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12.12.2007
 

Kahns Abschiedstour

Der traurige Niedergang des Tor-Titanen

Von Frieder Schilling

Ausgerechnet auf der Zielgeraden geht ihm die Puste aus: Von einem stilvollen Abgang der Marke Scholl ist Oliver Kahn weit entfernt. In seinem letzten Bundesliga-Jahr erlebt der einstige Titan herbe Rückschläge. Die Bayern feiern schon seinen Nachfolger.

Abschied zu nehmen ist für Profisportler selten einfach. Oft vermissen sie das Rampenlicht, es fehlt ihnen noch ein Titel, hinter dem sie jahrelang hinterhergelaufen sind, oder sie werden durch eine Verletzung zum Aufhören gezwungen. Viele kommen noch einmal zurück, oft erfolglos, wenige schaffen einen befriedigenden Übergang ins Leben ohne Fans und mediale Begleitung. Bayerns Torwart Oliver Kahn steht diese Prüfung am Ende der laufenden Saison bevor. Die Vorbereitung läuft bisher unbefriedigend.

Die gestrige Suspendierung durch Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld war ein weiterer Kratzer in Kahns letztem Jahr als aktiver Sportler. Nach 20 Spielzeiten in der Bundesliga hatte er sich die Hinrunde seiner Abschiedstournee durch die Stadien der Republik und des Kontinents zweifellos anders vorgestellt. Applaus in fremden Arenen, wie ihn beispielsweise Mehmet Scholl bei seinem Abschiedsjahr genießen durfte, oder auch Thomas Häßler bei seinen letzten Karrieredribblings, konnte er sowieso nicht erwarten. Dafür stand er zu lange als Symbol für das Feindbild FC Bayern.

Von der Vorstellung, noch einmal Glanzparaden in den großen europäischen Arenen zu zeigen, musste sich Kahn bereits am Ende der vergangenen Saison verabschieden. Bayern qualifizierte sich erstmals nach zehn Jahren nicht für die Champions League. Somit reiste der stolze Bayerntross im Uefa-Cup dieses Jahr bereits zweimal nach Portugal. Madrid, Mailand und Manchester wird Kahn wohl nur noch privat oder als Funktionär besuchen. Demütigenderweise kommt hinzu, dass sich der Weltpokalsieger von 2001 vor dem letzten Spiel in der Gruppenphase den Einzug in die K.o.-Runde nicht sicher sein kann. Am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) benötigt der Club ein Unentschieden im Heimspiel gegen Aris Saloniki, um das Weiterkommen aus eigener Kraft zu sichern.

Kahn wird dann seinen Sessel ("Ich schaue das Berlin-Spiel im Fernsehen") wieder verlassen und seinen angestammten Platz eingenommen haben. "Gegen Saloniki steht er wieder im Tor", sagte Hitzfeld und gab seinem Kapitän noch folgende Garantie: "Oliver bleibt die Nummer Eins." Sein designierter Nachfolger Michael Rensing wird derweil auf der Bayern-Homepage mittels einer fettgedruckten Zwischenzeile als "Gutes Omen" angepriesen. Während Kahn die Spieltage acht bis elf sowie zwei Uefa-Cup-Begegnungen und ein DFB-Pokal-Spiel nach einer Ellenbogenoperation verpasste, glänzte Rensing. "In sieben Spielen feierte der 23-Jährige dabei sechs Siege und ein Remis" heißt es auf der Homepage. "In den 17 Spielen, die er (...) bislang in der Bundesliga für den Rekordmeister bestritt, ging er noch nie als Verlierer vom Platz."

"Musste ein Zeichen setzen"

Hitzfeld verteidigte heute seine Maßnahme gegen Kahn. "Ich musste ein Zeichen setzen", sagte er. Kahn habe mit seinem frühen Verlassen der Weihnachtsfeier und kritischen Äußerungen über Teamkollegen seine Vorbildfunktion verletzt. "Das müssen wir unterbinden, sonst haben wir hier ein Irrenhaus", sagte Hitzfeld. Er kündigte an, einen Verhaltenskodex für die Bayern-Profis zu erstellen.

Für Kahn machen sich Torwarttrainer Sepp Maier und der frühere Bayernspieler Stefan Effenberg stark. Der 63-jährige Maier sagte in der "Bild"-Zeitung: "Hier herrscht nach den letzten schwächeren Wochen eine ungeheure Nervosität. Diese Maßnahme ist absolut überzogen." Effenberg nannte die Entscheidung Hitzfelds "sehr, sehr unglücklich" und "unfassbar". Außerdem prognostizierte er: "Das Standing von Olli ist dadurch nicht mehr unantastbar. Die Hierarchie ist völlig durcheinander gewirbelt. Man müsste ihm ja jetzt auch - wenn das Vergehen für die Bayern wirklich so schlimm war - die Kapitänsbinde wegnehmen." Kahn werde Kapitän bleiben, teilte Hitzfeld heute mit.

Und so wird Kahn spätestens mit Start der Rückrunde wieder beginnen, seine Mannschaft zu motivieren. Er will möglichst mit drei Titeln - Deutscher Meister, Uefa-Cup- und DFB-Pokalsieger - im Gepäck in den Flieger nach Asien steigen, wo er als Torwarttrainer seine Karriere nach der Karriere plant. Er gelobte gestern zwar "der Mannschaft gegenüber wieder positiver auftreten" zu wollen, wird Nachlässigkeiten und mangelnden Einsatz aber weiterhin nicht akzeptieren. Schon beim letztlich enttäuschenden 1:1 bei Sporting Braga war Kahn nach einer Attacke von Bragas Roland Linz dem Österreicher zu Motivationszwecken fast an die Gurgel gegangen. "Ich hatte das Gefühl, dass es einen Hallo-Wach-Effekt gibt", sagte Kahn damals.

Der Torhüter selbst schien diese Saison erst einmal zu schlafen. In Stuttgart (1:3) sah er beim vorentscheidenden 0:2 durch Yildiray Bastürk nicht gut aus. Es war Bayerns einzige Niederlage in 21 Begegnungen. Eine erfolgreiche sportliche Bilanz. Und doch bleibt diese Aktion stärker im Gedächtnis haften, als die vielen fehlerlosen Partien - Schicksal in einem lang angekündigten Abschied.

mit Material der dpa

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insgesamt 52 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.12.2007 von Orianus:

Ich weiß nicht, ob es sich die Bayern wirklich erlauben können, in dieser Situation auch noch ihren Kapitän zu demontieren, wo man händeringend nach einem Leader im Gefüge sucht. Allerdings: Kahn findet in der Mannschaft [...] mehr...

15.12.2007 von 665g: Kahn

Ich bin kein Bayern Fan. Meine Mannschaft ist Tabellenführer in der zweiten Liga. Aber wenn ich sehe wie der meines er achtens gute Torhüter Rensing teilweise durch den Strafraum läuft, sollte man doch schon froh sein einen so [...] mehr...

14.12.2007 von matthias schwalbe:

Es ist nur ein Zeichen ! Und zwar ein sehr Schwaches -der Vereinsfuehrung ! Oder glauben die Fussballfans im ganzen Lande,dass dem Ulli H. nicht der" Arsch auf Grundeis geht" wenn er zur naechsten [...] mehr...

14.12.2007 von spdf: ?

Das Kahn mal ein Spiel aussetzt ist das so eine tolle und interessante Nachricht? mehr...

13.12.2007 von lentri:

Endlich mal was gutes hier. Ich finde alles was die Bayern schwächt ist willkommen. Weihnachten wird perfekt, Bayern spielt trotz Millionenzukäufe sche*ße, Hitzfeld weiß nicht mehr wohin und Kahn suspendiert. mehr...

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