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09.11.2006
 

VfL Bochum

Die Heimspiele des Grauens

Von Christoph Biermann, Bochum

Auswärts ist es doch am schönsten - denn auf fremden Plätzen gelingt es sogar dem VfL Bochum, Fußball zu spielen. Im eigenen Stadion dagegen verliert das Team auf eine derart desaströse Art und Weise, dass es schon vom gegnerischen Trainer getröstet werden muss.

Es war gut, dass Michael Skibbe das noch einmal sagte. Schließlich hätte man meinen können, dass die Welt aus den Fugen geraten war. Drei Heimniederlagen und ein Remis auf den anderen Plätzen waren am späten Mittwoch Abend im Bochumer Stadion verlesen worden, während sich die Gastgeber nach der fünften Heimniederlage im sechsten Spiel sowieso fragten, ob sie langsam nicht von einem Heimnachteil sprechen sollten. Doch der Trainer von Bayer Leverkusen sagte beruhigend: "Man hat zu Hause immer einen Vorteil."

Bochumer Spieler: Zu allen Fehlern in der Lage
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AP

Bochumer Spieler: Zu allen Fehlern in der Lage

Das mag in der restlichen Fußballwelt gelten, nur sicher nicht für den elften Spieltag der Bundesliga mit sechs Heimniederlagen in neun Spielen. Vor allem aber galt die Regel nicht für den VfL Bochum, der mit seiner 1:3-Niederlage gegen die von Skibbe betreuten Leverkusener einen traurigen Rekord entschlossen ausbaute. Abgesehen vom 1. FC Köln (der aber viel mehr Spiele ausgetragen hat) kommt kein Club in der Geschichte der Bundesliga auf so viele Pleiten daheim wie die Bochumer. Im rewirpower-Stadion, das einst Ruhrstadion hieß, ist, so könnte man meinen, die Heimniederlage zu Hause. Seit gestern sind es insgesamt 138, und nach den Eindrücken eines aus Bochumer Sicht gruseligen Abends dürfte dieser Rekord im Laufe der Saison fleißig ausgebaut werden.

"Wir haben einmal mehr nach einem guten Auswärtsspiel verpasst, zu Hause nachzulegen", sagte Marcel Koller. Eine Erklärung für dieses Problem von fast neurotischem Zuschnitt hatte der Bochumer Trainer jedoch nicht. Nach dem 0:6 daheim gegen Bremen hatte sein Team in Dortmund ein verdientes Remis geholt. Nach dem anschließenden 0:1 gegen Wolfsburg hatte es in Hannover sogar gewonnen, auch das verdient. Nun gab es das 1:3 gegen Leverkusen, und fast könnte man witzeln, dass sich Hertha BSC am kommenden Samstag aber mal warm anziehen sollte, wenn der VfL nach Berlin reist. Zu Hause spielten die Bochumer so erbarmungswürdig, dass dem völlig gelähmten Publikum sogar die Energie fehlte, die Mannschaft zu beschimpfen oder die Entlassung des Trainers zu fordern.

Das Spiel war eine glatte Start-Ziel-Niederlage für Kollers Spieler. "Sie kommen auf den Platz und fallen in Panik", stellte der Coach fest. Eine Halbzeit lang machte seine Mannschaft so viel falsch, dass sich Bayer wie beim Freundschaftsspiel auf dem Dorf vorkommen musste. Nur der höfliche Herr Skibbe war der Ansicht, dass es "so schwer war, wie es in der Bundesliga immer ist." Wohl kaum. Welches Problem man sich im Fußball auch vorstellen möchte, der VfL Bochum hatte es. Und man wunderte sich, zu welchen Fehlern Leute in der Lage sind, die Fußball beruflich betreiben.

Als kurz nach der Pause Ivo Ilicevic per Freistoß den 1:2-Anschlusstreffer erzielte und vier Minuten später auch noch der ehemalige Bochumer Paul Freier zu Unrecht vom Platz gestellt wurde, offenbarte sich das ganze Drama der Heimentnervten. Der anschließende Sturm und Drang hätte nicht einmal eine Pusteblume verweht. Gefährlicher blieben die Gäste aus Leverkusen und erzielten dann auch das dritte Tor.

"Wir fühlen uns auswärts wohler", sagte Torwart Alexander Bade. Sollte das nun in der revolutionären Forderung der Bochumer gipfeln, auf die Heimspiele des Grauens zu verzichten? Oder müssen die Bochumer nur den Fluch der frühen Tore auf ihre Seite bringen? "Schwierig wird es daheim immer, wenn man früh in Rückstand gerät", erklärte Skibbe, der Verständnisvolle. So war es Bochum gegen sein Team in der siebten Minute ergangen. Oder auf den anderen Plätzen des Abends den Gladbachern gegen Schalke nach zehn Minuten und Cottbus gegen Frankfurt nach 20 Minuten. "Auch in Hannover hat man gesehen, dass der Gegner verunsichert war, als wir dort schon früh in Führung gegangen sind", sagte Bochums Verteidiger Marcel Maltritz. Andererseits: Gegen Bielefeld hatte seine Mannschaft einen Rückstand noch zum Sieg gedreht, und in Aachen eine Führung verspielt. Gegen Bayern hatten sie zwischendurch ausgeglichen und schließlich verloren. Vielleicht liegt der Schlüssel doch nicht bei den frühen Toren.

Wahrscheinlich hatten jene Fans Recht, die nach dem Spiel am Parkplatz erregt mit Bochums Mannschaftskapitän Thomas Zdebel und mit Stefan Kuntz diskutierten. Sie warfen dem Bochumer Manager unter anderem vor, dass die Mannschaft nicht bundesligatauglich sei. Das war der fünffache Absteiger auch in der Vergangenheit öfter mal nicht gewesen, und das ist auch der Grund für einen Bundesliga-Heimniederlagenrekord, der aller Voraussicht nach jedoch in der kommenden Saison nicht ausgebaut werden kann. Weil der VfL dann mal wieder eine Klasse tiefer kickt.

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