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10.07.2006
 

Kopfstoß im Finale

Chirac nimmt Zidane in Schutz

Der Kopfstoß von Zinedine Zidane gegen Marco Materazzi im WM-Finale rief in der ganzen Welt Unverständnis hervor. Doch einige Landsleute nehmen "Zizou" gegen die Kritik in Schutz - allen voran sein Trainer und der Staatspräsident. Die Beteiligten des Platzverweises schweigen.

Paris - Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac nannte Zidane heute bei einem Empfang der Mannschaft im Garten des Elysée-Palastes einen "Mann mit Herz, Engagement und Überzeugung". Er sei ein Virtuose und ein Fußballgenie, so Chirac weiter. "Dafür bewundert und liebt ihn Frankreich." Der geplante Autokorso des Teams über die Champs Elysées wurde allerdings abgesagt.

Chirac soll sich außerdem nach dem Spiel lange mit Zidane in der Umkleidekabine unterhalten haben, teilte Sportminister Jean-François Lamour mit. "Wir haben ihn furchtbar betroffen erlebt, er war sehr mitgenommen von der Roten Karte", sagte Lamour.

Staatspräsident Chirac, Zidane beim Empfang heute im Elysée-Palast: "Ein Mann mit Herz, Engagement und Überzeugung"
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DPA

Staatspräsident Chirac, Zidane beim Empfang heute im Elysée-Palast: "Ein Mann mit Herz, Engagement und Überzeugung"

Unterstützung widerfuhr Zidane auch durch Raymond Domenech. "Wenn jemand 80 Minuten lang aushalten muss, was er aushalten musste, und der Schiedsrichter nichts tut, versteht man das", sagte der Nationaltrainer mit Blick auf die ständige enge Deckung seines Spielmachers durch die italienische Mannschaft.

"Wenn man den Menschen Zidane kennt, dann weiß man, dass es sehr grausame Worte erfordert, damit er so reagiert", sagte Michel Hidalgo, Trainer von Frankreichs Europameisterelf 1984.

Die führende französische Sportzeitung "L'Equipe" ging mit Zidane dagegen hart ins Gericht. Sie bezeichnete die Tätlichkeit als "dumm", "nicht wiedergutzumachen" und "schwer zu verzeihen". Im Leitartikel fragte sie den Altstar, wie die Tat den Millionen von Kindern zu erklären sei, deren Vorbild er weltweit geworden sei. Die Tageszeitung "Libération" sprach von einer "unverzeihlichen Rache", die den Abgang von Zidane beschmutze.

Noch immer schweigen sowohl Zidane als auch Materazzi darüber, was vor der Tätlichkeit des Franzosen vorgefallen war. Laut Gerüchten habe Materazzi den Franzosen als "Terroristen" beschimpft. Zidane stammt aus einer Familie algerischer Einwanderer.

Es war nicht das erste Mal, dass Zidane auf dem Rasen ausrastet. In seiner langen Karriere als Profi flog er insgesamt zwölfmal vom Platz, darunter zweimal bei einer Weltmeisterschaft. Bei der WM 1998 im eigenen Land kassierte er in der Vorrunde Rot, kehrte aber nach einer Sperre von zwei Spielen zurück und führte seine Mannschaft mit zwei Treffern im Endspiel zum Titel.

bri/AFP

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