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23.05.2007
 

Champions League

Mailand am Ziel, Liverpool am Boden

Von Mike Glindmeier

Der Beginn war flott, danach folgte viel Mittelmaß. Liverpool bemühte sich, das Spiel zu machen, die Italiener beschränkten sich darauf, die entscheidenden Tore zu schießen. Ein Stürmer wurde zum Mailänder Helden und trug maßgeblich zur geglückten Revanche gegen die "Reds" bei.

Athen - Vor zwei Jahren sah der AC Mailand schon wie der sichere Sieger gegen den FC Liverpool aus. Zur Pause 3:0 geführt, am Ende im Elfmeterschießen verloren. Das sollte sich in Athen nicht wiederholen. Und nach 90 Minuten durften die Italiener tatsächlich jubeln. Dieses Mal reichten zwei Treffer von Filippo Inzaghi zum Triumph. 2:1 (1:0) siegten die Mailänder, der Treffer von Dirk Kuyt kurz vor Schluss konnte den Erfolg des AC nicht mehr verhindern.

"Damit müssen wir jetzt fertig werden. Wir haben es nicht geschafft, die Trophäe zu holen, aber wir haben trotzdem viel geleistet, in dieses Finale zu kommen", sagte Liverpools Xabi Alonso. "Die Niederlage von vor zwei Jahren ist nicht zu revidieren, aber heute sind wir dran mit dem Feiern", sagte Mailands Gennaro Gattuso. Trainer Carlo Ancelotti freute sich mit seinen Spielern: "Natürlich sind wir überglücklich. Es ist etwas ganz besonderes, mit diesem Verein diesen Pokal zu gewinnen", sagte er.

Schon beim Verkünden der Mannschaftsaufstellungen deutete vieles auf ein sehr defensivlastiges Spiel hin. Liverpools Trainer Rafale Benitez probierte es lediglich mit Angreifer Kuyt. Auch sein Pendant Carlo Ancelotti ging auf Nummer sicher und bot nur Inzaghi im Sturm auf. Der 33-Jährige Routinier erhielt den Vorzug vor Alberto Gilardino. Trotz der defensiven Ausrichtung gehörte die erste Hälfte dem FC Liverpool.

Die erste Chance erspielte sich der Außenseiter allerdings mit großzügiger Unterstützung der Mailänder Hintermannschaft. Marek Jankulovski versprang vor dem eigenen Strafraum der Ball bei der Annahme, Liverpools Jermaine Pennant schaltete blitzschnell und trug die Kugel in den Strafraum. Seinen Flachschuss aus zwölf Metern in die lange Ecke konnte Milans Torhüter Dida allerdings parieren (10.).

Liverpool setzte Milan danach mit Pressing unter Druck. Wohl auch, um Erinnerungen an das Champions-League-Finale 2005 zu wecken. Damals hatten die Mailänder zur Pause bereits 3:0 geführt, ließen sich dann aber in der zweiten Hälfte vom FC Liverpool binnen sechs Minuten überrennen und verloren am Ende nach einem 3:3 in der regulären Spielzeit 2:3 im Elfmeterschießen.

Gerade die Oldies Alessandro Nesta und Paolo Maldini, die schon bei der Schmach 2005 in Istanbul für Milan auf dem Platz standen, zeigten heute immer wieder Schwächen. In der 27. Minute hatte der AC Mailand Glück, dass Xabi Alonso das Chaos in der Hintermannschaft der Italiener nicht nutzen konnte. Sein Abpraller aus 20 Metern rauschte nur knapp an Didas Tor vorbei. Fünf Minuten später kam John Arne Riise aus 25 Metern frei zum Schuss, der Ball ging allerdings drei Meter drüber. In der 36. Minute klärte Nesta dann im Strafraum in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Kuyt.

Und Mailand? Die oft gelobte Offensive der Italiener fand in der ersten Hälfte kaum statt. Auch Superstar Kaka (10 Treffer) konnte keine entscheidenden Akzente setzen. Der Brasilianer schoss in den ersten 45 Minuten nur ein einziges Mal aufs Tor, doch mit seinem Schuss aus 25 Metern hatte Liverpools Torhüter Pepe Reina keine Probleme. Die bekam der Spanier im Kasten der Engländer dann in der 45. Minute. Xabi Alonso hatte Kaka kurz vor dem eigenen Strafraum gefoult. Andrea Pirlo führte den Freistoß aus, zog aus 22 Metern ab und traf seinen Mitspieler Inzaghi am Oberarm. Der Stürmer fälschte den Ball an der Strafraumgrenze ab und gab ihm so die entscheidende Richtung zur schmeichelhaften Führung ins Tor der Liverpooler.

Ein Flitzer auf dem Feld

Für den ersten Höhepunkt in der zweiten Hälfte sorgte ein Flitzer, der in der 48. Minute das Feld stürmte, von den Sicherheitskräften allerdings nach wenigen Sekunden überwältigt werden konnte. Auch unter den 22 Akteuren auf dem Spielfeld wurde es zunehmend härter. Der deutsche Schiedsrichter Herbert Fandel, der das Spiel zu jedem Zeitpunkt im Griff hatte, verteilte bis zur 60 Minuten drei Gelbe Karten. Im ersten Durchgang war Fandel noch mit einer Verwarnung ausgekommen.

Nach gut einer Stunde hatte dann der FC Liverpool die bis dahin beste Chance auf den Ausgleich. Steven Gerrard nutzte einen Fehler des Weltmeisters Gennaro Gattuso und marschierte in den Strafraum der Mailänder, doch Dida hielt seinen Flachschuss aus sieben Metern mit einer Glanztat. Fünf Minuten später setzte wiederum Riise einen Distanzschuss deutlich neben das Tor der Mailänder und auch Gerrard scheiterte mit einem Versuch von der Strafraumgrenze (72.).

40.000 Engländer unter den 63.800 Zuschauern mussten dann in der 82. Minute mit ansehen, wie ihr Team 0:2 in Rückstand geriet. Kaká, der sonst wenig Aktionen zeigte, spielte Inzaghi frei, der den Ball einschob. Liverpool kämpfte, aber vieles blieb trotz des Tores von Kuyt Stückwerk.

AC Mailand - FC Liverpool 2:1 (1:0)
1:0 Inzaghi (45.)
2:0 Inzaghi (82.)
2:1 Kuyt (89.)
Mailand: Dida - Oddo, Nesta, Maldini, Jankulovski (79. Kaladse) - Gattuso, Pirlo, Ambrosini, Seedorf (90.+2 Favalli) - Kaka - Inzaghi (88. Gilardino). - Trainer: Ancelotti
Liverpool: Reina - Finnan (88. Arbeloa), Agger, Carragher, Riise - Gerrard, Mascherano (78. Crouch), Xabi Alonso, Pennant, Zenden (59. Kewell) - Kuyt. - Trainer: Benitez
Schiedsrichter: Fandel (Kyllburg)
Zuschauer: 63.800 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Gattuso, Jankulovski / Mascherano, Carragher

Mit Material von sid und dpa

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