Es ist die Zeit der Töpfe und Köpfe. Heute werden (Liveticker SPIEGEL ONLINE ab 16 Uhr) im südafrikanischen Durban die WM-Qualifikationsgruppen ausgelost. Muss Deutschland einmal mehr befürchten, in einer Todesgruppe zu landen?
Vorweg ein paar beruhigende Worte: Die Gruppenköpfe richten sich diesmal nicht nach dem Uefa-Koeffizienten, die WM 2010 in Südafrika ist schließlich eine Angelegenheit des Weltverbandes Fifa. Dieser besetzt die Top-Positionen der neun Gruppen gemäß der Position in der Weltrangliste. Als mögliche Gegner des DFB scheiden damit Italien, Frankreich, Spanien, die Niederlande, Kroatien, Portugal, Tschechien und Griechenland aus. Zwei Duelle gegen England, das in die zweite europäische Kategorie abgerutscht ist, wären auf dem Weg nach Südafrika dagegen möglich - und die Zeiten sind vorbei, da dies irgendjemanden hierzulande ins Zittern gebracht hätte. Es sei denn, der englische Trainer hieße Jürgen Klinsmann - derzeit wird ein Nachfolger für Steve McClaren auf der Insel gesucht.
Welche Gegner die DFB-Elf für die Qualifikationsspiele zwischen August 2008 und November 2009 erhält, liegt in den Händen von Marcel Desailly und Abedi Pelé. Der französische Weltmeister von 1998 und der ghanaische Ex-Profi von 1860 München sind die Glücksfeen für die insgesamt neun europäischen Qualifikationsgruppen. Aus acht Sechser- und einer Fünfergruppe qualifizieren sich die Sieger direkt für Südafrika. Die besten acht Gruppenzweiten spielen in einer Playoffrunde die restlichen vier Plätze für 2010 aus.
Bloß keine Relegation
Die Qualifikation zum Turnier 2010, das vom 11. Juni bis 11. Juli stattfindet, beginnt für Deutschland im September 2008, also schon zwei Monate nach der EM und einen Monat nach Bundesligastart. Knapp anderthalb Jahre wird der erhoffte Weg zur WM dauern, der für die Nationalspieler 2009 immerhin mal wieder durch einen ausgedehnten Sommerurlaub unterbrochen wird. Gespielt wird die europäische Qualifikation in neun Gruppen, acht davon mit jeweils sechs Mannschaften und eine mit fünf. Macht 53 Mannschaften, die sich um 13 Startplätze streiten.
Direkt qualifiziert sind die Gruppenersten, die acht punktbesten Zweiten ermitteln in Relegation mit Hin- und Rückspiel die restlichen Starter. Deutschlands letzte Erfahrung mit dieser unliebsamen Verlängerung datiert aus dem Jahr 2001: Damals setzte sich die Mannschaft um Teamchef Rudi Völler gegen die Ukraine 1:1 und 4:1 durch und durfte zur WM 2002 fahren.
Auch wenn die deutsche Mannschaft nicht auf die vermeintlichen Größen des Weltfußballs treffen kann, wird der Druck doch sehr hoch. Denn neben dem neu gewonnenen Prestige der vergangenen zwei Jahre gilt es eine besondere Serie zu verteidigen: Noch nie ist ein DFB-Team in der WM-Qualifikation gescheitert.
"Wir müssen Afrika eine Chance geben"
Afrika erhält von den 32 Endrundenplätzen sechs inklusive des automatisch qualifizierten Gastgebers Südafrika. Asien und Südamerika erhalten vier Startplätze, drei gehen nach Nord- und Mittelamerika. Der Ozeanien-Meister trifft im Kampf um die beiden letzten Plätze auf den Fünften der Asienqualifikation, der Südamerika-Fünfte misst sich mit dem Nord-/Mittelamerika-Vierten.
Die Rekordzahl von 199 Mannschaften bewirbt sich um die noch 31 freien WM-Plätze. 155 von ihnen bekommen heute ihre Gegner für die Qualifikation zugelost. Die jeweils zehn Teams aus Südamerika und Ozeanien spielen bereits in einem Ausscheidungsmodus, der keiner Auslosung bedarf. 24 weitere Teams aus Afrika und Asien sind bereits in einer Vorqualifikation gescheitert. Jeweils ein Profi des jeweiligen Kontinents - darunter die früheren Bundesliga-Profis Kasey Keller (USA) und Ali Daei (Iran) - ziehen die Lose für die einzelnen Kontinentalverbände.
Für die Reisegruppe des Deutschen Fußball-Bundes um Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Teammanager Oliver Bierhoff sowie Assistenzcoach Hans-Dieter Flick ist der Kurztrip ein Südafrika-Schnupperkurs. "Es wird eine ganz andere WM. Damit müssen die Beteiligten, aber auch die Zuschauer rechnen. Nach den Straßenfesten in Deutschland wird es aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen sicher ganz anders sein. Aber wir müssen den Kontinent Afrika und dem Land die Chance geben", sagte Bierhoff. Gleich nach der Auslosung will die DFB-Crew Kontakt zu den Gegnern aufnehmen, um Details für die Qualifikationsduelle zu besprechen.
mit Material von sid und dpa
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