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12.04.2007
 

Aus für Bayern

Nacht der bitteren Erkenntnis

Von Stefan Osterhaus, München

Selbst Oliver Kahn blieb an diesem Abend ruhig. Wir waren einfach nicht gut genug, lautete das Fazit der Bayern nach dem Ausscheiden gegen den AC Mailand in der Champions League. In den Interviews wirkten die Akteure fast so mutlos wie zuvor auf dem Platz.

Nach dem Schlusspfiff, nach der 0:2-Niederlage, nach dem Aus, da endlich präsentierte sich der FC Bayern als geschlossene Einheit. In beinahe identischer Körperhaltung schlichen die Spieler vom Platz, das Kinn zur Brust gesenkt. Der Tonfall in den anschließenden Interviews war merkwürdig ruhig, selbst Lukas Podolski klang ziemlich gedämpft, doch keiner von ihnen wirkte fassungslos. Lag es vielleicht daran, dass sie eine Stunde lang Zeit gehabt hatten, sich auf das Ausscheiden einzustellen?

Filippo Inzaghi hatte in der 31. Minute zum 0:2 getroffen, ein zauberhafter Treffer, den Clarence Seedorf mit der Hacke eingeleitet hatte. Oliver Kahn war ohne Chance, vorausgegangen war einer von vielen Ballverlusten in der eigenen Hälfte. Wer die Nicht-Reaktion der Bayern in diesem Augenblick sah, der ahnte, dass Schiedsrichter Mejuto Gonzalez das Spiel auch genau in diesem Augenblick hätte abpfeifen können. Viel passieren würde hier nicht mehr.

Milan steht im Viertelfinale nach dem 2:2 aus dem Hinspiel. Angesichts der Ausgangslage ein echter Coup, doch wenn man das Mailänder Spiel in München betrachtet, alles andere als eine Überraschung. Ein erschreckend desillusionierter Ottmar Hitzfeld erklärte hinterher: "Mit etwas Glück hätten wir hier das 1:2 machen können, und dann wäre es vielleicht noch einmal eng geworden." Doch Hitzfeld sprach nicht einmal von Chancen, er nannte das, was die Bayern in der zweiten Hälfte aufs Mailänder Tor brachten, "Schussmöglichkeiten". Ins Detail wollte der Trainer nicht mehr gehen. Er sprach nicht über den Fehler der Defensive beim 0:1 durch Clarence Seedorf in der 27. Minute, und auch, dass die mehrfache Fernsehwiederholung des Treffers eine Abseitsstellung von Inzaghi auswies, war ihm keine Erwähnung wert. Hier ging es nicht um Einzelheiten, hier ging es ums große Ganze: Das Fazit des passionierten Taktikers war denn auch schonungslos: "Wir hatten nicht die Qualität, die notwendig ist, um diese Mannschaft zu schlagen."

Viertelfinal-Rückspiele
Begegnung Ergebnis
Bayern München - AC Mailand 0:2 (2:2)
FC Liverpool - PSV Eindhoven 1:0 (3:0)
Manchester United - AS Rom 7:1 (1:2)
FC Valencia - FC Chelsea 1:2 (1:1)
In Klammern die Hinspielergebnisse
So war es. Dabei hatte doch alles so gut begonnen. Schon in der achten Minute musste Massimo Oddo einen von Christian Lell getretenen Ball von der Linie schlagen, um einen Rückstand zu verhindern. Wenig später tauchte Milan-Keeper Dida ab, um einen Schuss von Lukas Podolski zu parieren. Es gab ein paar sehr schöne Angriffszüge zu bestaunen, Bayern machte Spiel und Tempo, Milan benötigte noch ein wenig Zeit, um die richtige Betriebstemperatur für diesen Abend zu finden. 25 Minuten dauerte dieser Akklimatisierungsprozess, dann lief der Ball besser durch die Reihen der Lombarden, und sie taten das, was Hitzfeld samt Mannschaft überhaupt nicht mochte: "Sie haben den Ball gut zirkulieren lassen. Da haben sie uns große Probleme bereitet."

Es war kein Spektakel, das die Italiener da veranstalteten. Das war kein Hochgeschwindigkeitsfußball. Aber es stand auf einmal 0:1 durch Seedorf, der mit einer simplen Körpertäuschung die Münchner Innenverteidigung verlud. Sie öffneten ihm die Lücke, die nötig war, um von der Strafraumgrenze mit einem wuchtigen Kick abzuschließen. Und als nur vier Minuten später Inzaghi zum 0:2 traf, war es Seedorf, der mit dem Instinkt des Klassefußballers den Angreifer in seinem Rücken bediente. Ausgerechnet Inzaghi, der Albtraum eines jeden Bayern-Fans. In 64 Champions-League-Spielen hat er 36 Mal getroffen, allein ein halbes Dutzend seiner Tore erzielte er gegen den FC Bayern. Oliver Kahn, chancenlos gegen den Präzisionsschuss, wollte sich nicht mal mehr über die Leistung seiner Vorderleute aufregen, die Inzaghi völlig allein ließen, wohl wissend, dass der so listige wie laufschwache Stürmer stets an der imaginären Abseitslinie lauert.

Es war eine beklemmende Ruhe, die nach dem Abpfiff in den Katakomben herrschte. Kahn hatte erkannt, was die Stunde geschlagen hatte und wählte nicht die Rolle des ehrgeizigen alten Mannes, sondern die des fairen Verlierers, der Milan über den grünen Klee lobte: "Das ist der beste und modernste Fußball, den man spielen kann. Das ist die beste Mannschaft, auf die wir treffen konnten." Das war eine glatte Lüge, aber ein probates Mittel, um zu vermeiden, über die Fehler aus den eigenen Reihen zu sprechen. Und Podolski wollte nur noch auf die Zukunft hoffen: Milan stünde heute zwar besser da, doch die Bayern hätten die bessere Perspektive, weil sie das jüngere Team hätten. Diese mutige Einschätzung war seine beste Szene an diesem Abend.

Doch einer wusste es besser. Es war keine gewöhnliche Niederlage für den FC Bayern, denn Manager Uli Hoeneß verbrachte hinterher viel Zeit damit, Fragen zu beantworten. Normalerweise rauscht er bei Niederlagen an allen Mikrofonen schweigend vorbei. Wieder einmal war zu hören, dass Milan doch eigentlich ein defizitärer Club ist, aber einen Eigner an der Spitze habe, der die Verluste gern und großzügig ausgleicht. So will der FC Bayern nie werden. Und mit einem letzten Fünkchen von Widerwillen sagte Hoeneß: "Wir lassen uns jetzt nicht alles in Schutt und Asche reden." Das ist verständlich. Dazu braucht es aber auch kein Reden. Das Spiel reichte schon.

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05.05.2011 von future-trunks: stimmt

aber in frankreich dominiert immer mal wieder ein verein das geschehen für ein paar jahre und dann ist die dominanz auch wieder vorbei. ist sicher einzigartig, dass bei einer meisterschaft, die weit länger als 100 jahre [...] mehr...

04.05.2011 von Rockker:

Ja..das ist der einzige Nachteil der BL, da die Bayern Alleinerrscher sind und keine dauerhafte Konkurenz haben. Daher haben sie alleine fast die Hälfte aller Meistertitel von 1963 bis heute geholt. Also seit die BL gespielt [...] mehr...

04.05.2011 von polemi:

Deswegen konnte Lyon 7mal in Folge Meister werden (2002 - 2008)... mehr...

04.05.2011 von Dylan1941:

So ein Quatsch Roccker.Bei dir sind es immer Momentaufnahmen - die Zeit von 200 bis Rijkaards Antritt hat man sich fast geschämt zu sagen das man Barca Anhänger ist.Da waren dann Vereine wie Valencia und La Coruna Meister trotz [...] mehr...

02.05.2011 von Locutus:

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