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12.11.2006
 

Oberligafußball im Osten

Rassismus, Randale, Spielabbruch

Von Mike Glindmeier und Alasdair Thompson

Wieder ein Skandalspiel im ostdeutschen Fußball: Bei der Oberligapartie Zwickau gegen Chemnitz gab es rassistische Übergriffe und Randale. Zuschauer beschimpften dunkelhäutige Spieler und feuerten Leuchtspurmunition ab. In Plauen hagelte es Flaschen auf Polizisten.

Schon auf dem Weg vom Zwickauer Hauptbahnhof zum Stadion kündigte sich an, dass Gäste hier nicht sonderlich erwünscht sind. Besonders nicht, wenn Sie aus Chemnitz oder aus anderen Ländern kommen. Auf Stromkästen und an Laternenmasten prangten selbstgemalte Aufkleber der FSV-Anhänger: "Zigeuner-CFC" oder "Scheiß Chemnitzer" war auf den Stickern zu lesen. Ein bitterer Vorgeschmack auf das, was später im Stadion folgen sollte.

Polizei, Randalierer in Zwickau: "Hirnverbrannt"
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DPA

Polizei, Randalierer in Zwickau: "Hirnverbrannt"

Zwickau gegen Chemnitz - ein Oberliga-Duell mit Tradition. Allerdings nicht nur, was die sportliche Rivalität betrifft. Rassisten gaben den Ton an: Die dunkelhäutigen Spieler der Gäste wurden von einigen Zwickau-Anhängern mit Affenlauten beschimpft. Aber der Stadionsprecher machte keinerlei Anstalten, die für jeden hörbaren Schmähungen zu unterbinden.

"Gerade in der ersten Halbzeit ist unser dunkelhäutiger Spieler Gerard Sambou immer wieder lautstark beschimpft worden. Die Zwickau-Fans haben 'Uh-uh-uh' gerufen und keiner hat versucht, dem ein Ende zu setzen", sagte der Chemnitzer Mittelfeldspieler Semir Devoli zu SPIEGEL ONLINE. "Auch als sich unsere Ersatzspieler Yakubu Adamu und Bakary Sinaba aufgewärmt haben, wurden sie immer wieder übel vom Zwickauer Publikum beleidigt", so Devoli: "Das hat mit Menschlichkeit nichts mehr zu tun, da bekomme ich einfach nur noch Ekel."

"Wie im Krieg"

Umso energischer Griff der Sprecher nach 50 Spielminuten ein, als wiederholt Feuerwerkskörper auf den Platz flogen. Im Wiederholungsfall könne das Spiel abgebrochen werden, warnte der Stadionsprecher, ohne dabei zu erwähnen, dass rassistische Sprechchöre noch weitaus schlimmere Folgen wie Zwangsabstieg für den Verein haben könnten. Schiedsrichter Oliver Mattig pfiff nach der kurzen Unterbrechung dann gutgläubig wieder an - eine Fehlentscheidung.

Denn in der 70. Minute rasteten die Fans erneut aus. Mattig unterbrach erneut, schickte die Akteure in die Kabine und beratschlagte während der minutenlangen Pause sein weiteres Vorgehen mit der Polizei. Nach 15-minütiger Unterbrechung wurde das Spiel in Absprache mit den Einsatzkräften fortgesetzt. "Das war wie im Krieg, mir schossen sofort die übelsten Erinnerungen in den Kopf", sagt Devoli, der aus dem ehemaligen jugoslawischen Kriegsgebiet Bosnien-Herzegowina stammt.

Offenbar waren sowohl der Verband als auch die Polizei auf dieses Szenario vorbereitet. "Es war mit Schiedsrichter und Schiedsrichter-Beobachter Adolf Prokop abgesprochen, dass bei Störungen, die eine Spielunterbrechung erforderlich machen, die Mannschaften in die Kabine geführt werden", sagte der zur Spielaufsicht eingesetzte Bernd Stumpf vom Nordostdeutschen Fußballverband (NOFV). Immerhin soll Prokop die rassistischen Vorfälle im Spielbericht festgehalten haben, wohl nicht zuletzt, weil sich CFC-Verantwortliche über die Anfeindungen beschwert hatten.

Rücktritt in der "Sportschau"

Immerhin übernahm der Präsident des FSV Zwickau, Volker Seifert, Verantwortung und tadelte das Verhalten der eigenen Anhänger vor einem Millionenpublikum, als er in der "Sportschau" unter Tränen seinen Rücktritt erklärte. "Ich kann es nicht fassen, dass man von den eigenen Fans abgeschossen wird. So etwas kann ich nicht mittragen", erklärte Seifert: "Wir wussten doch alle, dass wir als Verein unter Beobachtung stehen. Es wird harte Strafen geben. Einige Fans haben den eigenen Verein mit Füßen getreten." Die Zwickauer müssen nun mit drastischen Sanktionen durch den Sächsischen Fußball-Verband (SFA) und den NOFV rechnen, weil sie als Wiederholungstäter gelten und unter Beobachtung stehen.

Toralf Wagner, Verwaltungsratschef der Zwickauer, sprach von einer "Katastrophe" und "Hirnverbrannten". Die Täter müssten dingfest und persönlich haftbar gemacht werden. Marcus Stapke, Mitglied im Verwaltungsrat und Fanprojekt, sieht ein "gewisses Potenzial an Leuten, die man nicht kennt und die sich bewusst solche Spiele raussuchen, um ihren Käse dort zu verzapfen". Grundsätzlich aber hält er Sicherheitsprobleme in dem alten Stadion für nicht vermeidbar.

Das direkte Nebeneinander der rivalisierenden Gruppen wäre allerdings zu verhindern gewesen. Der eigentliche Gästeblock, ein ganzes Stück entfernt, war aber gesperrt. Nach Sanierungsarbeiten hatte das Bauordnungsamt diesen Bereich nicht rechtzeitig vor dem traditionell höchst brisanten Sachsen-Derby freigegeben. Das dürfte besonders den DFB ärgern.

Denn die Stadionsicherheit war einer der zentralen Punkte, der Task Force des DFB und der DFL, die vor knapp 14 Tagen gegründet wurde. Künftig wolle man noch mehr auf die baulichen Sicherheitsrichtlinien in Stadien achten, lautete die Ankündigung. Vereine, die in Arenen mit mangelnder Infrastruktur spielten, müssten um ihre Ligazugehörigkeit bangen. "Es kann dann passieren, dass Vereine, die sportlich qualifiziert sind, trotzdem nicht aufsteigen", hatte DFB-Präsident Theo Zwanziger angekündigt.

An Arbeit mangelt es der schnellen Eingreiftruppe, die gegründet worden war, um kurz- und langfristige Maßnahmen gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit zu entwickeln, offenbar nicht. Erst am Freitag war es nach dem Oberliga-Spiel VFC Plauen-FC Sachsen Leipzig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Leipziger Anhängern und der Polizei gekommen.

Laut Polizeibericht wurden vier Beamte unter anderem durch Flaschenwürfe leicht verletzt, eine Polizistin musste ins Krankenhaus gebracht werden. Sieben Personen wurden vorläufig festgenommen. Gegen sie wurden Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sowie gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.

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11.12.2008 von Justitia:

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