Von Christoph Ruf
Leipzig - Der Sportbürgermeister der Stadt Leipzig hat ein Problem, ein Wahrnehmungsproblem: Denn Heiko Rosenthal hat in der "Chemnitzer Freien Presse" behauptet, es gebe "kein Problem mit der Gewaltbereitschaft im Leipziger Fußball", allenfalls eines mit der medialen Berichterstattung. Und überhaupt: Auch anderswo werde bestimmt "schon mal eine Fankneipe überfallen".
Um diese Äußerungen einzuordnen, muss man die Bilanz der vergangenen Wochen anschauen. Am Wochenende gab es beim bewaffneten Überfall einer Leipziger Fangruppierung auf eine andere mehrere schwer Verletzte und mehrere Zehntausend Euro Sachschaden. Viele Opfer sind noch heute in ärztlicher Behandlung, andere stehen unter Schock und sind noch nicht in der Lage, wieder zur Arbeit zu gehen.
Ein paar Wochen zuvor blieb es beim Aufeinandertreffen der beiden Teams nur deshalb bei einer einzigen gravierenden Massenschlägerei, weil 1200 Polizisten die beiden Fangruppen strikt voneinander trennten. Das sind – bei einem Fünftliga-Duell – mehr Beamte, als anderorten in einem gesamten Bundesland pro Spieltag angefordert werden.
Kennt Rosenthal diese Relationen nicht? Dann wäre er als Sportbürgermeister inkompetent. Oder verschweigt er sie? Dann wäre er als Exponent einer öffentlichen Verwaltung untragbar.
Mittlerweile hat Rosenthal reagiert und in der Online-Ausgabe der "Leipziger Volkszeitung" ein paar relativierende Worte gewählt. Leipzig habe ein Problem mit Gewaltbereitschaft, räumte er ein, "aber nicht im Fußball". Denn für ihn seien "diese Chaoten keine Fans", sie würden lediglich unter dem Deckmantel des Fußballs "nicht nur gegen andere Fans, sondern vor allem gegen die öffentliche Ordnung vorgehen".
Natürlich gebe es Hooligan-Bewegungen "gerade in den beiden Vereinen Lok Leipzig und FC Sachsen, die in keinster Weise toleriert werden könnten", so Rosenthal weiter. Der Bürgermeister nennt die erhöhte Gewaltbereitschaft aber ein gesellschaftliches, gesamtdeutsches, nicht Leipzig-spezifisches Problem, das auch nicht auf den Fußball zu reduzieren sei.
Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass da einer die Tragweite seiner Aussagen erkannt hat und nun versucht, das Gesagte wieder einzufangen - ohne in der Sache die Meinung zu ändern. Denn Rosenthal revidiert nicht, sondern relativiert, wo er hätte deutlich werden sollen. Er pauschalisiert, indem er Leipziger Fußballfans jede Gewaltbereitschaft abspricht und jedem Hooligan, ein Fußballfan zu sein.
Mit seinen Äußerungen hat er zumindest eines bewirkt: Fans der beiden rivalisierenden Stadtvereine haben sich spontan zusammengetan und fordern nun den Rücktritt des Politfunktionärs.
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