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03.06.2006
 

Ende der DFB-Vorbereitungen

23 Freunde für Deutschland

Von Daniel Theweleit

Dieses Team macht Hoffnung: Rechtzeitig vor dem Auftakt gegen Costa Rica haben Klinsmann und Co. die Defizite der deutschen Nationalmannschaft in den Griff bekommen. Die Mannschaft präsentierte sich gegen Kolumbien als Einheit und klärte auf dem Platz die letzten taktischen Fragen.

"Wir sind ein Team", lautete das große Mantra der ersten intensiven Vorbereitungswoche der Fußballnationalmannschaft. Stumm sind die Beobachter, die sich darüber lustig machten, dass die Spieler diesen Slogan wieder und wieder brüllen mussten. Sportpsychologen insistierten, dass solch eine Erkenntnis am Ende eines Prozesses und nicht am Anfang stehen müsse, doch nach dem 3:0 gegen Kolumbien dürfen die Trainer sich bestätigt fühlen. Der Leitgedanke mit seiner herbergerschen Einfachheit ist in Fleisch und Blut übergegangen. Und er funktioniert. "Mit Abwehr sind alle gemeint. Alle!", sagte Bundestrainer-Assistent Jogi Löw noch einmal mit scharfem Ton, als er nach der Entwicklung der Viererkette gefragt wurde. Man habe kein Abwehproblem gehabt, sondern ein Defensivproblem sämtlicher Mannschaftsteile.

Die Spieler formulierten ebenfalls immer neue Sätze mit der Botschaft, "wir alle waren schuld", der Teamgeist treibt mittlerweile prächtige Blüten: Der deprimierte Ersatztorhüter Oliver Kahn etwa profiliert sich als Privat-Coach des immer berauschter aufspielenden Bastian Schweinsteiger und wird auf diesem Umweg zu einer wichtigen Figur im Team. Überhaupt war soziale Kompetenz ja ein Kernkriterium für die Auswahl der Spieler. Jürgen Klinsmann sagte deshalb sehr zufrieden: "Es ist toll, was wir in den letzten zweieinhalb Wochen erlebt haben innerhalb der Truppe."

Bis Montag haben die 23 Freunde nun frei, dann trifft sich die Mannschaft im Berliner WM-Quartier. Laut Klinsmann gibt es vier Tage vor dem Eröffnungsspiel gegen Costa Rica "noch sehr viel Arbeit" zu erledigen. Den "taktischen Feinschliff", werde man der Mannschaft dann verleihen und die bislang gänzlich zu kurz gekommenen Standardsituationen üben. Obwohl Ecken und Freistöße noch nicht trainiert wurden, hat die Mannschaft vier ihrer fünf Tore in den Spielen gegen Japan und Kolumbien nach Standards erzielt. Hier könnte also noch ein großes Potenzial ruhen. Klinsmann erwartet jedenfalls "eine weitere Steigerung".

Dass die Mannschaft in kurzer Zeit viel entwickeln kann, zeigte der Test gegen die Kolumbianer. Das Team wirkte frischer als drei Tage zuvor, agierte disziplinierter, die Ordnung war klarer, und alle halfen sie dem zunächst verunsicherten, dann immer selbstbewusster werdenden Arne Friedrich. Der umstrittene Berliner wurde aber defensiv kaum gefordert, und das wiederum lag an der gut sortierten Kette im Mittelfeld mit Michael Ballack und Torsten Frings zentral, sowie Schweinsteiger links und Bernd Schneider rechts. "Das war ausnahmslos eine bessere Mittelfeldarbeit. Das ergibt im Endergebnis eine bessere Defensivleistung, und dann ist gar nicht die Frage, ob die Abwehr Schwächen hat", erläuterte Löw.

"Es geht nicht um den Einzelnen"

Genau diese etwas defensivere Ausrichtung hatte Ballack gefordert. Der Kapitän wiederholte noch einmal: "Wenn wir so spielen wie gegen Japan, kann man international nicht viel gewinnen". Der latente Konflikt mit Klinsmann, der weiterhin sein schnelles, riskantes und offensives Spiel propagiert, könnte noch einige Zeit weiter schwelen. Die Frage nach den unterschiedlichen Grundausrichtungen war in dieser Partie nicht abschließend zu klären, denn Kolumbien war kein Gegner von WM-Format.

Auch deshalb reichten die Kapazitäten trotz größerer Besonnenheit für ein bisweilen sehr ansehnliches Offensivspiel. Schneider agierte auf der rechten Seite, als wolle er beweisen, dass seine immer noch mögliche Versetzung in die Viererkette nichts wäre als eine nachlässige Verschwendung ambitionierter Angriffsressourcen, und Schweinsteiger avanciert mehr und mehr zum Star des Teams. Wie schon gegen Japan bereitete er ein Tor vor (Ballacks Kopfball zum 1:0, 21.) und traf später selber (per Freistoß aus 30 Metern, 37.). Nach der Partie sagte Schweinsteiger als einer von 23 Freunden: "Es geht nicht um den Einzelnen, wenn ein anderer mir nicht den Ball gibt, kann ich nichts machen."

Dass der für Schneider eingewechselte Tim Borowski das 3:0 (69.) erzielte, untermauerte eindrucksvoll, dass das Mittelfeld der entscheidende Mannschaftsteil dieses Vorbereitungsspiels war. Auch Frings machte einen stabileren Eindruck als zuletzt, wenngleich er der unauffälligste Teil des Vierermittelfeldes blieb. Nicht zu übersehen ist hingegen das kleine Formtief der Stürmer Lukas Podolski und Miroslav Klose. Der Bremer - zuletzt mit privaten Problemen - vergab zwei sehr gute Chancen, war ansonsten kaum zu sehen. Neu-Bayer Podolski fehlte die Bindung zum Spiel. Er hatte kaum Ballkontakte.

Wenn die beiden in der kommenden Woche wieder in Form kommen, hat diese Vorbereitung eine perfekte Dramaturgie genommen: Zunächst der interne Stimmungsmotor des Familientrainingslagers auf Sardinien, dann der Test gegen Luxemburg, in dem man das Volk mit dem WM-Fieber infizierte, bevor im Japan-Spiel verhindert wurde, dass die Euphorie in Größenwahn umschlägt. Jetzt ist der Optimismus wieder lebendig, jedoch veredelt mit einer gesunden Portion Skepsis. Und mit einem Transparent, das nach dem Spiel auf dem Rasen ausgerollt wurde, lud die Mannschaft die Fans nun ein ins schwarz-rot-goldene "Wir sind ein Team"-Boot: "Gemeinsam mit Euch. Ein Traum: 9. Juli 2006". Der Tag des Endspiels.

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Der KLinsmann sollte mal hier mitmachen :-) mehr...

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Hab ich eben beim stöbern gefunden - Glückwunsch nachträglich , Dino. Ich rate übrigens einigen Foristen ruhig mal in alten Klinsmann Foren zu stöbern, dann muss man nach der WM nicht wieder seinen Nutzernamen ändern, nur [...] mehr...

09.07.2006 von Haio Forler:

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