Hamburg - Bei einem Neujahrsempfang der HypoVereinsbank, die zu den Hauptsponsoren des FC Bayern zählt, soll Uli Hoeneß laut "Bild"-Zeitung gesagt haben: "Unvorstellbar, was da bei den Heimspielen des 1. FC Kaiserslautern auf der Tribüne abging. Kurt Beck und seine Frau haben alles beleidigt, was aus München kam."
Beck wollte sich zu dem Vorwurf nicht äußern. Er ist als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und begeisterter Anhänger des 1. FC Kaiserslautern seit Jahren regelmäßig bei Spielen des Clubs auf der Ehrentribüne zu Gast. Als der derzeitige Zweitligist noch in der Bundesliga spielte, herrschte bei Heimspielen gegen den FC Bayern stets eine hitzige Stimmung.
Über den Angriff von Hoeneß wundert man sich in der Mainzer Staatskanzlei dennoch. Pressesprecher Walter Schumacher, der Beck oft zu den Spielen des FCK begleitet, sagte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE: "Keiner kann sich erinnern, dass Herr Hoeneß je in Kaiserslautern auf der Tribüne gesessen hat. Der ist doch immer auf der Trainerbank." Dann greift er den Bayern-Manager wegen seiner mehrfach offen vorgetragenden Sympathiebekundungen für die CSU an: "Hoeneß ist zwar schwarz wie früher die Trikots der Schiedsrichter, aber er sollte doch mal die Ruhe bewahren."
Dass der Ministerpräsident auf der Tribüne jemals gegen den FC Bayern gepöbelt habe, bestreitet Schumacher: "Kurt Beck fiebert mit und springt auf, wenn ein Tor fällt, natürlich. Aber das ist alles im Rahmen." Für Hoeneß' Groll hat Schumacher eine ganz persönliche Erklärung: "Der stand ja 1973 in der Bayern-Mannschaft, die nach einer 4:1-Führung noch 4:7 in Kaiserslautern verloren hat. Vielleicht hat er das bis heute nicht verwunden."
Der "Bild"-Zeitung hatte Schumacher gesagt: "Kurt Beck und Rosi Beck sind Fußballfans. Und es ist ja bekannt, dass Herr Hoeneß die Fans hasst - siehe die letzte Bayern-Versammlung." Der Sprecher bestätigte auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE diesen Vorwurf.
Hoeneß hatte auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern im vergangenen November kritische Fans für die "Scheißstimmung" in der heimischen Allianz-Arena verantwortlich gemacht und ihnen wütend vorgehalten, billige Polemik gegen die Einrichtung von teuren Logen zu betreiben - die aus Hoeneß' Sicht erst ermöglichen, auch Eintrittskarten für sieben Euro anzubieten.
Beim FC Bayern war bislang niemand zu erreichen, der die Aussagen von Hoeneß kommentieren wollte. Bereits 2002 waren Hoeneß und Beck aneinander geraten. Damals hatte der SPD-Politiker das Engagement der Telekom als Bayern-Sponsor als "Wettbewerbsverzerrung" kritisiert.
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