Mittwoch, 10. Februar 2010

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Fußball-WM 2006

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25.06.2006
 

Englische Fans in Stuttgart

Schweiß, Bier und Randale

Von Elke Rutschmann

Stuttgart ist derzeit in englischer Hand. Rund 60.000 Anhänger sind von der Insel gekommen, um ihr Nationalteam zu unterstützen. Gestern randalierten die Fans und bestätigten damit ihr schlechtes Image. Nach dem Erfolg gegen Ecuador spielte dann ein Gewitter der Polizei in die Hände.

Es riecht nach Bier. Es riecht nach ungewaschenen Körpern. In dicken Perlen steht Robbie aus Cambridge der Schweiß im Gesicht. Er trägt einige Pfunde zuviel mit sich herum und das macht es nicht leichter auf dem Stuttgarter Schlossplatz, wo der Beton in den vergangenen Tagen die Wärme der Sonne gespeichert hat und gnadenlos abstrahlt. Doch Robbie Crawford lacht.

Er kniet auf dem Boden, um auf einer 15x8 Meter großen Fahne zu unterschreiben, die ein Fan vor dem neuen Kunstmuseum ausgelegt hat. Robbie hat Mühe überhaupt noch eine freie Stelle zu finden. "Pride, passion, belief" steht in blauen Druckbuchstaben auf dem weißen Tuch zwischen dem Georgskreuz. Stolz. Leidenschaft. Glaube. Das sind die Dinge, die Robbie heute mit den rund 60.000 Engländern in Stuttgart verbindet. "Ich hoffe, dass alles ruhig bleibt", sagte Robbie. Die Polizei teilt mit ihm diese Hoffnung - immerhin ist das englische Team nach dem 1:0-Erfolg gegen Ecuador nicht ausgeschieden.

Doch wo immer die Engländer normalerweise hinreisen ist ihr schlechtes Image meist schon da. Gestern Nacht hat sich dies leider bestätigt. Nach dem 2:0 der Deutschen gegen Schweden sind vor einem Terrassencafé Tische, Flaschen und Stühle geflogen. Fünf Passanten und vier Polizisten wurden verletzt. Die Polizei kesselte die Randalierer mit 250 Mann ein und nahm 375 Engländer und drei Deutsche fest. Bis auf drei Briten sind alle wieder frei. Die Stadt Stuttgart sprach jedoch Platzverweise aus. "Eine Konfrontation in der Größenordnung haben wir so noch nicht gehabt", sagte der Stuttgarter Polizeipräsident Siegfried Stumpf. 1900 deutsche Beamte, vier englische Kollegen und 14 szenekundige Zivilpolizisten sind heute im Einsatz.

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Foto: Beckoffice

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Stephen Thomas, Leiter des britischen Polizeieinsatzes während der Fußball-WM in Stuttgart, betonte, dass man die in der Stadt erwarteten "richtigen Fußballfans" nicht mit den Krawallmachern und Hooligans vergleichen dürfe. "Aber für die betrunkenen Fans entschuldige ich mich schon jetzt." Vor der Partie heute erinnerte nichts mehr an den Auftritt der Hooligans gestern. Insgesamt ging die Randale in der friedlichen Masse unter.

Die Stuttgarter werden zu Touristen

Am Flughafen und am Bahnhof ist es ruhig. Ein englischer Fan sitzt splitternackt in einem Brunnen, die meisten seiner Kollegen tragen Bermudas, zeigen behaarte Beine und Tattoos und bruzzeln ihre blassen nackten Oberkörper in der Sonne. Einer hat sich als Batman verkleidet, ein anderer trägt eine Kochmütze und hat eine Pfanne und einen Kochlöffel dabei. Der Schlossplatz leuchtet weißrot. Die meisten Stuttgarter werden in diesen Tagen zu Touristen in der eigenen Stadt, die immer wieder Kameras zücken.

Auf dem Weindorf hat man sich daran gewöhnt, den Gästen von der Insel im Minutentakt zu erklären, dass es an den Ständen nur Wein und kein Bier gibt. "Wir haben aber auch englische Gäste, die ein württembergisches Tröpfchen schätzen", sagt Winzer Fritz Currle. Inzwischen haben die Fish-and-Chips-Anhänger auch die Vorzüge von Maultaschen und schwäbischem Rostbraten zu schätzen gelernt und die Bedienungen wehren sich mit stoischer Ruhe gegen die zahlreichen Flirtversuche.

Auch Robbie ist mittendrin unter den vielen Anhängern. "In England haben wir die Randale eigentlich nicht bei den Fußballspielen, sondern vor allem beim Royal Ascot", erzählt er. Auf der Pferderennbahn nahe Windsor findet im Juni immer die Ascot-Rennwoche statt. Pferde sind in Stuttgart auch im Einsatz - bei der Reiterstaffel der Polizei. Man will präsent sein, aber nicht provozieren. "Wir werden nur eingreifen, wenn die Gewalt eskaliert", sagte Siegfried Stumpf. Man ist auf den Ernstfall vorbereitet. Ein Gewitter hat aber auch die Polizei nicht auf dem Zettel. Und so tanzt auf dem Schlossplatz bei Windstärke neun nur noch der harte Kern der Fangemeinde ausgelassen im Regen.

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