Sonntag, 22. November 2009

Sport



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30.06.2006
 

Achilles' Spezial

Anleitung zum Jubeln

Von Achim Achilles

Das Publikum gilt ja als zwölfter Mann. Weil die 72.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion womöglich nicht reichen, müssen wir Deutschen heute ab 17 Uhr patriotische Jubeldisziplin zeigen: Damit möglichst synchron angefeuert wird, hat Achim ein paar Regeln aufgestellt.

Eine La-Ola-Welle von Sylt bis Berchtesgaden soll die Republik durchwogen, 80 Millionen Schreie das ganze Land erzittern lassen, vor allem die argentinischen Kicker. Damit nichts schief geht, hier eine kleine Anleitung zum korrekten Jubelverhalten vor dem Fernsehschirm, und zwar 90 Minuten ohne Pause. Aufgabe an alle: Es muss bis nach Berlin zu hören sein.

Jubel auf der Fanmeile: "Brüllen, stampfen, trommeln"
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DPA

Jubel auf der Fanmeile: "Brüllen, stampfen, trommeln"

Argentinische Hymne: Absolute Ruhe, keine Pfiffe. Das ist erstens billig und stachelt die Elf mit den hellblau-weiß-gestreiften Leibchen nur an.

Deutsche Hymne: Aufstehen, Kreuz durchdrücken, Träne in den Augenwinkel, nicht schön, aber laut singen.

Abschlag oder Ecke Argentinien: Hummelartig anschwellendes "Ooooh", unterstützt von Handwedeln und rhythmisch klirrenden Schlüsselbunden, das im Moment des Schusses in einem lauten "Buuh" endet.

Abschlag oder Ecke Deutschland: Auch die Hummel, am Ende aber ein optimistisches "Aaaaaaah". Macht den Keeper nervös.

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Greifen Sie zu!
Angriff Argentinien: Mit mitgebrachten Kokosnussschalen Hufgetrappel imitieren. Weckt Heimweh, gerade beim jungen Messi, und führt zu Ballverlusten.

Angriff Deutschland: Brüllen, stampfen, trommeln, zur Not auf Küchenutensilien oder dem Nebenmann. Sollten aus dem Stadion bekannte Gesänge ertönen, sofort einstimmen.

Maradona kommt ins Bild: Winken und rufen: "Auf Wiedersehen".

Klinsmann, Poldi, Schweini, Merkel oder sonst ein bekannter Deutscher erscheint in Großaufnahme: Siehe "Angriff Deutschland", nur lauter.

Argentinien schießt ein Tor: So tun, als ob nichts passiert sei, Anfeuerung verdoppeln.

Deutschland schießt ein Tor: Zurückhaltende Charaktere wählen zarte Gesten wie Merkel-Maske oder Ballack-Faust, euphorischere Zeitgenossen rutschen wie Poldi auf den Knien über den Flokati, schlagen wie Miro einen Salto (Achtung: Bandscheibe!) oder versuchen den Jürgen-Jump. Auch hier ist Vorsicht geboten: Gerade in Neubauten mit niedrigen Decken kann es leicht zu Jubelunfällen kommen.

Nach dem Sieg: Sofortiges Herzen aller Anwesenden, mit dem Restbier raus ins Auto und ab zum Korso. Unsere Halbfinalgegner schon mal mit frenetischen "Ukraine, Ukraine"-Rufen begrüßen.

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