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11.10.2007
 

Homophobie im Fußball

Wo ist der Wowereit?

Von Peter Ahrens

Vorurteile gegen Schwule und Lesben gehören zum Fußball wie Netzer und Delling. Auf einer Tagung in Berlin sollen sich DFB und DFL gegen Homophobie aussprechen. Die Initiatorin des Treffens hofft, dass sich bald prominente Fußballer outen - wie es ein Politiker vorgemacht hat.

Jürgen Klinsmann wurde in seiner Spielerzeit als Schwaben-Schwuchtel verhöhnt, der Schiedsrichter ist sowieso eine schwule Sau, und unsere Fußball-Weltmeisterinnen sind ja doch ganz hübsch, dafür, dass sie alle lesbisch sind. Jeder kennt sie, diese Fan-Sprüche, und Tanja Walther kann sie im Schlaf herunterbeten. Die frühere Bundesligaspielerin von Tennis Borussia Berlin lässt das Thema nicht los, für den morgigen Freitag lädt sie zum "1. Aktionsabend gegen Homophobie im Fußball" nach Berlin, ein Abend, an dem das Thema Fußball und Homosexualität aus der Tabu-Ecke geholt werden könnte - hofft sie.

Fußballfan Wowereit: Kampf gegen Diskriminierung
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REUTERS

Fußballfan Wowereit: Kampf gegen Diskriminierung

Verbale Attacken und Vorurteile gegen Schwule und Lesben gehören zum Fußball wie Netzer und Delling. Fußball ist nicht die letzte Bastion der Homophobie, aber eine, die verdammt schwer zu knacken ist. Tanja Walther versucht es trotzdem. Die 36-Jährige steht zu ihrer Homosexualität - und damit im Fußball auch reichlich allein da. "Ein Outing im Profifußball, im Moment könnte ich mir das noch nicht vorstellen", sagt die Sportwissenschaftlerin.

Immer wieder gibt es Gerüchte, durch die Internet-Fanforen der Vereine geistert der eine oder andere Name auch von Nationalspielern, der Boulevard giert nach entsprechenden Enthüllungen von Fußball-Promis. Doch offiziell gibt es im deutschen Profimännerfußball keine Schwulen. Ein Witz. Es gibt sie, natürlich, doch sie zeigen sich nicht offen. Stattdessen werden mitunter Biographien mit Freundinnen und Kindern künstlich geschaffen: nur nicht bekennen, nur nicht riskieren, dass man zum Spottbild wird. Walther sagt: "Es muss erst einmal darum gehen, das Thema überhaupt sichtbar zu machen". Immer wieder bekommt sie zu hören: "Ich weiß gar nicht, wo da ein Problem sein soll."

Einen Wowereit des Profifußballs, den würde sich Tanja Walther schon wünschen, einen, der seine Popularität für die Sache nutzt, "aber es muss kein Outing her, um den Kampf gegen die Schwulenfeindlichkeit in den Stadien zu gewinnen." Hilfreich wäre es jedoch allemal.

Zunächst braucht es aber offizielle Rückendeckung. Und da ist Walther schon froh, dass sie für die morgige Fachtagung am Berliner Olympiastadion den Deutschen Fußball-Bund und die Deutsche Fußball-Liga mit ins Boot holen konnte. Sogar, ohne große Überzeugungsarbeit leisten zu müssen. Auch Hertha BSC als Hausherr stellt sich ausdrücklich hinter das Anliegen, Homophobie zu bekämpfen. Am Ende des Abends sollen die eingeladenen Vereine und Verbände eine Erklärung unterzeichnen, in der der Kampf gegen Diskriminierung in jeder Form als Ziel formuliert wird.

"Es gibt beim DFB durchaus den Willen, in diese Richtung etwas zu tun", sagt Walther. Widerstände sind ihr beim Verband bisher noch nicht offen begegnet. Es müsste jetzt nur mit mehr Vehemenz für die Sache gestritten werden, öffentlich und nicht im stillen Kämmerlein, wünscht sie sich.

Stadionverbot für Schwulenfeinde

Wie das gehen könnte, hat der DFB beim Thema Rassismus vorgemacht. Flagge zeigen, das Thema ansprechen, eine Medienkampagne lostreten - und im Fall der Fälle auch Strafen gegen Vereine und Spieler aussprechen: Rassismus gilt mittlerweile zwar nicht als verschwunden, aber zumindest weitgehend als geächtet. "Genau so einen Weg könnte ich mir in Sachen Homophobie auch vorstellen", sagt Walther. Sie kann den Fußball nicht total umkrmepeln, "das Klima in diesem Sport ist manchmal nun mal rau", das weiß sie auch. Aber die kleinen Schritte, die will sie angehen. Wenn dann noch bei der Trainerausbildung bis herunter in den Jugendbereich Wert darauf gelegt würde, dass Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit keine Chance habe, dann sei ihre Mission wahrscheinlich erfüllt.

Andere Länder sind weiter. England zum Beispiel. Zumindest auf dem Papier ist Diskriminierung wegen sexueller Orientierung seit 2001 verboten. Wer schwulenfeindliche Parolen ruft, muss mit Stadionverbot rechnen. "Der englische Fußball ist uns in dieser Hinsicht um Jahre voraus", sagt Walther und erinnert an das offizielle Motto: "Football for all". Das Treffen morgen hat sie dann auch mit dem Slogan "Fußball ist alles" betitelt.

Schwulsein im Männerfußball - das darf nicht sein. Lesbischsein im Frauenfußball - das gilt als normal unter Fußballfans. Für Walther sind diese Vorurteile "im Grunde zwei Seiten derselben Medaille". Auch für die Frauen ist ein Outing dadurch in keinem Fall leichter. Es gibt keine aktuelle Nationalspielerin aus dem WM-Kader, die sich zur Homosexualität bekennt. Die Angst vor dem dann folgenden Karriereknick in der DFB-Auswahl, die Furcht vor dem Verlust der Sponsoren - sie sitzt tief in den Knochen. Für Tanja Walther gibt es noch viel Arbeit.

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insgesamt 169 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.07.2008 von stevowitsch: Na super

Ein bekanntes und sicher richtiges Prinzip, aber muss das auch hier gelten mit all den Dusseligkeiten (Sie sind hier ausdruecklich ausgenommen) und verqueren Ansichten (auch nicht Sie) die hier bis zum schon 6.6. zum Vorschein [...] mehr...

17.07.2008 von G_Merrick:

Das ist es eben nicht! Sonst würde ja keiner, wie Sie weiter oben selbst ganz richtig schreiben, versuchen, "den [schwulen] Spieler ständig nieder zu machen". Und zwar so, dass es "auf die dauer kein noch so [...] mehr...

17.07.2008 von stevowitsch: Faszinosum

Wirklich bemerkenswert. Vom 6.6. bis gestern tat sich hier nix mehr, und jetzt wird anscheinend alles bis zum 6.6. gepostete wiederholt. Alles nochmal von vorne? - Aechz... Leute, lest doch vielleicht mal die aelteren [...] mehr...

17.07.2008 von janos71:

ich denke nicht, dass der fussball an sich schwulen- oder lesbenfeindlich ist. es sind eher die menschen die damit ein problem haben. das problem mit dem outen ist auch verstaendlich, da man sich vorstellen kann wie 20.000 [...] mehr...

16.07.2008 von G_Merrick:

Nein. Aber darum geht es in diesem Thread auch nicht! Nein, siehe oben. In diesem Thread hier geht es um den Umgang mit..., die Bewertung von..., das Ansehen von menschlicher, (für mich noch mehr) männlicher Homosexualität [...] mehr...

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