Nyon - Wegen der "Pinkel-Affäre" im Anschluss an das Achtelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid verurteilte die Disziplinar-Kommission der Europäischen Fußball-Union (Uefa) Kahn zu einem Spiel Sperre und einer Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 12.339 Euro. Dagegen kam der ebenfalls angeklagte Brasilianer Lucio mit einer Geldstrafe von umgerechnet rund 6000 Euro davon.
Bayern-Torhüter Kahn: Über das Ziel hinausgeschossen
Über eine mögliche Berufung soll nun am Montag entschieden werden. Der FC Bayern hat für den Einspruch bei der Uefa offiziell drei Tage Zeit.
Kahn hatte sich zuvor für sein Verhalten nach der Champions-League-Partie gegen Real Madrid entschuldigt: "Es war nicht okay, wie ich meinen spontanen Frust rausgelassen habe. Es tut mir leid. Ich möchte mich beim Dopingarzt entschuldigen." Kahn und Lucio sollen mit Doping-Arzt Dr. Franz Krösslhuber aneinandergeraten sein. Der Österreicher ließ ihre Urin-Probe wiederholen, weil er die Abgabe der ersten Probe, die die Spieler nach zwei Stunden mühsam abgegeben hatten, nicht beobachtet hatte. Daraufhin habe Kahn seinem Frust freien Lauf gelassen. Kahn sagte, er sei müde, sauer und genervt gewesen. Von einer Sperre war er fälschlicherweise allerdings nicht ausgegangen: "Ich habe jetzt über 100 Champions-League-Spiele gemacht und mir nie etwas zu Schulden kommen lassen. Also gehe ich davon aus, dass ich spiele."
Für Kahn wird Ersatztorhüter Michael Rensing das Bayern-Tor hüten müssen. Der 22-Jährige hat bislang erst ein Champions-League-Spiel bestritten, das aber ausgerechnet auch gegen den AC Mailand. Beim 1:1 im Achtelfinal-Hinspiel der vergangenen Saison hatte Rensing in der heimischen Allianz Arena als Ersatz für den damals verletzten Kahn eine starke Leistung gezeigt.
Mittelfeldmann Hasan Salihamidzic sagte: "Das ist natürlich ein Riesenschock für uns. So etwas hat es im Fußball mit Sicherheit noch nicht gegeben." Kahns ehemaliger Teamkollege Markus Babbel, jetzt beim VfB Stuttgart aktiv, sprach in der DSF-Sendung "Bundesliga aktuell" von einem "Skandal, eine Geldstrafe hätte ausgereicht". Auch BVB-Trainer Thomas Doll zeigte im DSF sein Unverständnis: "Diese Entscheidung tut schon weh."
Kahns Münchner Torwart-Trainer Sepp Maier nahm bei "Sport Bild online" wie gewohnt kein Blatt vor den Mund: "Typisch Uefa, eigenmächtiges Entscheiden. Für so eine Lappalie gesperrt zu werdem - unglaublich", sagte Maier: "Dann müssten ja die Spieler von Inter und Valencia, die sich nach dem Achtelfinale gerauft haben, lebenslang gesperrt werden. Sonst wäre keine Verhältnismäßigkeit gewahrt." Der Weltmeister von 1974 versprach aber: "Deswegen wird Bayern nicht ausscheiden. Wir kommen weiter, die Uefa kann uns nicht stoppen."
fpf/sid/dpa
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