Berlin - Der 34 Jahre alte Franzose hatte im Finale am Sonntag gegen Italien in der 110. Minute nach einem Kopfstoß gegen Marco Materazzi die Rote Karte gesehen. Trotzdem erhielt er beim Votum um den Goldenen Ball für den besten Spieler der WM 2012 Punkte von den internationalen Medienvertretern. Viele Journalisten hatten ihre Stimmzettel offenbar schon vor der Roten Karte abgegeben, obwohl sie dafür bis Mitternacht Zeit hatten.
Auch vor vier Jahren bei der WM in Südkorea und Japan hatte das Wahlprozedere des Goldenen Balles für einen überraschenden Ausgang gesorgt. Torhüter Oliver Kahn erhielt die Auszeichnung trotz seines entscheidenden Patzers beim Schuss von Rivaldo im Finale gegen Brasilien (0:2). Torjäger Ronaldo, der beide Treffer im Endspiel erzielte und insgesamt acht Tore im Turnier schoss, ging dafür leer aus. Damals mussten die Stimmen allerdings schon vor dem Finale abgegeben werden.
Dafür war Zidane trotz seiner beiden Endspieltore bei der WM 1998 nicht mit dem Goldenen Ball bedacht worden. Vor acht Jahren setzte sich Ronaldo vom unterlegenen Endspielgegner Brasilien durch. Er hatte zwar ein starkes Turnier gespielt, enttäuschte jedoch - auch krankheitsbedingt - im Finale.
Diesmal mussten sich ebenfalls zwei Weltmeister mit den Rängen zwei und drei bei der Abstimmung zufrieden geben. Der italienische Verteidiger Fabio Cannavaro erhielt die Auszeichnung in Silber, sein Mannschaftskollege Andrea Pirlo den Ball in Bronze. Pirlo wurde von der Fifa-Experten-Kommission zum besten Spieler des Finales gewählt.
Unter den zehn von der Technical Study Group der Fifa nominierten Spielern befanden sich auch die Deutschen Michael Ballack und Miroslav Klose. Außerdem standen die Italiener Gianluigi Buffon und Gianluca Zambrotta, die Franzosen Thierry Henry und Patrick Vieira sowie der Portugiese Maniche zur Wahl. Buffon durfte sich mit der "Lew-Jaschin-Auszeichnung" für den besten Torhüter des Turniers trösten.
Die bisherigen Gewinner des Goldenen Balls waren 2002 Oliver Kahn, 1998 Ronaldo (Brasilien), 1994 Romario (Brasilien), 1990 Salvatore Schillaci (Italien), 1986 Diego Maradona (Argentinien) und 1982 Paolo Rossi (Italien).
hen/dpa/sid
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