Leider ist es nur ein Freundschaftsspiel, wenn der VfB Stuttgart heute in der Champions League beim FC Barcelona antritt (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). Der Deutsche Meister ist bereits ausgeschieden, die Spanier sind für die nächste Runde qualifiziert, und so ist es höchstwahrscheinlich, dass die Zuschauer nicht alle Stars von Barça zu sehen bekommen.
An der ganz besonderen Spielweise der Katalanen wird das allerdings nichts ändern, denn die Mannschaft von Frank Rijkaard gehört zu denen in Europa mit einem unverwechselbaren Stil. Während etwa der FC Arsenal auf seine Highspeed-Kombinationen setzt, zeigt der FC Barcelona ein einzigartiges Kreiselspiel. Und das ist schon deshalb so schwer zu kopieren, weil an die Spieler höchste Anforderungen in Sachen Ballkontrolle gestellt wird.
Zwar spielt sich der FC Barcelona vermeintlich gemütlich über viele Stationen den Ball zu - wie auch die erste Animation aus einem Punktspiel dieser Saison gegen Osasuna zeigt - aber die Spieler sind dabei immer nur kurz am Ball. Meist wird er direkt weitergespielt und dabei oft so hart auf den nächsten Mitspieler gepasst, dass nur außergewöhnlich gut ausgebildete Profis diese Zirkulation in Gang halten können. Es entsteht ein anspruchsvoller Kombinationsfluss in der eigenen oder im ersten Teil der gegnerischen Hälfte, der mitunter an das Kreisspiel im Handball erinnert.
Dieses folgt keinem Selbstzweck, sondern ist für jeden Gegner physisch und psychisch höchst anstrengend, weil Barcelona die ganze Breite des Spielfelds nutzt. Die Mannschaft verlagert immer wieder das Spiel von einer Seite des Platzes auf die andere. Darum ist es kein Zufall, dass sie häufig in den Schlussminuten des Spiels zu Toren kommt, wenn die Gegner nicht mehr in der Lage sind, die notwendige läuferische Arbeit zur Abwehr aufzubringen oder ihre Konzentration erschöpft ist.
Das Spiel gezielt breit anzulegen, gehört zur holländischen Fußballschule, die seit Johan Cruyff beim FC Barcelona gepflegt wird. Die Katalanen sind neben dem holländischen Nationalteam die einzige Mannschaft auf europäischem Spitzenniveau, die fast immer mit drei Spitzen spielt. Allerdings sind die beiden nominellen Außenstürmer Ronaldinho und Messi (im Beispielvideo Giovani) keine typischen Flankengötter, sondern ziehen immer wieder auch in die Mitte. Linksfuß Messi kommt erstaunlicher Weise von rechts, während Rechtsfuß Ronaldinho über die linke Seite kommt.
Interessant ist auch, welches Muster diese Zirkulation und dieses Breitmachen des Spielfelds noch hat. Zumeist baut Barça die Angriffe durch die Mitte auf, und das ist ganz anders als man es aus der Bundesliga kennt, wo schon früh auf die Außenpositionen gespielt wird. Das passiert bei Barça erst im letzten Spieldrittel, denn so hat man drei Optionen (rechts, links, in die Mitte), während es über außen nur zwei sind.
Das Gegenstück zu diesem langen Weg zum Tor ist in der zweiten Animation zu sehen, die ebenfalls aus dem Punktspiel gegen Osasuna stammt. Zu den oft übersehenen Qualitäten des FC Barcelona gehört das schnelle Zurückgewinnen des Balles. Auf dem Weg zum Gewinn der Champions League 2006 erzielten sie zehn Prozent ihrer Tore innerhalb von drei Kontakten nach Balleroberung. Das Team stürzte sich nach Ballverlust also sofort auf den Gegner, und war bei erfolgreicher Rückeroberung gefährlich in der anfälligen Zone des Gegners. Allerdings lauern inzwischen einige Mannschaften darauf, Barça gerade in solchen Situationen auszukontern.
Vielleicht gelingt das heute sogar dem VfB Stuttgart, so wie es die Basken aus Osasuna schafften, den großen Gegner am Torerfolg zu hindern. Das Gastspiel des FC Barcelona endete torlos.
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