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30.03.2007
 

Trainer-Veteran Finke

Brutaler Abschied in Freiburg

Von Christoph Biermann

Ein bizarrer Streit zwischen Trainer und Präsidium gefährdet nicht nur den Aufstieg des SC Freiburg in die Bundesliga. Er wirft auch die Frage auf, ob aus dem einst "anderen" Club nun ein sturznormaler Verein wird.

Wenn man gerade glaubt, dass in der Welt des Fußballs der Vorrat an bizarren Situationen eigentlich verbraucht sein müsste, kommt meistens schon die nächste absurde Entwicklung daher. So wird Benno Möhlmann vielleicht die Spvgg Greuther Fürth erstmals in ihrer Vereinsgeschichte in die Bundesliga führen, aber in der nächsten Saison den designierten Absteiger Eintracht Braunschweig in der Regionalliga übernehmen. Auch Volker Finke ist mit dem SC Freiburg auf einem guten Weg zurück in die Bundesliga, doch betreuen wird den möglichen Aufsteiger in der kommenden Spielzeit ein Mann namens Robin Dutt. Der war in seiner bisherigen Trainerkarriere mit den Stuttgarters Kickers zweimal Neunter und einmal Achter der Regionalliga Süd.

Freiburg-Trainer Finke: Der Verlust der Identität ist die größte Gefahr
Getty Images

Freiburg-Trainer Finke: Der Verlust der Identität ist die größte Gefahr

Um zu verstehen, wie das passieren konnte, muss man zum Beginn der Saison zurückschauen. Damals raunten sich Freiburger Insider zu, dass es beim Sportclub lange keine so vielversprechende Mannschaft gegeben habe. Man konnte das zu Saisonbeginn sogar sehen, aber das Team verlor zunächst aufgrund von fragwürdigen Schiedsrichterentscheidungen und schlichtem Pech einige Punkte. Dann begann es schlecht zu spielen, und als es zum Ende der Hinrunde ein 0:4 daheim gegen den badischen Rivalen aus Karlsruhe setzte, drohte plötzlich sogar der Abstieg.

In dieser Zeit kam vieles an die Oberfläche, was im Club lange tief verborgen gegärt hatte. Denn so kuschelig, wie man sich das oft vorgestellt hatte, war es in Freiburg nie zugegangen. Pädagogisch geschickt und moralisch integer war Volker Finke zumeist mit seinen Spielern umgegangen, die Verantwortlichen des Clubs dagegen hatten ihn zumeist eher ruppig erlebt. Im 16. Jahr der Finke-Regentschaft sahen sie ihre Gelegenheit zum Aufstand gekommen. Angesichts der sportlichen Krise einigte man sich auf den Abgang des Trainers zum Saisonende. Und dann ging es los.

Nur: Plötzlich ging es wieder bergauf. Die Mannschaft gewann acht der vergangenen zehn Spiele, verlor keines, hat plötzlich nur einen Punkt Abstand zu einem Aufstiegsplatz und spielt so gut wie lange keine Freiburger Mannschaft mehr. Das zuvor Finke-müde Publikum entdeckt den Trainer wieder neu und die Mannschaft solidarisiert sich mit ihm. Nachdem Finkes Abschied auch ein Moment der Befreiung war (vielleicht sogar für ihn selbst), wurde die Situation mit jedem Erfolg absurder.

Um eine Wende in der Trainerfrage zu verhindern, verpflichte der Vorstand um Alt-Präsident Achim Stocker ohne Rücksprache mit dem Sportlichen Leiter Andreas Bornemann besagten Robin Dutt. Die Vereinsführung und der erboste Trainer grollen sich seitdem kaum noch verhohlen an. Die Chance auf einen glatten Übergang ins Post-Finke-Zeitalter ist längst vergeben. Plötzlich ist Breisgau brutal angesagt, und der SC Freiburg wirkt wie ein Club von vielen.

Wie sehr die Mannschaft davon beeindruckt ist, wird sich erweisen. Doch im Moment ist der Verlust der Identität vielleicht sogar die größere Gefahr für den Sportclub. Denn Finke hat nicht nur für den sportlichen Erfolg gesorgt, als er die Mannschaft in die Bundesliga und sogar in den Uefa-Cup führte. Er hat damit nicht nur die Voraussetzungen für verschiedene Ausbaustufen des Stadions und außergewöhnlich gute Trainingsanlagen geschaffen. Finke hat dem Club auch eine Idee von sich gegeben. Die Mannschaft bemüht sich auf dem Platz stets auch um schönen Kombinationsfußball, der Club mit seinem vorbildlichen Nachwuchszentrum ist inzwischen stetiger Produzent von Talenten. Mit dem ersten Solarstadion Deutschland gibt sich der Verein ökologisch, überhaupt war er so etwas wie das Alternativangebot im ansonsten streng ökonomischen orientierten Fußballgeschäft.

Was sich jedoch im Moment abspielt, gab es früher auf Kohle und nannte sich "Schalker Verhältnisse". Sollte die Mannschaft ihr sportliches Ziel trotz der Zerwürfnisse noch erreichen, würde man die Aufstiegsfeier aber erst recht gerne erleben. Denn wahrscheinlich wäre sie so zerdeppert wie das Geschirr auf einem Polterabend.

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