I. Das ist die Stelle, die ich bei Gesprächen so liebe. Wenn sie fragen: "Und? Für welche Mannschaft bist du denn so?" Ich antworte dann so beiläufig wie möglich: "Mein Interesse gilt dem VfL Wolfsburg." Dann tritt eine kurze Pause ein. Besser gesagt: Absolute Stille. Wenn sie sich wieder gefasst haben, sagen sie: "Ach, du kommst aus Wolfsburg?" Ich: "Nein." Und sie – ich merke, das ist jetzt das letzte Angebot, das sie mir machen: "Aber du hast mal in Wolfsburg gelebt?" Und ich: "Nein, auch nicht." Dann schauen sie mich seltsam an, gehen ans Buffet oder aufs Klo. Wenn ich Glück habe. Meistens drehen sie sich einfach nur weg.
II. Mein Sohn ist sechs und hat ein Wolfsburg-Trikot. Ich weiß, manche halten das für Kinderquälerei. Immerhin hat noch keiner die Polizei gerufen. So richtig für Wolfsburg ist er aber nicht mehr, seit er sprechen kann und daher logischerweise mitbekommen hat, dass einen das zum gesellschaftlichen Außenseiter macht. Sein Großvater ist VfB-Fan und versucht seit langem, ihn auch zu einem VfB-Fan zu machen. Er sagt ihm, Wolfsburg sei doch nichts. Der Papa sei als Kind auch VfB-Fan gewesen und sei es in Wahrheit immer noch. Mensch: Ich habe die Geschichte tausendmal erzählt. Wie meine Liebe zum VfB in der Sekunde erlosch, als Winfried Schäfer für Joachim Löw Trainer wurde. Wie ich in Berlin verloren war (dass Hertha BSC nicht in Frage kommt, muss ich jetzt aber nicht noch mal extra sagen, oder?). Wie ich zu Wolfgang Wolfs Zeiten mal aus nicht erklärbaren Gründen nach Wolfsburg fuhr und dann plötzlich dachte: Oh, das ist ja interessant hier. Wenn man mit dem ICE von Berlin nach Westen fährt, kommt man an der VW-Arena vorbei. Da erlebe ich oft, wie Mitreisende hektisch nach ihren Koffern greifen. "Was ist denn das für ein Stadion", rufen sie, "sind wir etwa schon in Hamburg?" Unglaublich. Man möchte schreien: Ja, wisst ihr Kulturbanausen denn nicht, was für große Spiele sich hier vollzogen haben? Mindestens mal dieses legendäre 4:3 des VfL gegen Mainz 05 im goldenen Herbst 2004. Oder dieses Frühjahr, als der VfL mit dem Einzug ins DFB-Pokalfinale drohte. Man merkte richtig, wie überall die Kinnladen runtergingen.
III. Allein wie sie das Wort Wolfsburg aussprechen. Wie: Scheiße. Und wenn man darüber spricht, wer denn dieses Jahr absteigen könnte, sagen alle wie aus der Pistole geschossen: "Wolfsburg". Wenn man fragt, warum, sagen sie mit ethisch-ehrlichem Ekel: "Die braucht kein Mensch!" Nach einer neuen Untersuchung ist der VfL Wolfsburg jetzt aber nur noch der zweit-unbeliebteste Bundesligist (Bielefeld hat noch weniger Fans). Und er ist einer von nur vier Superclubs, die nie aus der Bundesliga abgestiegen sind (die anderen sind Hamburger SV, Bayern München und Leverkusen). Als ich das neulich mal wieder zur Verteidigung anführte, lachte mein Gesprächspartner. Ja, sagte er, dieses VW-Tochterunternehmen sei der "solitäre Gegenentwurf zum turbokapitalisierten Fußball des 21. Jahrhunderts, in dem das Geld den Erfolg determiniert". Das klang gut. Ich fragte interessiert: "Wie meinst du das?" Er: "Wolfsburg schafft es, trotz des vielen Geldes unten mitzuspielen."
IV. Bevor ich mit meinem Sohn im Flur spielen darf, muss ich ihm erst sagen, wer ich bin. Ich bin fast immer Diego Fernando Klimowicz. Ich weiß überhaupt nicht, wer ich in Zukunft sein könnte (Klimowicz ist ja nach Dortmund gewechselt). Er ist Kaká. Oder Thierry Henry. Nur manchmal, wenn er ins Tor geht, lässt er sich herab und ist Simon Jentzsch. Aber das ist inzwischen das Äußerste. Diesmal sagte ich – keine Ahnung, warum: "Ich bin Uwe Möhrle." Er lachte sich kaputt.

VI. Unlängst schaute mich ein Freund seltsam an. Ich dachte: Was hat er denn? Dann sagte er: "Hm. Bist du wirklich für Wolfsburg?" Ich schwieg. Was soll man da sagen? Und er grüblerisch: "Vielleicht tust du auch nur so. Ich würde es dir zutrauen." Es klang, als hoffe er es.
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Bevor dieser Thread hier zu eurem Privatchat mutiert, gebe ich auch meinen Senf dazu: Eigentlich finde ich es schon schade, wenn einer von den 2 Clubs SC Freiburg oder 1. FC Nürnberg absteigt. Aber im Zweifelsfall bin ich [...] mehr...
Danke! Der Franz Josef hat in seine Zeit gepasst, der war so wichtig wie 1968. Und dem Glubb wünsche ich ernsthaft auch nichts Übles. Du siehst, Freundschaft ist auch mir etwas wert! Und wenn jeweils nichts mehr geht, ziehen [...] mehr...
Dir und Freiburg die Daumen, auch wenn Du Dich über FJS negativ geäussert hats, Du Schlimmer ! mehr...
Natürlich bin ich in Sorge, ist ja auch kein Wunder. Aber Du kannst gewiss sein. Wenn wir die 2. Liga schon vor Silvester planen müssen: wir tun' s dann gleich richtig. Schon oft erfolgreich geübt, gell! mehr...
Klardoch, ich bin in Sorge! Kein Wunder! Oft wird bei uns die 2. Liga schon im alten Jahr geplant. Dann aber gleich richtig, haben wir schon oft mit Erfolg geübt. Deine Sorgen sind bloss "gestohlene" Punkte. Dabei [...] mehr...
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