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23.10.2007
 

Zweitliga-Spitzenderby

Zu viel Drama für Daum

Von Daniel Theweleit, Mönchengladbach

Mit dem begeisternden Spitzenspiel der Zweiten Liga zwischen Mönchengladbach und Köln war nur einer unzufrieden: Christoph Daum. Der Kölner Trainer vermisste die nötige Ruhe auf dem Rasen. Sein Team zeigt aber noch weitaus bedenklichere Schwächen.

Christoph Daum sah müde aus. Langsamer als sonst zuckten seine Augen im Raum umher, angespannt analysierte er das 2:2 seiner Kölner in Mönchengladbach, sprach von "Dramatik" und "Unterhaltungswert", doch Freude schwang nicht mit in seinen Worten. Solcherlei angenehme Gefühle empfindet dieser Mann in der Zweiten Liga offenbar selten. Selbst dieses aufregende Drama, das in der zweiten Halbzeit bei den meisten Anwesenden großzügig Glücksstoffe des hohen Fußballgenusses ausschüttete, blieb bei Daum wirkungslos.

Kölner Abwehr, Gladbacher Angriff: Richtig Spaß gehabt
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AP

Kölner Abwehr, Gladbacher Angriff: Richtig Spaß gehabt

"Das war Kampf, das waren Tore, Emotionen, Gelbe Karten, ein rauf und runter, alles was ein Derby ausmacht", schwärmte der begeisterte Gladbacher und Ex-Kölner Alexander Voigt, der "richtig Spaß" hatte an diesem Abend.

Im Gegensatz zu Daum und seinen Leuten, die immerhin beim Tabellenführer angetreten waren, sagte Voigt, man könne "zufrieden sein". Er hatte den Reiz dieses Spiels in sein Herz hineingelassen. Daum blieb konsequent nüchtern. "Vom Spielverlauf war das in Ordnung, zufrieden bin ich nicht", sagte der Kölner Trainer mit dünnen Lippen.

Der Zauber des Flutlichts, die Faszination der Fans, die sich mit peitschenden Gesängen duellierten, perlten ab an Daum. Dabei bot die faszinierende Szenerie im Nordpark jenes herbstlich-britische Ambiente, das dem Fußballsport angemessener ist als jedes andere. Der Kölner Trainer jedoch haderte. Und das lag nicht daran, dass die erste Halbzeit überhaupt nicht hielt, was das Brimborium im Vorfeld der Begegnung versprochen hatte.

Daum ist ungeduldig, hatte schon vorher von einem "Durchbruchspiel" gesprochen, er fühlt sich überhaupt nicht wohl dort in der Zwischenwelt des Zweitligamittelfeldes. Siebter sind sie nach zehn Spieltagen, eingeklemmt zwischen Wehen-Wiesbaden und Aachen. Das ist nicht Daums Welt. Der Coach, der einst den FC Bayern herausforderte, will mehr. Mindestens in die Bundesliga.

Und so war der Tabellenführer aus Mönchengladbach, der nach Aleksandar Mitreskis Gelb-Roter Karte (61.) gegen zehn Kölner nur einen Punkt geholt hatte, deutlich glücklicher mit dem Verlauf der Dinge als die Kölner. "Vielleicht haben wir heute einen Punkt gewonnen und nicht zwei verloren", sagte Trainer Jos Luhukay, dieser besonnene Gegenentwurf zu den Kölner Verantwortlichen. Seine Augen leuchteten.

Denn in jener Phase zwischen der 57. Minute, als Oliver Neuville das 1:0 für die Borussia erzielte, und seinem Versuch nach 72 Minuten, das 3:2 mit der Hacke zu erzielen, hatte das Spiel zu einem hoch komprimierten Abenteuer verdichtet. Zunächst glich Youssef Mohamad nach einem Freistoß per Kopf aus (60.), dann flog Mitreski vom Platz, in Unterzahl gelang Patrick Helmes das ziemlich überraschende 1:2 (62.), bevor Filip Daems für die Gladbacher ausglich (65.). Es gab wilde Zweikämpfe und reichlich Torchancen auf beiden Seiten. "Nach dem 1:0 haben beide Mannschaften alle taktischen Fesseln abgelegt", sagte Voigt. Daum jedoch mäkelte, dass diese "Dramaturgie etwas überdreht" gewesen sei.

Dabei hätte er froh sein können, dass sein Team im rasenden Auf und Ab gut mithielt. Verglichen mit den Gladbachern oder auch dem SC Freiburg und Greuther Fürth fehlt den Kölnern der Geist einer zumindest auf dem Platz verschworenen Gemeinschaft. Viel zu oft beschimpfen sich die Kölner und erlauben sich abfällige Gesten gegenüber den Mitspielern. Akteure wie Helmes, der lieber heute als morgen nach Leverkusen wechseln würde, oder Ümit Özat, ein Mann mit dem läuferischen Potential eines Landesligaliberos, sind nicht einfach in ein Team zu integrieren.

Voigt, der selbst lange in Köln spielte, befand: "Ich glaube, dass beide aufsteigen können. Wir wegen der mannschaftlichen Geschlossenheit, der FC aufgrund seiner individuellen Stärke." Wohl deshalb war es dem Kölner Manager Michael Meier so wichtig hervorzuheben, dass "dieser Punktgewinn mit zehn Mann ein Sieg für die Moral" gewesen sei. Er weiß: Schon das nächste Spiel gegen den bislang sieglosen Tabellenletzten SC Paderborn am kommenden Sonntag birgt wieder das Potential zur Katastrophe. Alles andere als ein souveräner Sieg würde in der Stadt als Blamage empfunden werden.

In einem Interview hatte Meier vorige Woche erklärt, es gebe in Köln ein Missverhältnis zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Das Team sei "der gefühlte Dritte der ersten Liga", und so lange das so sei, werde man "immer wieder die Problematik haben, dieses Missverhältnis zu überbrücken". Dass er diesen Anspruch mit seinem Gerede von "elitärer Arroganz", die der Club sich aneignen solle, geschürt hat, ist ein weiteres Kapitel der sagenhaften Geschichte von der Kölner Unfähigkeit, eigene Fehler zu erkennen. Aber sicher nicht das letzte.

In Mönchengladbach machte Daum mal wieder den Schiedsrichter verantwortlich, Meier suchte die Schuld beim schlechten Zustand des Rasens. Man hätte sich gewünscht, dass ihnen jemand einen Spiegel reicht.

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