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27.04.2007
 

Klose und der FC Bayern

Mit dicker Brieftasche zum Discounter

Von Jörg Schallenberg

Miroslav Klose hat bestätigt, dass er sich mit den Verantwortlichen von Bayern München getroffen hat. Bei seinem Club Werder Bremen ist man deswegen ziemlich sauer auf ihn - und die Bayern. Doch das ist überflüssig, denn die Münchner verdienen eher Mitgefühl.

Elf Ballkontakte, eine kläglich vergebene Chance und ein Alibirutscher durch den gegnerischen Strafraum, obwohl die Flanke längst vorbeigesegelt war – die Bilanz von Bremens Mittelstürmer Miroslav Klose im Uefa-Cup-Halbfinale bei Espanyol Barcelona war verheerend. Doch der Totalausfall des WM-Torschützenkönigs in einem der wichtigsten Saisonspiele bot lediglich den Anlass für die Vereinsführung, Klose heute zum Rapport zu bestellen.

Werder-Stürmer Klose: Informationen aus München
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Getty Images

Werder-Stürmer Klose: Informationen aus München

Hintergrund war jenes alles andere als geheime Geheimtreffen Kloses mit Bayern-Manager Uli Hoeneß und Coach Ottmar Hitzfeld in einem Hotel in Hannover, das Klose heute bestätigte, lustigerweise als "Informationsgespräch" deklarierte und sich bei der Werder-Spitze kleinlaut entschuldigte.

Bremens Manager Klaus Allofs nahm die Entschuldigung zwar an, doch wie sauer man auf Klose ist, belegen die öffentlichen Überlegungen von Trainer Thomas Schaaf, den Stürmer am Sonntag in der Partie bei Arminia Bielefeld auf die Bank zu setzen. Nur zur Erinnerung: Werder Bremen befindet sich als Tabellenzweiter mitten in der heißesten Phase des Titelkampfs und hat Klose auch in dessen schlechten Phasen bislang immer gestützt.

Im schlimmsten Fall könnte das Treffen in Hannover, überspitzt gesagt, entscheidend dazu beitragen, den Bremern sowohl den Europacup als auch die Meisterschaft zu versauen. Da wirkte es geradezu als Musterbeispiel hanseatischer Zurückhaltung, wenn sich Allofs bislang nur dazu hinreißen ließ, das Vorgehen des FC Bayern als "wenig stilvoll" zu bezeichnen.

Abgesehen davon, dass es gegen Fifa-Regeln verstößt, einen Spieler mit gültigem Vertrag zu kontaktieren, ohne zuvor dessen Verein zu informieren, könnten sich die Bayern, denen Kritik der Konkurrenz schon immer egal war, also über das entstehende Tohuwabohu in Bremen ins Fäustchen lachen. Wenn wir schon nix reißen in dieser Saison, dann spucken wir Euch wenigstens noch kräftig in die Suppe. So gehen zumindest die Interpretationen in manchen Medien und vielen Fan-Foren, in denen so hasserfüllt gegen den FC Bayern argumentiert wird, als hätte der Club den Rest der Liga grade mal wieder mühelos abgehängt.

Angst vor den Ladenhütern

Doch davon sind die Münchner mindestens soweit entfernt wie Werder Bremen vom Erreichen des Uefa-Cup-Finals. Und wer ihnen angesichts der sportlichen Krise und der fehlenden Perspektiven für ein Erfolg versprechendes Team bei ihrem Werben um neue Spieler noch besonderes taktisches Kalkül unterstellt, traut Hoeneß, Hitzfeld oder Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge entschieden zu viel zu.

Es ist eher Verzweiflung als Größenwahn, der die Bayern so unvorsichtig agieren lässt, dass sie sich – so auch dieses Gerücht zutrifft – in kurzem Abstand mit Klose und HSV-Star Rafael van der Vaart schlecht getarnt im selben Hotel getroffen haben und damit möglicherweise sogar eine Strafe riskieren. Offenbar herrscht beim FC Bayern die nackte Angst, auf dem Transfermarkt ins Hintertreffen zu geraten und beim großmäulig angekündigten Großeinkauf am Ende auf ein paar Ladenhütern sitzen zu bleiben.

Dass wie seit Jahren bei der Konkurrenz und dazu noch bei zwei Erzfeinden im Norden gewildert wird, während man auf der anderen Seite die Tauglichkeit des früheren Bremers Claudio Pizarro und des erst im vergangenen Sommer teuer in Hamburg eingekauften Daniel van Buyten bezweifelt, sagt einiges über die Einfallslosigkeit der Münchner aus, viel mehr aber noch über ihre beschränkten Möglichkeiten, die sich trotz aller Geschäftstüchtigkeit in den vergangenen zwanzig Jahren nie geändert hat.

Heiß umworbene internationale Stars wie Ruud Gullit, Ruud van Nistelrooy oder aktuell Luca Toni waren und sind einfach nicht dazu zu bewegen, in die Bundesliga abzusteigen, wo weder Phantasiegehälter gezahlt werden noch – wenn man denn beim FC Bayern landet – sonderlich attraktive Gegner warten, mit denen man sich auf hohem sportlichen Niveau messen könnte. Meisterschaftskandidaten wie Schalke 04 und Werder Bremen haben ihre internationale Untauglichkeit in diesem Jahr einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Kein Näschen für tolle Schnäppchen

Da die Feinkostabteilung im großen Kaufhaus aber geschlossen ist, müssen die Bayern-Verantwortlichen wieder mal zum Discounter um die Ecke gehen und dort die dicke Brieftasche zücken. Das Sortiment ist leider immer noch nicht besser geworden und für tolle Schnäppchen wie den Brasilianer Diego (Werder Bremen) oder die Mexikaner Pavel Pardo und Ricardo Osorio (VfB Stuttgart) fehlt Hoeneß samt seinen Scouts bislang das Näschen.

Man könnte sich also mächtig darüber aufregen, dass die Bayern andere Clubs unter ihrer mangelnden Fantasie leiden lassen, man könnte aber auch alle Naivität einmal abstreifen und an die Nahrungskette des Profifußballs denken, in der die Bayern beispielsweise unter dem FC Chelsea, aber eben über Werder Bremen und dem Hamburger SV stehen.

Man könnte, nein sollte bei aller Entrüstung einen Gedanken daran verschwenden, dass die Bremer etwa Tim Wiese, Per Mertesacker, Clemens Fritz, Patrick Owomoyela oder Miroslav Klose nicht in der eigenen Jugend entdeckt, sondern bei jener Bundesliga-Konkurrenz abgeworben haben, die in der Nahrungskette noch etwas weiter unten steht – und sich wiederum an den nächstkleineren Fischen schadlos hält.

Dann wird schnell klar, dass der FC Bayern im Moment keine Wut verdient, wenn er lediglich den Naturgesetzen der Branche folgt, sondern etwas, das seine Bosse mehr hassen als alles andere: Ein bisschen Mitleid.

mit Material von dpa und sid

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