Von Christoph Ruf
Es gibt diese Vereine, an deren Schicksal Millionen Anteil nehmen. Wird Schalke Meister? Fängt sich Bayern noch? Berappelt sich Gladbach wieder in der nächsten Saison? Schafft Dynamo Dresden endlich den Aufstieg in die Zweite Liga? Dynamo Dresden? Genau. Der Verein, dessen Spiele seit dem Bundesliga-Abstieg 1995 eigentlich nur noch minutenweise in den dritten Programmen übertragen werden, hat Millionen von Sympathisanten und Zehntausende beinharter Fans. Jeden Freitag verstopfen Hunderte Exilsachsen die A4 und die A9, um rechtzeitig zum nächsten Heimspiel wieder in Dresden zu sein.
In der Stadt selbst findet sich kaum ein Laternenmast, der nicht von mindestens drei Aufklebern der zahlreichen Ultragruppierungen verziert würde. 14.000 Zuschauer im Schnitt schauen sich die Heimspiele gegen so illustre Gegner wie Emden oder Leverkusen II an. Als dem Verein mal die Lizenz entzogen wurde, haben einige Fans mit Suizid gedroht. Doch die Tristesse sollte es sich danach erst richtig gemütlich machen rund ums alte, aber alles andere als ehrwürdige Rudolf-Harbig-Stadion. Diese Saison könnte es nun endlich klappen mit dem Profifußball, nur zwei Punkte ist Dynamo derzeit von den Aufstiegsrängen entfernt.
Selbst Geschäftsführer Volkmar Köster, der die Politik des Gemeinderates seit zweieinhalb Jahren nur noch mit Galgenhumor kommentiert ("den WM-Boom wollte man lieber Leipzig überlassen, Dresdner Politiker sind eben nett"), ist wieder etwas besser auf die Räte zu sprechen. Noch in dieser Woche wird der Gemeinderat wohl grünes Licht für den Stadionneubau geben. Sollten die Bagger tatsächlich demnächst anrollen, hätte Köster also noch einen Grund mehr, öfter mal das Fenster seines nach uraltem Linoleum riechenden, engen Büros zu öffnen. Doch der schlagfertige Dynamo-Macher bleibt skeptisch: "Ich glaube das aber auch dann nicht, wenn hier die Bagger anrollen. Erst dann, wenn sie nach getaner Arbeit wieder weg sind."
In Magdeburg, Leipzig und Rostock sind die Bagger schon lange wieder weg. Dort, wo einst sportliche Trümmertruppen erfolglos versuchten, aus Ruinen aufzuerstehen, stehen nun topmoderne Stadien. In Halle und eben in Dresden dürften schon bald die nächsten gebaut werden. Auch sportlich geht es zwischen Rügen und Vogtland aufwärts. 17 Jahre nach der Wiedervereinigung haben sich viele Vereine aus dem Osten der Republik erholt. In der Bundesliga könnten in der kommenden Saison mit Cottbus und Rostock zwei Ostvereine spielen, noch in der vergangenen Saison war die Bundesliga eine rein westdeutsche Veranstaltung. Gut möglich, dass eine Klasse darunter mit Aue, Jena, Magdeburg und Dresden immerhin ein Fünftel der Vereine aus den nun gar nicht mehr so neuen Ländern kommt, das entspräche immerhin bereits der Bevölkerungsrelation. Und in die Regionalliga steigen zwei Ostvereine auf, hingegen ist keiner der vier derzeitigen Drittligisten ernsthaft abstiegsgefährdet.
Ist also unbemerkt von der westdeutschen Öffentlichkeit im Osten die fußballerische Glückseligkeit ausgebrochen? Nicht ganz. Besonders in Landschaften, die statt im Kohl'schen Glanze zu blühen, bereits verwelkt sind, bleiben Sponsorengelder fast völlig aus, dreht ein Großteil der Sympathisanten den Euro um, bevor er ihn an der Stadionkasse lässt. In den prosperierenden Regionen und vielen größeren Städten sind die Bedingungen hingegen deutlich besser. Hier arbeitet man höchst konzentriert daran, den Rückstand gegenüber dem Westen auszugleichen.
Vorbei die Zeiten, als halbseidene Geschäftsleute die arglosen Vereinsvertreter über den Tisch zogen und schnell das Weite suchten, als der Verein im Insolvenzverfahren steckte. Heute verfahren die meisten renommierteren Clubs nach der Devise, keinen Euro auszugeben, den man nicht vorher eingenommen hat. Auch sportlich hat eine Rückbesinnung auf eigene Tugenden stattgefunden. Wenn Hans Meyer sagt, "taktisch" seien "die Spieler und Trainer im Osten doch sehr gut ausgebildet" gewesen, hat er dabei wohl auch Trainer wie Cottbus' Petrik Sander oder Magdeburgs Dirk Heyne vor Augen, deren Teams garantiert nicht wegen der hervorragenden Individualisten auf Platz acht beziehungsweise drei der jeweiligen Tabelle stehen.
Vor einigen Jahren empfing der Stadionsprecher von Sachsen Leipzig die Braunschweiger Schlachtenbummler mit den Worten: "Wir begrüßen auch die Fans aus den verbrauchten Bundesländern." Damals lachte das ganze Stadion. Die Zeiten ändern sich.
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Rostock und Cottbus als Fahrstuhlmannschaften zu bezeichnen halte ich für übertrieben. Rostock hat es immerhin 10 Jahre am Stück in Liga 1 ausgehalten. Vergleicht man die Arbeit die in Aue,Cottbus und Rostock geleistet wird und [...] mehr...
Ich meine sicher nicht unbedingt der Vergleich zu Lok (das sicher mit keinem anderen Verein der 6.Liga zu vergleichen ist), sondern eher die Problematik mit den zweiten Mannschaften allgemein. hier [...] mehr...
Ich will mal nicht auf EasSideErfurts Bemerkungen, wer hier so Müll ist näher eingehen, sondern versuche eine objektive Bestandsaufnahme. Rsotock, Cottbus und Aue verdienen Respekt für ihre kontinuierliche und erfolgreiche Arbeit. [...] mehr...
@ East Side Erfurt ... das du das aus der Sicht des Fans siehst sei dir zugestanden. Aber der Ton macht die Musik. Das Dynmao Dresden oder Magdeburg der Zweiten oder Ersten Liga guttun würden steht wohl ausser Frage. Zumindest [...] mehr...
Fast richtig soweit, nur das zu den Spielen von Dortmund II sowohl zuhause, als auch auswärts, immer sehr viele schwarz-gelbe vor Ort sind. Einen Vergleich zu Lok Leipzig zu ziehen, halte ich allerdings für vermessen. mehr...
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