Hamburg - Sir Alex Ferguson hat viel erlebt in seinen 20 Jahren als Teammanager bei Manchester United. Der knorrige Schotte gewann 1999 in einem Herzschlag-Finale gegen Bayern München die Champions League, er sammelte etliche Meistertitel und Pokalsiege, aber nach dem 7:1 im Viertelfinal-Rückspiel gegen AS Rom musste er nach neuen Superlativen suchen: "Das war der größte Abend, den ich hier jemals hatte."
Am Ende hatte sein Team sieben Tore gegen die als abwehrstark bekannten Römer geschossen, eins schöner als das andere, dabei nur einen Gegentreffer zugelassen, der 1:2-Rückstand aus dem Hinspiel war pulverisiert. Es war der höchste Europapokal-Erfolg einer Mannschaft in einem Viertelfinale seit dem 8:0 von Real Madrid gegen Sevilla im Jahre 1958 und die größte Tordifferenz in einer Champions-League-Partie der K.o.-Runde. "Ich denke, heute haben wir gezeigt, dass die englischen Teams derzeit den besten Fußball in Europa spielen", sagte Ferguson.
Schon nach 20 Minuten waren sämtliche italienischen Halbfinalträume ausgeträumt. Mit überfallartigem Spiel hatte Manchester die Roma-Abwehr ausgehebelt, die Spielzüge liefen wie im Training, jeder Abschluss saß. Michael Carrick eröffnete nach elf Minuten den Torreigen, der seit anderthalb Jahren torlose Alain Smith legte fünf Minuten später nach, und der überragende Wayne Rooney traf in der 19. Minute zum 3:0.
"So ein Ergebnis erwartet man natürlich nicht", so Ferguson, "aber wir haben so stark gespielt, dass man nach den ersten Treffern merken konnte, dass da was Großes abläuft." Cristiano Ronaldo, derzeit einer der weltbesten Spieler, traf zweimal, Carrick legte noch ein Tor nach, und der siebte Streich des Abends blieb Einwechselspieler Patrice Evra vorbehalten. "Alles, was United an diesem Abend anfasste, wurde zu Gold", schrieb die "Times" heute. "Die einzige Überraschung war, dass ein Schuss von Rooney in der 55. Minute nicht reinging."
Zwischendurch tauchten auch die Gäste einmal aus dem Angriffswirbel Manchester auf, als Daniele de Rossi der Ehrentreffer gelang. Statt dem Halbfinale blieb für die Italiener nur Hohn und Spott übrig. Kein Viertelfinalist hatte vor dieser Partie eine statistisch bessere Abwehr aufzuweisen als Rom: Nur vier Treffer kassierte das Team in acht Champions-League-Partien in dieser Saison. Erklärungen für das Desaster? Fehlanzeige.
Stattdessen jubelt Manchester. Zwei Niederlagen in Rom und in Portsmouth hatte United zuletzt kassiert, Müdigkeit wollten viele Kritiker Fergusons Team deshalb unterstellen. Stattdessen trumpfte es auf und weckte Erinnerungen an die großen Zeiten des Clubs. "Die Vergleiche mit den 'Busby Babes' von 1958 oder den Champions von 1999 sind schwer zurückzuweisen nach diesem Abend", schrieb die "Times".
Nun wartet ManU auf den nächsten Gegner. Der heißt FC Bayern oder AC Mailand. "Egal, wer es wird, er wird sich auf jeden Fall mit dem noch gefährlichsten im Turnier verbliebenen Team auseinandersetzen müssen", so der "Mirror". Vor zwei Jahren scheiterte Manchester in der K.o.-Runde an Milan. "Damals waren Rooney und Ronaldo noch junge Spieler", so Ferguson. "Heute sind sie wie Männer aufgetreten."
Festnahmen bei Ausschreitungen vor dem Stadion
Überschattet wurde der Triumph nur von Ausschreitungen vor dem Stadion. 18 Festnahmen registrierte die englische Polizei bei Krawallen am Rande des Spiels. Bei den Auseinandersetzungen zwischen rund 100 rivalisierenden Fans aus beiden Lagern vor dem Stadion Old Trafford sowie den Sicherheitsbeamten wurde jedoch niemand ernsthaft verletzt. Die Polizei sprach von "kleineren Störungen durch eine kleine Gruppe von Fans". Man habe die Situation schnell unter Kontrolle gehabt.
Im Rahmen des Hinspiels, das Rom eine Woche zuvor mit 2:1 gewann, waren in der italienischen Hauptstadt bei Ausschreitungen insgesamt 20 Personen verletzt worden, darunter auch zwei englische Fans durch Messerstiche.
bri/sid
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Sport | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Fußball | RSS |
| alles zum Thema Champions League | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH