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23.01.2007
 

Neue Niere

Klasnics Kampf gegen den Körper

Von Pavo Prskalo

Ivan Klasnic steht vor einer schweren Operation: Der Stürmer von Werder Bremen leidet an einer Nierenunterfunktion und muss sich einer Transplantation unterziehen. Dass Klasnic danach wieder Profifußball spielen kann, ist wahrscheinlich. Ob er seine alte Form findet, dagegen offen.

Hamburg - "Beide Nieren sind betroffen. Vor zehn Tagen haben die Ärzte festgestellt, dass die Unterfunktion durch Medikamente nicht mehr zu stoppen ist", sagte Klasnics Anwalt Klaus-Peter Horndasch zu SPIEGEL ONLINE. Seit heute befinde sich sein Mandant in einem deutschen Krankenhaus zur Vorbereitung der Transplantation, so der Anwalt. Wo genau der Eingriff stattfindet, ließ Horndasch offen, ebenso, woher genau die neue Niere stammt. Der Spender komme aber aus dem näheren Bekanntenkreis von Klasnic. Die Ethikkommission, deren Zustimmung bei einer Lebendtransplanation in Deutschland notwendig ist, habe bereits grünes Licht gegeben, so Horndasch. Für die Niere eines Verstorbenen beträgt die Wartzeit hingegen rund fünf Jahre.

Bremen-Stürmer Klasnic: Nierentransplantation nötig
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AP

Bremen-Stürmer Klasnic: Nierentransplantation nötig

Die Nierenprobleme Klasnics waren erstmals bei seiner Blinddarm-Operation Anfang November 2005 aufgefallen. In der laufenden Bundesliga-Spielzeit kam er lediglich auf zwölf Einsätze (ein Tor).

Dass der 26-Jährige wieder Leistungssport betreiben kann, ist wahrscheinlich, keinesfalls aber sicher. Eine Niere reiche für diese Beanspruchungen zwar völlig aus, erklärt Markus Büchler, Leiter des Transplantationszentrums Heidelberg, SPIEGEL ONLINE. Doch bestehe ein Restrisiko, dass die Niere abgestoßen werde. Büchler beziffert dies mit "zehn Prozent". "Dann muss der Erkrankte dreimal in der Woche zur Blutwäsche. Leistungssport halte ich dann kaum noch für möglich". Wenn der Eingriff gut gehe, brauche der Körper rund vier bis zwölf Wochen, um zu seiner alten Leistungsfähigkeit zu kommen, so der Heidelberger Professor: "Allerdings muss der Patient dann lebenslang Medikamente einnehmen, um eine Abstoßung zu verhindern."

Für Professor Jochen Ehrich von der Medizinischen Hochschuhe Hannover sind die konkreten Folgen eines Eingriffs "nicht vorhersehbar". Ähnlich sieht dies auch Rolf Stahl von der Klinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Es sei "sehr schwer" zu sagen, ob ein Profifußballer zu einstiger Form zurückfinden könne. "Die Grunderkrankung ist ausschlaggebend. Handelt es sich um eine isolierte Nierenerkrankung, stehen die Chancen bei jungen Menschen gut", sagt der Professor. Eine neue Niere werde in die Leiste transplantiert, erklärt Stahl SPIEGEL ONLINE. "Fußball ist eine kämpferische Sportart. Was passiert, wenn der Spieler den Ball mit voller Wucht auf den Bauch bekommt, ist offen", so Stahl.

Vertragsgespräche erst bei Genesung

Unklar ist ebenfalls, wie es mit Klasnic nach der aktuellen Saison weitergeht. Sein Vertrag bei Werder Bremen läuft aus. Sportdirektor Klaus Allofs hat mit dem Schweden Markus Rosenberg (Ajax Amsterdam) bereits einen Nachfolger im Visier und kündigte an, Gespräche über eine Vertragsverlängerung Klasnics erst zu führen, wenn der Spieler gesund sei. Jedoch versichterte Allofs seinem Schützling "jegliche Unterstützung von unserer Seite". In der Vergangenheit hatte auch der Hamburger SV Interesse an einer Verpflichtung von Klasnic gezeigt.

Spielerberater Reza Fazeli, der unter anderem die Bundesliga-Profis Yildiray Bastürk (Hertha BSC Berlin) und Ali Karimi (FC Bayern München) betreut, ist überzeugt davon, dass Klasnic weiterhin ein gefragter Spieler ist. "Interessierte Vereine werden ihm deswegen nicht absagen", sagt Fazeli SPIEGEL ONLINE. Dennoch sei die Ausgangsposition für Verhandlungen nun nicht mehr die gleiche: "Klasnic hat in den vergangenen sechs Monaten kaum gespielt. So wie ich Werder Bremen aber einschätze, werden sie ihm einen Vertrag zu den gleichen Konditionen anbieten."

Dass man trotz einer Nierentransplantation noch weiterhin erfolgreich Profisport betreiben kann, zeigt Basketballer Alonzo Mourning. Der 2,08 Meter große Center musste sich im Dezember 2003 einem Eingriff unterziehen, die Niere seines Cousins wurde ihm transplantiert. Zuvor hatte er eine ganze Saison wegen ärztlichen Trainingsverbots aussetzen müssen. Mourning kam zurück, und konnte im vergangenen Jahr sogar mit den Miami Heat den Meistertitel in der amerikanischen Profiliga NBA feiern. Seine statistischen Werte sind seit der Operation aber rückläufig. Kam er 2001/2002 noch auf 15,7 Punkte im Schnitt, waren es zwei Jahre später noch 8,0 Punkte. In der aktuellen NBA-Saison kommt der 35-Jährige auf durchschnittlich 10,0 Zähler. Klasnic erzielte in seiner erfolgreichsten Saison (2005/2006) 15 Treffer. Ein Maßstab für mögliche kommende Auftritte des Angreifers sollte dies zunächst nicht sein.

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