Von Mike Glindmeier und Pavo Prskalo
München - Frankreich hat einmal mehr WM-Geschichte geschrieben. Der Weltmeister von 1998, der 2002 ohne einen einzigen Treffer bereits in der WM-Vorrunde ausschied, steht überraschend im Finale. Dank eines verwandelten Elfmeters von Spielmacher Zinedine Zidane, besiegten die cleveren Franzosen Portugal 1:0 (1:0). Das Team von Trainer Raymond Domenech trifft damit am Sonntag (20 Uhr Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Berlin auf Italien, das bereits gestern 2:0 nach Verlängerung gegen Deutschland gewann. Die DFB-Elf empfängt Portugal im Spiel um Platz drei am Samstag um 21 Uhr (Liveticker SPIEGEL ONLINE) in Stuttgart.
In einem durchschnittlichen Spiel hieß der Matchwinner einmal mehr Zidane. Der Kapitän der Franzosen, der erst im vergangenen Jahr von seinem Rücktritt aus dem Nationalteam zurück getreten war, erzielte nicht nur den entscheidenden Treffer, sondern war auch Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Franzosen. "Das Team wollte diesen Sieg unbedingt, wir haben bis zum Schluss gekämpft. Nach dem Elfmetertreffer haben wir gigantisch verteidigt. Am Sonntag gegen Italien wird es ein ganz enges Match", kündigte der Franzose Thierry Henry an.
Die 66.000 Zuschauer in München erlebten dabei zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten. Während der zweite Durchgang eher an ein Freundschaftsspiel erinnerte, zeigten die 22 Akteure in den ersten 45. Minuten phasenweise tollen Offensivfußball.
Die erste Chance des Spiels hatten die Franzosen, die mit derselben Mannschaft wie beim 1:0-Sieg im Viertelfinale gegen Brasilien aufliefen. Bereits 34 Sekunden nach dem Anpfiff setzte Florent Malouda zu einem Alleingang über die linke Seite an, sein Flachschuss ging jedoch zwei Meter am Tor der Portugiesen vorbei. Dennoch hatte diese Szene Signalwirkung. Beide Mannschaften überbrückten in der Folgezeit immer wieder mit schnellen Kombinationen das Mittelfeld und erspielten sich bereits in der ersten Halbzeit mehr Torszenen, als das gesamte Halbfinale zwischen Italien und Deutschland zu bieten hatte.
Die besten vergaben der Portugiese Pauleta, der aus drei Metern vor dem Tor der Franzosen eine Hereingabe von Spielmacher Deco verpasste (4.) sowie Maniche, dessen Distanz-Schuss aus 22 Metern knapp über die Latte ging.
In der 32. Minute ereignete sich dann die Schlüsselszene. Portugals Ricardo Carvalho traf im Strafraum Henrys Knöchel, Schiedsrichter Jorge Larrondia entschied sofort auf Elfmeter. Eine Aufgabe für Zidane: Dem Routinier reichte ein Schritt Anlauf, um den Strafstoß zum 1:0 zu verwandeln (33.). Die beste Chance zum Ausgleich noch vor der Halbzeit hatte Cristiano Ronaldo, dessen Schuss aber von Lilian Thuram geklärt werden konnte.
Nach dem Seitenwechsel drängten die Franzosen sofort auf die Entscheidung. Zwei Minuten nach dem Wiederanpfiff setzte sich Henry im Strafraum gegen zwei portugiesische Verteidiger durch und versuchte, den Ball aus drei Metern an Ricardo vorbei zu spitzeln. Doch der portugiesische Torhüter hatte Glück, dass der Ball von seiner Hüfte ins Toraus sprang (47.) in der 49. Minute glich Ricardo seinen Beinahe-Patzer allerdings glänzend wieder aus, als er einen herrlichen Drehschuss von Franck Ribery mit einer Faust parierte. Die Vorlage kam erneut vom starken Zidane.
Doch auch der dreimalige Weltfußballer des Jahres, der sein letztes Turnier für die Franzosen spielt, konnte nicht verhindern, dass das Spiel danach mehr und mehr verflachte. Frankreich war darauf bedacht, keinen Fehler zu machen und den Vorsprung zu verwalten. Bei den Portugiesen fehlte eine zweite Spitze neben dem völlig in der Luft hängenden Pauleta.
Lediglich bei Standardsituationen kam der Vize-Europameister von 2004 im zweiten Durchgang in die Nähe des französischen Tores - und beinahe hätte eine solche Szenen zum Ausgleich gereicht. In der 78. Minute entwickelte sich ein eher ungefährlicher Freistoß von Ronaldo zur besten Möglichkeit der Portugiesen. Frankreichs Torhüter Fabien Barthez konnten den Schuss aus 20 Metern nur kurz abprallen lassen, die Bogenlampe landete genau auf dem Kopf von Luis Figo. Doch statt den Ball nach unten zu drücken köpfte der Kapitän über die Latte.
"Glückwunsch an Frankreich, es war ein verdienter Sieg. Wir hatten einige Möglichkeiten, diese aber leider nicht genutzt", sagte Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari nach dem Spiel. Das sah sein Gegenüber ähnlich: "Wir hatten Probleme mit unserem Spiel aber auch das nötige Glück, dass wir das Tor geschossen haben, dass die anderen nicht erzielt haben", so Domenech. Im Finale kann der 54-Jährige erneut seine beste Elf aufbieten. Die mit gelb vorbelasteten Spieler blieben gegen Portugal mit Ausnahme des eingewechselten Louis Saha ohne Verwarnung. Darunter auch Superstar Zidane, der am Sonntag seine herrausragenden Leistungen in diesem Turnier mit seinem zweiten WM-Triumph nach 1998 krönen will.
Portugal - Frankreich 0:1 (0:1)
0:1 Zidane (33./Foulelfmeter)
Portugal: Ricardo - Miguel (62. Paulo Ferreira), Fernando Meira, Ricardo Carvalho, Nuno Valente - Costinha (75. Hélder Postiga), Maniche - Figo, Deco, Cristiano Ronaldo - Pauleta (68. Simão)
Frankreich: Barthez - Sagnol, Thuram, Gallas, Abidal - Vieira, Makelele - Ribéry (72. Govou), Zidane, Malouda (69. Wiltord) - Henry (85. Saha)
Schiedsrichter: Larrionda (Uruguay)
Zuschauer: 66 000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Ricardo Carvalho / Saha
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