Hamburg - "Ja, es stimmt, ich habe fristlos gekündigt. Für mich war ein professionelles Arbeiten nicht mehr möglich", bestätigte Pfister seinen Entschluss, "für mich ist gerade ein Lebenstraum geplatzt, aber damit muss ich professionell umgehen." Als Grund für seinen Rücktritt nannte der 58-Jährige den nicht geklärten Prämienstreit. Im Spiel gegen Südkorea am Dienstag (15 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Frankfurt am Main wird der bisherige Assistenztrainer Kodjovi Mawuena die Mannschaft betreuen. "Diese Regelung gilt zunächst für das erste Spiel gegen Südkorea, danach sehen wir weiter", sagte Verbandssprecher Messan Attolou.
Als künftiger Trainer wird auch Winfried Schäfer gehandelt, obwohl der langjährige Coach des Karlsruher SC jeglichen Kontakt mit dem togolesischen Verband bestritt. "Das ist alles sehr hypothetisch, mit mir hat jedenfalls bisher niemand gesprochen", sagte Schäfer, der bei WM 2002 in Japan und Südkorea Trainer von Kamerun war und zuletzt in den Vereinigten Arabischen Emiraten Al Ahli Dubai zum Titel führte.
Im Gespräch mit der ARD hatte Schäfer allerdings zuvor einen anderen Trend erkennen lassen: "Für die Dauer der WM würde ich Togos Team natürlich gerne übernehmen. Beim ersten telefonischen Kontakt auf meiner Rückfahrt vom Eröffnungsspiel in München wurde mir gesagt, dass sich die Spieler für mich ausgesprochen haben."
Der zurückgetretene Pfister zeigte sich vor allem über die Vorgänge im Trainingslager der Afrikaner frustriert. "Ich habe sechs Wochen lang versucht, auf den Verband einzuwirken, aber es hat sich nichts getan," sagte er. Nach der Aussage des Trainers, der im Februar die Nachfolge des entlassenen Stephen Keshi angetreten hatte, hätten die Spieler wegen der ungeklärten Prämienfrage am 4., 5. und 9. Juni dreimal im Training gestreikt. Damit sei für ihn "die Grundlage entzogen" gewesen.
Verständnis für die Entscheidung zeigte sogar WM-Organisationschef Franz Beckenbauer. "Otto Pfister ist ein gradliniger Mensch. Wenn er das Gefühl hatte, dass er die Schnauze voll hatte, kann ich seine Entscheidung nachvollziehen", sagte Beckenbauer, "so ist das halt bei solchen Ländern, die zum ersten Mal bei einer WM dabei sind. Die sind es nicht gewohnt, vier bis fünf Wochen zusammen zu sein."
Die Mannschaft steht offensichtlich auf der Seite des Deutschen. Als der Trainer gestern zu seiner Familie in die Schweiz fuhr, reisten ihm einige Spieler nach, um ihn umzustimmen. "Aber es gibt kein Zurück mehr", stellte Pfister unmissverständlich klar.
Die Spieler fordern angeblich 155.000 Euro pro Kopf sowie weitere 30.000 Euro pro Sieg. Der Verband will aber offenbar lediglich 30.000 Euro Antrittsprämie pro Spieler zahlen. Die Zahlen wollte Pfister zwar nicht bestätigen, zeigte aber Verständnis für den Unmut der Spieler. An einen Boykott der Spieler glaubt der deutsche Mannschaftsarzt Joachim Schubert nicht. "Ich denke nicht, dass sie nicht spielen werden", sagte er. Pfister, mit dem auch sein engster Assistent Piet Hamberg zurücktrat, ist da nicht so sicher: "Die Stimmung im Team ist sehr schlecht."
kob/sid
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH