Hannover - "Peter Neururer ist zurückgetreten, daraufhin hat man sich im gegenseitigen Einvernehmen getrennt", sagte Hannovers Sportmanager Carsten Linke SPIEGEL ONLINE. Drei Niederlagen zum Bundesligastart mit insgesamt elf Gegentoren, darunter am Samstag ein 0:3 daheim gegen Aufsteiger Alemannia Aachen, wurden Neururer zum Verhängnis. Saisonübergreifend waren die Niedersachsen unter Neururer seit insgesamt elf Spielen ohne Sieg. Die dpa spekuliert über eine Abfindung in Höhe von 800.000 Euro für den Trainer.
"Wir haben uns in den vergangenen Tagen mehrmals zusammengesetzt. Selten habe ich im Fußballgeschäft Gespräche auf so hohem Niveau geführt", erklärte Neururer bei seinem Rücktritt salomonisch. Er wünschte Mannschaft und Verein alles Gute und verabschiedete sich vorerst aus der Liga. Hannovers Vorstandschef Martin Kind teilte mit, dass er die "Entwicklung und diese Entscheidung" bedauere - dabei hatte sich die Trennung angekündigt. Der Coach brachte in Interviews zuletzt mehrfach seinen Frust über die Situation in Hannover zum Ausdruck. Der "Sportbild" erklärte Neururer, die Situation bei 96 sei schlimmer als bei allen anderen Vereinen. "Hannover ist mein zwölfter Job als Trainer. So wie hier habe ich das noch nie erlebt. Überall gibt es hier Heckenschützen."
Wenige Stunden vor der Trennung hingegen versuchte er vergebens, die Situation noch einmal zu beruhigen. "Grundsätzlich möchte ich weitermachen", sagte Neururer dem Nachrichtensender N24. Doch bereits am Dienstagnachmittag und am heutigen Vormittag trainierte der Bundesliga-Kader der Niedersachsen ohne den Cheftrainer, die Übungseinheiten wurden von Co-Trainer Thomas Kristl geleitet.
Dass es eine interne Abstimmung unter den Spielern mit einem Votum gegen Neururer gegeben habe, wurde zwar dementiert, doch die Verbannung von Torjäger Thomas Brdaric auf die Tribüne galt im Verein als äußerst umstrittene Maßnahme Neururers. Der Coach begründete sie rein sportlich: "Es war eine Konsequenz aus dem Verlauf der vergangenen Wochen. Thomas spielt nicht effektiv genug."
Neururers Nachfolger steht noch nicht fest. Im Gespräch sind Erik Gerets, Christian Groß, Michael Laudrup und der ehemalige Bayern-Profi Bruno Labbadia. In die Suche wird neben dem ebenfalls nicht unumstrittenen Manager Ilja Kaenzig auch René C. Jäggi eingebunden. Der ehemalige Vorstandschef des 1. FC Kaiserslautern ist Kinds Wunschkandidat für den bei 96 vakanten Posten des Geschäftsführers. "Bis zum Wochenende" soll laut Kind eine Entscheidung über Jäggis Verpflichtung fallen.
goe/sid/dpa
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