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14.01.2008
 

Fan-Gewalt

Polizei soll Randalierer mit Drohnen überwachen

Von Christoph Ruf

Sachsen gegen Hooligans: Das Innenministerium will gewaltbereite Fußballfans künftig mit unbemannten Aufklärungsflugzeugen beobachten. Die Aktion ist Teil eines neuen Maßnahmenkatalogs - der gleich mehrere umstrittene Ideen enthält.

Hooligan-Angriffe auf die Polizei in Dresden, gleich zwei bewaffnete Überfälle auf Weihnachtsfeiern rivalisierender Fans in Leipzig: Was im Freistaat Sachsen allein in den vergangenen vier Wochen im Zusammenhang mit Fußballgewalt passierte, stellt die Bilanz aller anderen Bundesländer in den Schatten.

Randalierende Fußballfans: In Zukunft aus der Luft gefilmt
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DPA

Randalierende Fußballfans: In Zukunft aus der Luft gefilmt

Die Politik bemüht sich zu zeigen, dass sie noch Herr der Lage ist. "Wenn wir gemeinsam mit den Vereinen die Ausschreitungen bei Fußballspielen nicht in den Griff kriegen, befürchte ich einen weiteren Imageverlust für Sachsen und die Nichtberücksichtigung bei der Vergabe von internationalen Spielen", sagte Innenminister Albrecht Buttolo (CDU).

Um das zu verhindern, werde man künftig noch massiver gegen die Gewalttäter vorgehen. So soll eine sogenannte Drohne angeschafft werden. Eine ziemlich spektakuläre Maßnahme, wenn es um Fußball geht: Drohnen, mit Videokamera versehene unbemannte Aufklärungsflugzeuge, werden normalerweise vom Militär genutzt, beispielsweise zur Feindbeobachtung. Bei der Bundeswehr kamen diese Drohnen im Kosovo-Krieg zum Einsatz.

Dass man demnächst auf eine Drohne zurückgreifen könne, habe die Polizei in Leipzig "auch erst heute Morgen erfahren", sagte Sprecher Andreas Loepki zu SPIEGEL ONLINE. "Wir werden die aber gegebenenfalls natürlich einsetzen." Erfahrungen mit der neuen Gerätschaft hat man bisher in Leipzig nicht. Wie andernorts auch setzte man bei Bedarf Hubschrauberstaffeln ein.

Der Rest des martialisch anmutenden Maßnahmekatalogs entpuppt sich allerdings bei genauerem Hinsehen als Aufzählung von Maßnahmen, die bereits durchgeführt werden. Zivilbeamte werden schon lange flächendeckend eingesetzt, das Gleiche gilt für die "gemeinsamen Sicherheitsberatungen" zwischen Polizei, Vereinen und Verbänden. Zudem sollen alle 500 im Lande registrierten Hooligans Meldeauflagen bekommen. Auch das wurde bereits während der WM exerziert.

Ein weiteres Problem: Die beiden Überfälle von Leipzig wurden nicht von erfassten Hooligans, sondern von Fangruppierungen aus dem Ultraspektrum begangen. Und das völlig unabhängig von einem Spieltag - Meldeauflagen hätten hier also auch nicht gegriffen. Auch die propagierte "konsequente Erteilung von Stadionverboten" lässt Fragen offen. So ist sie nicht viel mehr als ein Eingeständnis, dass die Erteilung bislang inkonsequent war. Das allerdings wäre verwunderlich, alleine bei Dynamo Dresden haben etwa 450 Personen bereits jetzt Stadionverbot.

Ebenfalls gut gemeint, aber wirkungslos dürfte die begleitende Imagekampagne fallen. Fünf Spieler der maßgeblichen sächsischen Vereine posieren da auf einem Poster mit dem Slogan "..dann zieh unser Trikot aus". Egal, ob die Gewalttäter aus dem Hooligan- oder aus dem Ultraspektrum kamen - Trikots tragen weder die einen noch die anderen. Und Spieler sind für beide Gruppierungen keine Autoritätspersonen, sondern potenzielle Fahnenflüchtige, die beim nächstbesten Angebot den Verein wechseln.

Ministeriumssprecher Steffen Große bestätigt jedoch auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, dass zusätzlich zu dem Arsenal an repressiven Maßnahmen eine alte Forderung der kritischen Fanszene umgesetzt wird. 300.000 Euro aus Landesmitteln will die sächsische Landesregierung künftig in Fanprojekte investieren. Bislang hatte sich das CDU-geführte Sachsen hartnäckig geweigert, die sozialarbeiterisch tätigen Einrichtungen nachhaltig mit zu finanzieren. Dass der Sinneswandel tatsächlich ein Sinneswandel ist, dementiert man allerdings im Innenministerium: "Uns war schon immer bewusst, dass man neben der Repression auch präventiv arbeiten muss", so Große. Die entscheidende Initiative, dem Bewusstsein endlich auch Taten folgen zu lassen, sei indes von Klaus Reichenbach, dem Präsidenten des sächsischen Fußballverbandes, gekommen. "Wir haben das Geld dann beschafft."

Christian Kabs vom Dresdner Fanprojekt zeigte sich dann auch einigermaßen überrascht, als er von SPIEGEL ONLINE auf den nahenden Geldsegen angesprochen wurde. Die Nachricht aus dem Innenministerium, die Sprecher Große als "taufrisch" bezeichnete, war offenbar so brandneu, dass sie auch die Betroffenen überraschte. "Das ist natürlich eine tolle Sache, dass da Einsicht eingekehrt ist", sagt Kabs, "dafür haben wir schließlich jahrelang gekämpft".

Noch Ende Dezember hatte man den dritten Mitarbeiter des Fanprojektes verabschieden müssen. Sein Vertrag konnte nicht verlängert werden, da das Land ein Modellprojekt auslaufen ließ und seine Unterstützung komplett strich. Der Kollege war unter anderem für die gewaltpräventive Arbeit an Schulen zuständig. Ein Bereich, der bislang wegzufallen drohte. Vielleicht könne man sich also künftig wieder verstärkt der Arbeit mit den 12- bis 16-Jährigen widmen, so Kabs. "Ich glaube das alles aber erst, wenn ich es schwarz auf weiß vor mir sehe."

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18.01.2008 von Carsten31:

Das wird oft als Druckmittel gefordert. Es wird nur leider übersehen, daß die Vereine keine große Möglichkeit haben, auf diese Leute einzuwirken. Die Jungs, die wirklich Randale wollen, wird man nicht damit erreichen, daß man [...] mehr...

18.01.2008 von Carsten31:

Ne, schützen können die Dinger nicht. Gefilmt wird doch auch jetzt schon fleißig. Entweder laufen die Grünen mit ihren Kamerastativen durch die Gegend oder es wird aus dem Hubschrauber heraus gefilmt. Verhindert wird damit [...] mehr...

18.01.2008 von lofi:

Wie ich diversen Meldungen im Dezember entnehmen konnte, hatte die DFL selbst Wunderkerzen verboten. Der Kommerz wird sich sein eigenes Publikum schnitzen, welches nichts mehr mit dem früheren Fußballpublikum zu tun haben wird. [...] mehr...

17.01.2008 von smj:

Und hier setzt nun schon ein, was an Gleichsetzungen so sehr von ogrigkeitlicher Stelle gewünscht ist. Ihr eigentliches Anliegen in Ehren, denn Sie haben durchaus recht mit Ihrer Grundaussage, aber mir geht es um die [...] mehr...

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