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12.04.2007
 

Bayern unterliegt Mailand

Same Pleite as every year

Von Jörg Schallenberg

Beim FC Bayern in der Champions League geht es zu wie bei "Dinner for one". Die Party ist zeitweise ganz lustig, endet aber jedes Jahr gleich: Spätestens im Viertelfinale gehen die Lichter aus. Schuld daran ist der Zauderkurs des Vereins.

Hamburg - War da was? Ein neuer Geist beim FC Bayern, mit dem sich Spiele gegen Giganten wie Real Madrid und den AC Mailand noch drehen lassen? Die Sonne, die aufgeht, sobald Ottmar Hitzfeld die Szene betritt - wie es Hasan Salihamidzic vor dem Viertelfinal-Rückspiel der Champions League so schön in einem Zeitungsinterview beschrieben hatte? Nein. Es muss wohl alles eine Illusion gewesen sein.

93 Minuten gegen ein alles andere als überragendes Team von Milan, das nicht viel mehr als Cleverness und Routine zu bieten hatte, zeigten eines: Beim FC Bayern ist alles so, wie es immer war, seit 2001 die Champions League gewonnen wurde. Jahr für Jahr spielt sich die einzige deutsche Mannschaft, die halbwegs so etwas wie europäisches Format besitzt, bis ins Achtel- oder Viertelfinale der Königsklasse, um sich dann dort kräftig vorführen zu lassen und geknickt aus der Arena zu schleichen.

2005 setzte es ein 2:4 in Chelsea, das ein gefühltes 1:6 war, im vergangenen Jahr ging man 1:4 in Mailand unter, und dieses Mal demonstrierte das Team von Ottmar Hitzfeld sogar im eigenen Stadion seine geballte Harmlosigkeit. Oberflächliche Gründe für die Niederlage ließen sich schnell finden.

Da wäre die Offensive, wenn man sie so nennen will. Die prächtigen Chancen, die Lukas Podolski in diesem Jahr schon vergeben hat, lassen wehmütige Erinnerungen an vergleichsweise treffsichere Bayern-Stürmer wie Alexander Zickler und Roland Wohlfarth aufkommen. Roy Makaay trifft entweder nach zehn Sekunden oder gar keinen Ball im gesamten Spiel. Immerhin legte der Niederländer in der 13. Minute gekonnt für Podolski auf. Doch dann - siehe oben.

Die völlige Abwesenheit von Ideen im Mittelfeld fällt besonders dann unangenehm auf, wenn keine eher zufälligen Tore wie jene von van Bommel in Madrid oder van Buyten in Mailand das Spiel retten und den Mangel an herausgespielten Möglichkeiten kaschieren. Immerhin belegte die mitleiderregende Einfallslosigkeit, wie wichtig selbst ein formschwankender Bastian Schweinsteiger für die Bayern-Mannschaft ist. Ohne ihn kam es kaum zu bedrohlichen Zweikämpfen in der Nähe des Mailänder Strafraums, von gefährlichen Distanzschüssen ganz zu schweigen. Allenfalls Mark van Bommel zwang den gewohnt unsicheren Mailänder Keeper Dida ein paar Mal zu Boden.

Viertelfinal-Rückspiele
Begegnung Ergebnis
Bayern München - AC Mailand 0:2 (2:2)
FC Liverpool - PSV Eindhoven 1:0 (3:0)
Manchester United - AS Rom 7:1 (1:2)
FC Valencia - FC Chelsea 1:2 (1:1)
In Klammern die Hinspielergebnisse
Dabei versuchte der FC Bayern nach dem Schock des frühen 0:2-Rückstandes alles, was ihm möglich war. Die Spieler kämpften, rannten, tricksten, rackerten und holten nicht eine klare Chance heraus. Gern würde man an dieser Stelle die brillant organisierte Defensive von Milan loben. Allein, die Abwehr um Paolo Maldini und Alessandro Nesta wirkte erneut extrem anfällig. Nach der Bayern-Offensive der Anfangsviertelstunde glaubte wohl niemand, dass die Italiener ohne ein Gegentor nach Hause fahren würden. Am Ende kamen sie sogar ohne eine gelbe Karte aus.

Schließlich folgten die genialen fünf Minuten des Clarence Seedorf, der mit einem trockenen Schuss ins Eck und einem Hackenpass auf den - allerdings im Abseits befindlichen - Filippo Inzaghi alles entschied. Danach hätte Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzalez aus Spanien getrost abpfeifen können.

Dass sich die Bayern-Abwehr mitunter verblüffend einfach übertölpeln lässt, dass anfängerhafte Fehler wie jener Ballverlust von Podolski und dem defensiv überforderten Christian Lell Milan viel zu oft zum Kontern einluden, war bereits nach der ersten halben Stunde hinlänglich demonstriert. Dass Oliver Kahn im Gegensatz zu Michael Rensing keine Unhaltbaren mehr hält, ist bekannt. Doch all diese Symptome des Scheiterns wiesen nur auf eine tiefere Wahrheit hin, die auch beim FC Bayern jeder kennt - aber gern totschweigt.

Der Club stagniert seit Jahren international. Die Klasse des Teams, das zwischen 1999 und 2001 mit einem Finaleinzug, einem Halbfinale und schließlich dem Sieg in der Champions League glänzte, konnte nach dem Abgang von prägenden Figuren wie Stefan Effenberg, Giovane Elber und Lothar Matthäus nie mehr erreicht werden.

Eine zögerliche Einkaufspolitik mit Verweis auf ein prall gefülltes Festgeldkonto verhindert seit Jahren, dass sich der FC Bayern vielleicht - abgesehen von Makaay - mal einen oder zwei Spieler auf dem beinhart umkämpften Transfermarkt beschafft, die im Zweifelsfall den Unterschied ausmachen. Das müssen kein Ronaldinho und kein Ronaldo sein - ein Seedorf tut es auch, wie das Spiel gegen Milan zeigte.

Auch die mögliche Alternative zu gezielten Großeinkäufen haben die Bayern-Verantwortlichen konsequent ignoriert. Sie besteht darin, nicht mit den finanziell übermächtigen Clubs aus England oder Spanien auf dem Transfermarkt zu konkurrieren, sondern um einen starken Trainer mit modernen Ideen von Taktik und Mannschaftsführung herum ein klares, erkennbares, verlässliches System zu kreieren, das individuelle Schwächen wettmachen kann. So gewann etwa 2004 der FC Porto mit José Mourinho die Champions League, so agiert auch der FC Arsenal, der in Geldfragen mit Chelsea oder Manchester ebenfalls nie mithalten kann.

Doch beim FC Bayern hat man sich bislang lediglich zur Verpflichtung eines Mittelfeldarbeiters wie Mark van Bommel durchringen können und mit der Rückkehr von Ottmar Hitzfeld auf Sicherheit gesetzt. Nur wenn sich zur kommenden Saison der Zauderkurs entscheidend ändert, darf der vierfache Europacupsieger bei den Landesmeistern irgendwann einmal von mehr träumen als einem ruhmlosen Abgang im Viertelfinale.

Bayern München - AC Mailand 0:2
0:1 Seedorf (27.)
0:2 Inzaghi (31.)
München: Kahn - Salihamidzic, Lucio, van Buyten, Lahm - Ottl (46. Santa Cruz), Hargreaves, van Bommel, Lell (77. Görlitz) - Makaay (61. Pizarro), Podolski. - Trainer: Hitzfeld
Mailand: Dida - Oddo, Nesta, Maldini, Jankulovski - Gattuso (87. Cafu), Pirlo, Ambrosini, Seedorf (80. Gourcuff) - Kaka - Inzaghi (70. Serginho). - Trainer: Ancelotti
Schiedsrichter: Manuel Mejuto Gonzalez (Spanien)
Zuschauer: 66.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: van Bommel (3), Salihamidzic (2)

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Die neuesten Beiträge:
05.05.2011 von future-trunks: stimmt

aber in frankreich dominiert immer mal wieder ein verein das geschehen für ein paar jahre und dann ist die dominanz auch wieder vorbei. ist sicher einzigartig, dass bei einer meisterschaft, die weit länger als 100 jahre [...] mehr...

04.05.2011 von Rockker:

Ja..das ist der einzige Nachteil der BL, da die Bayern Alleinerrscher sind und keine dauerhafte Konkurenz haben. Daher haben sie alleine fast die Hälfte aller Meistertitel von 1963 bis heute geholt. Also seit die BL gespielt [...] mehr...

04.05.2011 von polemi:

Deswegen konnte Lyon 7mal in Folge Meister werden (2002 - 2008)... mehr...

04.05.2011 von Dylan1941:

So ein Quatsch Roccker.Bei dir sind es immer Momentaufnahmen - die Zeit von 200 bis Rijkaards Antritt hat man sich fast geschämt zu sagen das man Barca Anhänger ist.Da waren dann Vereine wie Valencia und La Coruna Meister trotz [...] mehr...

02.05.2011 von Locutus:

Ich habe doch extra versucht auf die nicht Spitzenmannschaften einzugehen. Direkte Vergleiche sind da leider nicht möglich. Du meinst aber, weil Real und Barca sich so absetzen bedeutet das, dass die nicht Spitzenteams der La [...] mehr...

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