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19.07.2007
 

Hymne auf den FSV

Oh Mainz, mein Mainz

Für Hessen ist es eine Todsünde, zum FSV Mainz zu halten. Entweder Eintracht oder OFC, aber bitte nicht 05. Mara Braun hatte jedoch keine Wahl. Sie musste mit dem Karnervalsverein zusammen kommen. Die Beziehung ist eine glückliche, trotz sportlicher Tiefschläge.

Meine Liebe zu Mainz 05 ist eine späte, und manchmal finde ich es schade, dass ich, wenn ich irgendwann mit eigenen Kindern im Fanblock stehen werde, nichts davon erzählen kann, wie mich einst eine erwachsene Hand zum ersten Mal in die Nähe des heiligen Rasens geführt hat. Oder darüber, wie ich auf Papas breiten Schultern meine ersten Spiele gesehen und zu jedem Kindergeburtstag ein neues rotes Trikots bekommen habe. Dann wünsche ich mir seufzend, die gemeinsame Geschichte mit meinem Verein hätte viel früher begonnen.

FSV-Spieler Noveski (oben): Mainzer Urgestein
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DDP

FSV-Spieler Noveski (oben): Mainzer Urgestein

Gleichzeitig weiß ich, es war schlicht nicht möglich, weil ich nicht nur in einer Familie groß geworden bin, für die sich Fußball auf EM und WM beschränkte, sondern zudem in Hessen, wo ich selbstverständlich unmöglich zum Fan des FSV werden konnte. Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was es bedeutet hätte, für mich, für mein Fanherz, wenn ich im zarten Kindesalter einmal mit ins Stadion der Frankfurter Eintracht geschleppt worden wäre. Vermutlich wäre Snooker heute der einzige Sport, für den ich mich noch begeistern könnte.

So musste ich die hessische Heimat erst verlassen und für mein Studium nach Mainz ziehen, um endlich von meinem Verein gefunden zu werden - und zugleich erlöst, aus meinem Leben ohne die Liga. Der Bruchweg war das erste Fußballstadion, das ich in meinem Leben betreten habe und die Mainzer das erste Team, das ich live erlebte. Meine Fußball-Erfahrungen bis dato muteten mit WM-Fernsehabenden neben meinem begeistert auf und ab hüpfenden Vater eher kläglich an. Und zum Spiel der Mainzer bin ich auch nur mitgegangen, weil mir der Mann gefiel, der mir die Karte anbot. Auch wenn ich das heute natürlich nicht gerne zugebe.

Sei es, weil ich zu der Zeit eigentlich in einer festen Beziehung steckte (und zwar nicht mit dem neben mir stehenden Fußballanhänger) oder weil es einfach Zeit war für den Moment des Zaubers, aber im Stadion vergaß ich den Schalschwenker an meiner Seite und verfiel den elf Jungs auf dem Rasen. Nach dem Spiel fühlte sich mein Hals an, als hätte ich über 90 Minuten Metallsplitter geschluckt, meine Arme waren taub, weil ich sie so lange in die Luft gehalten hatte, ich war euphorisiert auf eine mir noch fremde Art und Weise. Etwas hatte sich verändert, wovon ich zu diesem Zeitpunkt recht wenig begriff: Ich war Fan geworden.

Fortan pilgerte ich so oft wie möglich ins Stadion. Meine aus dem völligen Nichts geborene Begeisterung entlockte meiner Umgebung Kopfschütteln. "Was machst du am Wochenende?", wurde ich ungläubig gefragt. "Ich geh' ins Stadion", war meine selbstverständliche Antwort und auf die nachgeschobene Frage, "Und wer spielt?" antwortete ich geduldig: "Na, Mainz, natürlich." Ich selbst habe mein Herz nie dafür in Frage gestellt, dass es dem Verein an jenem ersten Abend binnen Sekunden verfallen war, zu einer Zeit, als ich keine Ahnung hatte: nicht vom Fußball, nicht von der Bundesliga, nicht von den Zielen und Problemen des Vereins, den ich neuerdings so leidenschaftlich mitanfeuerte, nicht von Rückennummern der Spieler, die ich abends in meine Gebete einschloss. Ich hatte schlicht den Pilgerpfad ins Stadion entdeckt und dort mein Zuhause gefunden.

Glaubensbekenntnis

AP
Glaube, Liebe, Hoffnung: Seinen Partner kann man wechseln, seinen Fußballverein nicht. Bei SPIEGEL ONLINE bekennen sich Autoren in der Serie "Glaubensbekenntnis" zu ihren geliebten Clubs.
Dann kam der 25. Mai 2003. Ich erinnere mich, wie ich morgens am offenen Fenster stand und mit mulmigem Bauchgefühl in den Mainzer Himmel schaute. Etwas Unheilvolles lag in der Luft, was ich jedoch zu ignorieren versuchte, als ich mich aufmachte zum Domplatz, um meinen Jungs beim Aufstieg zuzuschauen. Vier Mal traf Benjamin Auer, nur einmal Braunschweig. Rechnerisch waren wir in der ersten Liga.

Nach dem Abpfiff dieser Partie ging ich auf dem Domplatz in die Hocke und wollte, die Arme um eine Freundin gelegt, am liebsten minutenlang die Luft anhalten. Aber das konnte ich nicht, weil ich gebetsmühlenartig "Pfeif ab, pfeif ab!" murmelte, eine Beschwörung, die Schiedsrichter Hartmut Strampe in Frankfurt galt, von dessen Trillerpfeife plötzlich alles abhing. Was folgte, ist längst schon Geschichte. In Frankfurt fielen noch zwei Tore, die Hessen durften anstelle meiner Mainzer in die Bundesliga aufsteigen. Ich erinnere mich nicht an den Rest des Schicksalstages, weil ich so betrunken war wie noch nie in meinem Leben. Und doch, genau im Schmerz jener Momente wurde mir endgültig klar, dass ich diese Mannschaft ewig lieben würde.

Im Mai des nächsten Jahres schafften die 05-Buben dann den Sprung ins Oberhaus. Und statt des allgemein prophezeiten Kurzauftritts haben wir im ersten Anlauf drei goldene Jahre lang oben mithalten können. Nun doch den Gang zurück in die zweite Liga antreten zu müssen, ist ein sportlicher Rückschritt, der natürlich schmerzt, zumal es sich immer noch anfühlt, als sei er vermeidbar gewesen. Aber wie hat Nikolce Noveski, heldenhafter Innenverteidiger mit liga-unabhängiger Vereinstreue so schön gesagt: "Vielleicht muss man manchmal einen Schritt zurück tun, um drei Schritte nach vorne zu kommen." Und uns genügt ja im nächsten Mai schon ein Schritt.

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26.10.2011 von ray4901: FJS und der Glubb

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25.10.2011 von sitiwati: ich drück

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