Von Christian Gödecke
Vielleicht muss man sich diesen 11. August 2006 in München wie einen teuren Sommerurlaub vorstellen. Man kommt auf irgendeiner Insel an, zwei Wochen all inclusive, auch die Sonne, die vom Himmel brennt. Man zieht sich die Badeshorts an, springt in den Pool, dreht zwei Bahnen und denkt: So kann es bleiben. Ein paar Minuten später fängt es an, wie aus Kübeln zu schütten. Jetzt kann man ahnen, wie sich Sebastian Kehl gefühlt haben muss.
Es hörte nämlich nicht mehr auf zu regnen.
Um 20.47 Uhr an diesem 11. August war für Kehl, Profi von Borussia Dortmund, das Fußballjahr schon beendet. Hasan Salihamidzic, der mit den Bayern in diesem ersten Spiel der Saison Kehls BVB empfing, riss seinem Gegenspieler mit den Stollen das Knie auf. Beide kämpften um den Ball, so zumindest hatte es Schiedsrichter Knut Kircher gesehen, der weiterlaufen ließ. Kehl krümmte sich, hob den Arm, dann lag er auf der Trage, später im Krankenhaus. Die Bayern gewannen 2:0, Salihamidzic wurde in der 90. Minute ausgewechselt. Ohne Gelbe Karte.
Kehl hat den Großteil der Saison daran gearbeitet, überhaupt noch mal zu spielen. Im Knie diagnostizierten sie im September eine Knochenstauchung, im Oktober sagte Kehl frustriert, man habe seine Verletzung "von Anfang an unterschätzt".
Der Mann, der eigentlich hatte beweisen wollen, dass er beim BVB Führungsspieler sein könnte und beim DFB mehr als der Ersatz von Torsten Frings, sah seinen Verein von draußen in Abstiegsgefahr geraten, einen Trainer gehen (Bert van Marwijk) und dann noch einen (Jürgen Röber). Nur die Schmerzen blieben.
Im Februar gab der 27-Jährige ein kurzes Comeback, sechs Spiele sind es insgesamt geworden und vier Niederlagen. Irgendwie lief es auch mit ihm nicht. Wenigstens die Klasse haben wir gehalten, wird Kehl vielleicht denken. Und die Bayern sind nicht Meister.
Hasan Salihamdzic wechselt nach der Saison zu Juventus Turin. Kehl wird sich auf seinen Sommerurlaub freuen.
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