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12.12.2006
 

Schwule Fußballer

"Ein Outing wäre mein Tod"

Von Oliver Lück und Rainer Schäfer

Sie müssen sich verleugnen - vor dem Trainer, der Mannschaft, dem eigenen Umfeld. Im Fußball sind Schwule bis heute das größte Tabu. Von Toleranz keine Spur: Dem Magazin RUND offenbaren sich einige Spieler. "Natürlich fühle ich mich beschissen. Auch meine Frau weiß nichts davon."

Enver (Name geändert; die Red.) hat aufgegeben. Der homosexuelle Fußballprofi, der RUND vor zwei Jahren von seinem verdeckten und angsterfüllten Leben in Deutschland erzählt hatte, spielt nicht mehr in der Bundesliga. Viel zu selten hatte Enver seine enormen fußballerischen Fähigkeiten zeigen können, ständig gehetzt und hin- und hergerissen, seine Homosexualität ausleben, aber auch seinem Club keine Schande machen zu wollen. Deprimiert hat er das Land verlassen, das ihm zwar Wohlstand ermöglichte, ihm aber nie das Gefühl verlieh, so leben zu können, wie er wollte: als Mann, der Männer liebt. Denn das ist noch immer das größtmögliche Tabu im schwulenfeindlichen Fußball, in dem es eher möglich erscheint, dass Männer und Frauen gemeinsam in einem Team antreten, als dass ein bekennender Schwuler in einer professionellen Mannschaft akzeptiert wird.

Schicksale wie Envers sind im deutschen Fußball keine Ausnahme, obwohl es in der offiziellen Lebens- und Denkweise keine Schwulen im harten Männersport geben darf. Oder geben kann – eine beliebte Theorie besagt, dass schwule Fußballer von sich aus aufgeben, weil sie sich nicht zurechtfinden in einer Welt, in der "warme Brüder" nicht existieren können. Ein Irrtum, bei manchen ist die Liebe zum Fußball noch größer als die Unsicherheit, wie sie mit ihrer verpönten sexuellen Orientierung zurechtkommen könnten.

RUND sind namentlich drei homosexuelle Spieler aus der Ersten und Zweiten Bundesliga bekannt. Doch Namen können und sollen hier nicht genannt werden. Solange im Fußball derart hasserfüllt und verachtend über seine "Schwuchteln" geredet wird, ist die Gefahr zu groß, wenn jemand gegen seinen Willen öffentlich geoutet wird. Daher verhalten sie sich so unauffällig, wie es die Verbände, meisten Clubs und Fußballer wünschen: als quasi nicht existent. Von einem Sportpsychologen, der ebenfalls ungenannt bleibt, werden seit Jahren homosexuelle Fußballprofis beraten. Hierzu gehören auch Spieler, die zweifelsohne zu den besten in Deutschland zählen.

"Ich weiß aus meiner Beratungsarbeit, dass diese Spieler für sich nur die Wahl sehen, ein Versteckspiel zu führen und ihre Homosexualität zu vertuschen, vor dem Trainer, der Mannschaft und dem eigenen Management. Das stellt eine erhebliche psychosoziale Belastung dar. Das kann der Anlass sein, weshalb jemand zu mir kommt", verdeutlicht der Psychologe. Dabei musste in 43 Jahren Bundesliga keiner der heterosexuellen Kollegen mit dem Arsch zur Wand duschen, aus Angst, dass er ungewollt penetriert wird, wie eines der beliebtesten Klischees besagt.

Jubelnde Fußballer: Alltag in den Stadien
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REUTERS

Jubelnde Fußballer: Alltag in den Stadien

"Da werden alle Ängste vor Schwulen mobilisiert, die man sich vorstellen kann - und die verbieten es, sich dem Thema zu stellen", sagt die Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling, die über "Homosexualität im Sport" habilitiert. Das Bild des sexuell gierenden Schwulen, immer bereit, einen der Kollegen in den weiträumigen Funktionsräumen der Stadien zu vernaschen, ist eine bittere Parodie auf die wirklichen Lebensumstände. Während ein Coming-out in anderen Gesellschaftskreisen längst nebensächlich zur Kenntnis genommen wird und schwule Politiker oder Fernsehstars mit ihren Lebenspartnern ganz selbstverständlich auf Empfängen erscheinen, leben schwule Fußballer im Geheimen.

"Natürlich fühle ich mich beschissen. Auch meine Frau weiß nichts davon", versucht ein verzweifelter Zweitligaprofi seine absurden Lebensverhältnisse zu beschreiben. Offiziell ist er verheiratet, lebt aber schon seit seiner Jugend in einer festen Beziehung mit einem Schulfreund zusammen. "Aber was soll ich machen? Ein Outing wäre mein Tod." Der Erstligaprofi, der ebenfalls eine langjährige homosexuelle Partnerschaft führt, ist es leid, dass ihn eine eingeweihte Freundin zu den Mannschaftsabenden und Weihnachtsfeiern begleitet, um so den Eindruck zu erwecken, "normal" zu sein. "Die Notlügen und die Heimlichtuerei sind unglaublich belastend."

Scheinehen, zu denen auch Kinder gehören können, dienen dazu, das Leitbild des potenten und heterosexuellen Fußballprofis aufrecht zu erhalten. Dass ein Spieler unter diesen Bedingungen selten seine bestmögliche Leistung erbringen kann, liege auf der Hand, weiß der Sportpsychologe. "Es ist eine kontinuierliche Problemlage, es geht nur darum, unter diesen Lebensumständen halbwegs zurechtzukommen. Es sind auch keine Einzelfälle, es sind ungefähr so viele Spieler wie es statistisch von der Gesamtbevölkerung her naheliegt." Der Anteil homosexueller Menschen dürfte bei über zehn Prozent liegen.

Verängstigt und anonym bewegen sich schwule Profis häufig in Kontaktbörsen und Gay-Chats durchs Internet, wo Penislängen, Rollenwünsche beim Sex und Fetischvorlieben gleich im Dutzend feilgeboten werden. Diese virtuellen Discounter der sexuellen Wünsche und Sonderwünsche seien zwar "kein wirklich gemütlicher Ort", wie ein schwuler Bundesligaspieler verrät, "für mich aber die einzige Möglichkeit, andere Männer anonym kennen zu lernen und vielleicht auch treffen zu können". Dabei versuche er, seinen Chatpartner vorher möglichst "auszufragen", etwa ob sich dieser für Fußball interessiere und ihn womöglich erkennen könnte. Ein Restrisiko bleibt jedoch immer: "Jeden Moment setze ich meine Karriere aufs Spiel."

Lesen Sie morgen im zweiten Teil der Serie, wie panisch mancher Fußballprofi reagiert, wenn er als schwuler Kicker verdächtigt wird.

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16.09.2009 von Justitia:

Ehrlich, das meine ich? Das wußte ich noch gar nicht, daß ich dies meine. Wo habe ich denn dies geschrieben? Die Nichtexistenz ist längst widerlegt, vielleicht kommt dies irgendwann bei Ihnen auch noch an. Doch, gerade [...] mehr...

16.09.2009 von Schwabenpower:

Es wird doch keiner zum Fußball-Profidasein gezwungen. Weder der Hetero noch der Homo. Es ist schlimm, dass noch immer in manchen Köpfen die Vorstellung vorherrscht, es handele sich bei Homosexualität um eine Krankheit oder [...] mehr...

16.09.2009 von Faust27:

So, wie ich glaube, dass es keine Einzelfälle sind, dass Diskreminierung wegen verschiedenster Aspekte (Geschlecht, Herkunft, sexuelle Ausrichtung) nach wie vor stattfindet, so glaube ich auch nicht, dass es nur wenig tolerante [...] mehr...

16.09.2009 von Crom:

Kennen Sie diese denn? Sie stellen sich doch hier als allwissend hin und meinten, die vielen schwulen Fußballer sollten sich mal outen. ---Zitat--- Ihre Reaktion ist typisch dafür, wenn man für seine Behauptung noch nicht mal [...] mehr...

16.09.2009 von Dylan1941:

Es gibt auch heute noch welche die meinen Frauen gehören an den Herd. Es gibt auch heute noch Leute die halten das Gebrabbel von alten Männern in Rom als Gottes Wort und verteufeln Kondome etc. mehr...

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