Hamburg - Nationalkeeper Lehmann ist sich keiner Schuld bewusst: "Ich habe den Finger gezeigt? So ein Unsinn. Ich habe so etwas noch nie gemacht", sagte der 38-Jährige nach seinem 50. Länderspiel.
Während des Spiels gegen Zypern, das Deutschland in Hannover souverän 4:0 gewann, hatten Fans den Namen von Ersatztorwart Robert Enke gerufen. Zuvor war Lehmann ein Ausflug aus seinem Strafraum missglückt. Enke spielt in der Bundesliga bei Hannover 96. Als Reaktion auf die Rufe der Fans hatte Lehmann sich an den Kopf gefasst und an der Schläfe gekratzt - mit dem Mittelfinger. Dies ist auf Bildern deutlich zu erkennen.
Unterstützung bekam der Keeper von Theo Zwanziger: "Ich weiß, dass er Respekt vor den Fans hat. Er weiß, dass es keinen Grund gibt, Gesten zu machen, die Fans verletzen können. Ich muss hier mal eine Lanze für Jens Lehmann brechen", sagte der DFB-Präsident. Auch Bundestrainer Joachim Löw nahm seinen Torwart in Schutz: "Jens würde so etwas nie tun. Er gibt ja auch keinen Grund dafür."
Es wäre nicht das erste Mal, dass ein deutscher Nationalspieler wegen einer Geste zu den Fans Probleme bekommt: Bei der WM 1994 in den USA war Mittelfeldspieler Stefan Effenberg vom damaligen Bundestrainer Berti Vogts aus dem Kader geworfen worden, weil er in Dallas Fans den Mittelfinger gezeigt hatte.
Abgesehen von der strittigen Szene bot Lehmann gestern Abend eine überzeugende Leistung. "Jens hat schon gezeigt, dass er eine außergewöhnliche Klasse hat. Er ist im Eins gegen Eins hervorragend, er ist reaktionsschnell, und er ist bei hohen Bällen im Strafraum sicher", sagte Löw.
Nach einer ruhigen ersten Hälfte hatte Lehmann im zweiten Abschnitt mehrmals sein Können demonstriert: Zunächst mit Paraden gegen Efstathios Aloneftis (45./71.) und Ioannis Okkas (58.), ehe er kurz vor dem Ende einen Schuss aus kurzer Distanz von Konstantinos Makridis mit einem schnellen Reflex entschärfte.
"Jens kann das schon abrufen, auch wenn er mal eine Weile keine Spiele hat", sagte Löw. Lehmann ist bei seinem Club FC Arsenal nur Ersatz und steht daher in der Nationalelf unter erhöhtem Druck. Es gilt als unklar, ob Lehmann bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz die Nummer eins im deutschen Tor sein wird.
hut/sid/dpa
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