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02.01.2008
 

Bayern-Trainer

Warum Hitzfeld schon jetzt gehen sollte

Von Christian Gödecke

Bayern München und Ottmar Hitzfeld werden sich trennen - nach Saisonende. Doch der Trainer täte gut daran, sich schon vorher zu verabschieden. Gewinnen kann er nicht viel, aber verlieren eine Menge: Stolz, Ansehen und seine Gesundheit.

Man kann Uli Hoeneß genau genommen keinen Vorwurf machen, er hat nur sein Wort gehalten. Vor Weihnachten hatte der Bayern-Manager über Trainer Ottmar Hitzfeld gesagt, beide Seiten wüssten, "was wir voneinander zu halten haben und wie die Zukunft aussieht. Aber wir sagen es trotzdem erst im Januar".

Bayern-Trainer Hitzfeld: Aus im Juni
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Getty Images

Bayern-Trainer Hitzfeld: Aus im Juni

Um kurz nach Mitternacht, der Januar war erst ein paar Minuten alt, stand Hoeneß auf dem Münchner "Platzl" und bestaunte das von ihm gesponserte Feuerwerk, als ein "Bild"-Mann ihn angeblich zufällig in der Menschenmenge erspähte und die Frage stellte, die "seit Wochen Fußball-Deutschland unter den Nägeln" brenne: "Herr Hoeneß, was passiert mit Trainer Ottmar Hitzfeld?" Der Feuerwerk-Spender antwortete, Hitzfeld werde gehen, im Juni.

Der Verein kennt Hitzfelds Entscheidung schon seit drei Wochen, nun weiß auch Fußball-Deutschland Bescheid und hat ein brennendes Problem weniger. Und die Bayern? Sie sind 2008 in die Offensive gegangen. Eigentlich wollte Ottmar Hitzfeld erst am Monatsende mitteilen, welche Entscheidung er für seine Zukunft getroffen hat. Hitzfeld hätte gesagt, er werde die Bayern "im Guten" verlassen und Nationaltrainer in der Schweiz oder Fernsehexperte werden. Das hätte souverän gewirkt, beide Parteien hätten ihr Gesicht gewahrt. Aber diesen Gefallen tat man ihm nicht.

Die Art und Weise, wie der Abschied des Trainers nun bekannt wurde, passt zum Verhältnis Bayern/Hitzfeld. Das ist, wenn es denn überhaupt noch abseits eines Arbeitsvertrages existiert, auf beiden Seiten auf Tiefkühltemperatur abgekühlt.

Unzählige Angriffe aus den Reihen der Münchner Chefetage haben die Autorität Hitzfelds beschädigt, Höhepunkt war die Kritik von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nach dem 2:2 gegen die Bolton Wanderers. Danach wirkte der Coach ("Das muss man erstmal wegstecken") wie ein Boxer nach einem Tiefschlag.

Irgendwann in diesen Tagen muss Hitzfeld dann genug gehabt und seine Entscheidung getroffen haben. Er schien nach dem 6:0 gegen Saloniki sogar Spaß dabei zu haben, über seine Zukunft nichts - und doch alles zu sagen. Er wisse schon, "wie es weiter geht. Aber ich werde den Bayern meine Entscheidung erst Ende Januar mitteilen", erklärte Hitzfeld, der dann doch früher reinen Tisch machte. "Mein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2008, die Rückrunde werde ich auf jeden Fall bei den Bayern sein." Er hatte zuvor Oliver Kahn für ein Spiel suspendiert, und er würde sagen, was er in Zukunft tue. Hitzfeld war in diesen Tagen in einer starken Position.

Nach Auffassung der Bayern-Verantwortlichen hat er es danach aber etwas übertrieben mit der Opposition. Vor Weihnachten hatte Hitzfeld dem Schweizer Magazin "L'Illustre" gesagt, die Arbeit als Schweizer Nationaltrainer habe ihn "schon immer interessiert. Die Bundesliga ist nicht alles." Er traf sich mit einem Abgesandten der Schweizer "Nati", ein "Geheimtreffen" nannte das die "Bild"-Zeitung - auch wenn der Schweizer Ernst Lämmli von einem "unverbindlichen Gespräch" sprach, man kenne sich seit 25 Jahren. Hitzfeld griff damit als Erster der Vereinbarung vor, erst im Januar alles öffentlich zu machen.

Das Ende der Zusammenarbeit offiziell zu verkünden, wollte sich der Verein, in dem die Trainer nie größer waren als der Vorstand, aber nicht auch noch nehmen lassen. Die Zweifel waren ohnehin gewachsen an dem Mann, den man nach der Entlassung von Felix Magath für geeignet hielt, die in Toni, Klose oder Ribéry investierten zig Millionen in schnelle Erfolge umzuwandeln. Nach großartigem Saisonstart folgten spielerisch schwache Leistungen und torlose Unentschieden - etwas, wovon die Bayern-Verantwortlichen eigentlich glaubten, es sei nicht im Lieferumfang der Stareinkäufen inbegriffen. Verantwortlich für die biederen Darbietungen machte man vor allem das Rotationsprinzip des Trainers - und das auch noch öffentlich.

Schon vor vier Jahren hatten die Bosse den Coach nach und nach demontiert. Aber als er 2004 zum ersten Mal ging, verhärmt und ausgezehrt, da verabschiedete er sich noch als "Freund", als Begründer einer Ära Kahn-Effenberg-Elber und Sieger der Champions League. Im Juni 2008 werden die Danksagungen nüchterner ausfallen. Im besten Fall wird er als Trainer gelten, der mit einer sündhaft teuren Truppe den Uefa-Cup gewonnen hat oder Meister wurde. Wenn er es überhaupt bis zum Saisonende schafft. Gewinnen kann Hitzfeld nicht viel.

Verlieren kann er hingegen eine Menge: Ihm droht weiterer Autoritätsverlust bei jeder Niederlage - und auch vor einer Entlassung wäre der Mann trotz seiner Verdienste nicht sicher. Der feststehende Abschied des Übungsleiters bietet dem Team zudem ein perfektes Alibi für schlechte Leistungen. Vor allem aber würde Ottmar Hitzfeld erneut seine Gesundheit riskieren.

Stattdessen täte er gut daran, schon jetzt zu gehen. Das wäre eine Entscheidung, die er selbst in der Hand hat.

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Die neuesten Beiträge:
14.01.2008 von mister_a:

Borowski ist kein van der Vaart, sprich Spielmacher. Er ist eine individuell mit Hang zur Offensive tätige Arbeitskraft im Mittelfeld. Von der Anlage vielleicht ähnlich wie Ballack, aufgrund siener Lauftsärke aber auch auf den [...] mehr...

14.01.2008 von Fidel Castr(at)o:

Ein Schlaudraff oder ein Sosa (von dem übrigens ne Menge halte, ich hoff dass er sich nach ner verletzungsfreien Vorbereitung richtig gut entwickelt - man hat ihn bislang leider wirklich zu selten gesehn - gegen China (gut, wer [...] mehr...

14.01.2008 von Tomislav:

Ich würde jetzt nicht ganz so weit gehen, und einen Schlaudraff einem Borowski in guter Form vorziehen. Das gleiche gilt für Sosa, wobei man von dem auch noch nicht genug gesehen hat, um darüber zu urteilen. mehr...

14.01.2008 von Fidel Castr(at)o:

Ich glaub auch eher dass man in Borowski einen Kandidaten für die Ze Roberto oder v. Bommel Nachfolge sieht... offensiv glaube ich nicht dass er neben Altintop, Schweinsteiger, Ribery, einem in Form kommenden Sosa, einem Kroos [...] mehr...

14.01.2008 von lofi:

Diese Frage habe ich mir auch gestellt. Außer im ersten Spiel bei der WM, als er Ballack vertrat, war er immer als Ersatz für Schweini dabei. Aber er hat erstmal die sichere Variante (mehr Geld) gewählt. mehr...

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