Als gestern Abend eine halbe Stunde vor Mitternacht die Fußballspieler aus einer mittelböhmischen Kleinstadt auf Sizilien ihren vierten Elfmeter verwandelt hatten, war das italienische Desaster fast komplett. Der FK Mladá Boleslav, Tabellenfünfter der tschechischen Liga, hatte erst die 0:1-Hinspielniederlage gegen US Palermo egalisiert, sich dann im Elfmeterschießen durchgesetzt.
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Dem italienischen Selbstbewusstsein werden diese Pleiten vermutlich dennoch keinen großen Schaden zufügen, schließlich läuft es in der Champions League ganz ordentlich. Der Uefa-Cup indes ist, wenn man die großen Ligen vergleicht, ein Indikator für die Situation des Mittelstands.
Während die exklusive Klasse der Großen (mit ihrem zunehmend gleichen Gesicht) sich in der Champions League misst, gibt der Uefa-Cup Auskunft darüber, in welcher Verfassung sich die zweite Reihe aus den großen Fußballnationen befindet.
Die englischen Blackburn Rovers flogen gegen den griechischen Pokalsieger Larissa raus, während der FC Everton und die Bolton Wanderers gegen Metalist Charkow und Rabotniki Skopje ziemliche Mühe hatten. Eine weitere griechische Mannschaft, die von einem Deutschen trainiert wird, dezimierte das Kontingent einer weiteren großen Fußballnation. Der französische Pokalsieger FC Sochaux scheiterte an Ewald Lienens Mannschaft Panonios Athen, während der RC Lens gegen den FC Kopenhagen ausschied. Und die im Uefa-Cup traditionell starken Spanier verloren mit Real Saragossa einen Teilnehmer ebenfalls gegen ein griechisches Team, Aris Saloniki.
In den vergangenen fünf Jahren erreichten spanische Vereine neunmal das Viertelfinale des Uefa-Cups (und gewannen diesen dabei auch noch dreimal). Keine andere Liga war in diesem Wettbewerb so stark, und auch das spricht dafür, dass die Primera División seit geraumer Zeit die stärkste Liga Europas und damit der Welt ist. Denn hier konzentrieren sich die Kräfte nicht nur auf eine schmale Spitzengruppe, die sich in der Champions League finanziell so gemästet hat, dass der Rest nicht mithalten kann.
Dass die englische Premier League die aufregendste der Welt sein soll, gilt jedoch wohl nur für die "Big Four". Manchester United, Arsenal, Liverpool und Chelsea haben wahrhaftig fantastische Teams, doch mit der Qualität des englischen Fußball-Mittelstandes ist es nicht so weit her. Da kann die Bundesliga locker mithalten, und vielleicht ist das auch gar kein so kleiner Trost angesichts der Schwächen in der Champions League. Es fehlt zwar an der absoluten Spitze, weil die finanzielle Ausstattung nicht reicht. Aber die Reichtümer sind so gut verteilt, dass auch der Tabellensechste noch einen guten Eindruck machen kann.
In Italien ist das nicht mehr so, wo jenseits der beiden großen Clubs aus Mailand und der beiden aus Rom (so wie bald wieder Juventus Turin) der Rest der Liga zur Staffage degradiert ist.
Der in Zürich gescheiterte FC Empoli etwa geht mit einem Gesamtetat von 24 Millionen Euro in die Saison, das sind gerade mal zwei Millionen mehr als Energie Cottbus. Von der Spitze Italiens sind sie damit Welten entfernt. Der AC Mailand bezahlt das Fünffache Empolis allein an Spielergehältern, Inter gibt auch noch gut 110 Millionen Euro für seine Spieler aus, und Juve rund 97 Millionen.
Doch so weit Empoli davon entfernt sein mag, wurde es von einer Schweizer Mannschaft besiegt, die ihre gesamte Saison mit neun Millionen Euro bestreiten muss. Und das sind genau die Überraschungen, zu denen sich die deutschen Teilnehmer in der Champions League gerne einmal aufschwingen dürfen.
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