "Es wäre nicht gut für die Mannschaft, wenn sie das Trainingslager mit einem Negativ-Erlebnis abschließen und in die WM gehen müsste."
kob/sid
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