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08.10.2006
 

DFB-Sieg gegen Georgien

Löw erhöht auf 19:0

Gleich vier Neulinge brachte Bundestrainer Joachim Löw im Testspiel der Nationalelf gegen Georgien, viele Stars wurden geschont. Der offensiven Spielweise tat dies keinen Abbruch. Dennoch bleibt vor dem EM-Qualifikationsspiel am Mittwoch gegen die Slowakei noch viel zu tun.

Das Mannschaftsfoto wird unter Sammlern als Rarität gehandelt werden. Bundestrainer Löw nutzte den Test gegen Georgien als Debütantenball und Reservistenübung. So war es nicht verwunderlich, dass die deutsche B-Elf beim 2:0 (1:0) von Rostock nicht glänzte. Zu groß waren die Abwehrprobleme bei der Generalprobe für das Spiel gegen die Slowakei in Bratislava. Doch immerhin bot der zweite Anzug von Löw den 28.000 Zuschauer im Ostseestadion frischen Offensivfußball.

Vier Neue - den Hamburger Mittelfeldspieler Piotr Trochowski, 22, und den Bremer Clemens Fritz, 25, in der Startformation sowie den Aachener Jan Schlaudraff, 23, und den Wolfsburger Alexander Madlung, 24, als Einwechselspieler - hatte Löw auf den Platz geschickt. Schließlich kam auch noch der Berliner Malik Fathi, 22, zu seinem zweiten Einsatz.

Nachdem der Bundestrainer seine Siegesserie mit 17:0 Toren gegen Schweden, Irland und San Marino mit einer jeweils fast identischen Elf erzielt hatte, machte er in Rostock einen radikalen Schnitt. Bernd Schneider, Torsten Frings, Philipp Lahm und Miroslav Klose schauten der Rasselbande interessiert von der Ersatzbank aus zu. Jens Lehmann stand nicht einmal im Aufgebot. Da sieben weitere WM-Teilnehmer wegen Verletzungen fehlten, stellte Löw Timo Hildebrand, Thomas Hitzlsperger, Mike Hanke und David Odonkor auf. "Das Spiel stand unter dem Aspekt Chance und Verantwortung. Einige sollten sich einmal präsentieren, andere zeigen, dass sie führen können", sagte Löw.

Seine Chance genutzt hat Rechtsverteidiger Fritz. Er machte seine Sache ordentlich und empfahl sich für den freien Abwehrplatz in Bratislava. Trochowski war enorm agil, verhaspelte sich aber oft. Stürmer Schlaudraff zeigte gute Ansätze, Madlungs Sieben-Minuten-Einsatz in der Abwehr war nicht zu bewerten. Von den WM-Reservisten machte Odonkor die beste Figur, auch Hanke empfahl sich als Alternative zu Klose/Podolski.

Schweinsteiger und Ballack die Besten

"Das hat richtig Spaß gemacht mit den vielen Jungen", sagte Bastian Schweinsteiger - mit 22 Jahren noch deutlich unter dem Durchschnittsalter der DFB-Kicker von 24,3 Jahren in Rostock. Doch trotz seiner Jugend ist Schweinsteiger in der Nationalelf, das bewies er gestern eindrucksvoll, zum Führungsspieler gereift. Kein anderer Spieler hat unter der Leitung von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann und nun unter der Regie von Löw so oft gespielt wie er: In 38 Länderspielen seit August 2004 kam Schweinsteiger 35 Mal zum Einsatz. "Ich versuche schon, mich in die Verantwortung zu schieben. Nicht durch Sprüche in den Medien oder außerhalb vom Platz, sondern durch Leistung. Ich nehme das gerne an", erklärte Schweinsteiger.

Der Mittelfeldspieler war es auch, der mit seinem Tor die DFB-Auswahl in Führung brachte (24.). Sein Schuss aus 25 Metern erinnerte stark an seinen fulminanten Treffer zum 3:1 im Spiel um Platz drei bei der WM gegen Portugal. Der neben Schweinsteiger beste Mann auf dem Platz, Kapitän Michael Ballack, schoss seinen zweiten Treffer (67.) seit dem Testspiel gegen Kolumbien am 2. Juni.

Ein Akteur enttäuschte die deutschen Fans vollends: Stürmer Lukas Podolski sah in der 48. Minute die Rote Karte. Er hatte gegen Zurab Khisanishwili nachgetreten. Der Bayern-Stürmer bemühte sich nicht um Ausreden nach seinem ersten Platzverweis: "Mir sind die Sicherungen durchgebrannt. Das darf nicht passieren. Es tut mir leid." Eine Sperre für die Partie in der Slowakei droht Podolski aber nicht, die Rote Karte wird nicht auf die EM-Qualifikation übertragen. Auch die Gäste mit dem deutschen Coach Klaus Toppmöller beendeten die Partie nur mit zehn Mann. Khisanishwili sah nach dem Foul an Podolski Gelb. In der 63. Minute wurde er nach einem weiteren Tritt gegen Mike Hanke mit Gelb-Rot vom Platz gestellt.

Für kleinere Sorgenfalten dürften bei Löw die Stuttgarter Hitzlsperger und Hildebrand gesorgt haben. Hitzelsperger bewies erneut, dass er als Linksverteidiger unbrauchbar ist. Hildebrand hatte einige Unsicherheiten, er kann offenbar mit dem von Löw entzündeten Konkurrenzkampf um die Nummer zwei im deutschen Tor nicht umgehen.

Die größten Bedenken löste allerdings die Innenverteidigung mit Arne und Manuel Friedrich aus. Die beiden hatten zuletzt gut harmoniert, gegen die Georgier passte die Abstimmung aber nicht mehr. "Daran müssen wir vor dem Spiel in der Slowakei noch arbeiten", sagte Löw. Der kommende Gegner mit den Nürnbergern Marek Mintal und Robert Vittek dürfte wesentlich gefährlicher sein als Georgien. Beleg dafür: Gestern siegte das Team in Wales - 5:1.

Deutschland - Georgien 2:0 (1:0)
1:0 Schweinsteiger (24.)
2:0 Ballack (67.)
Deutschland: Hildebrand - Fritz, Arne Friedrich, Manuel Friedrich (84. Madlung), Hitzlsperger (76. Fathi) - Odonkor, Ballack, Trochowski (76. Frings), Schweinsteiger - Hanke (65. Schlaudraff), Podolski
Georgien: Lomaia - Ghwinianidse (73. Chisaneischwili), Chisanischwili, Kaladse, Kwirkwelia (79. Gigiadse) - Menteschaschwili (79. Aladaschwili), Kankawa, Kobiaschwili, Zkitischwili (58. Gogua) - Demetradse (83. Modebadse), Martswaladse (63. Iaschwili)
Schiedsrichter: Lehner (Österreich)
Zuschauer: 28.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Zkitischwili, Menteschaschwili
Gelb-Rote Karte: - / Chisanischwili (63.) wegen wiederholten Foulspiels
Rote Karte: Podolski (48.) wegen einer Tätlichkeit

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